US-Pfadfinder Boy Scouts schließen Transgender-Kind aus

Joe Maldonado darf nicht mehr bei den US-Pfadfindern mitmachen, weil er als Mädchen geboren wurde. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf den Umgang der Boy Scouts mit Transgender-Kindern.

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Die Boy Scouts of America sind nicht gerade als besonders progressive Organisation bekannt. Erst seit dem vergangenen Jahr sind Homosexuelle als Betreuer, Gruppenleiter und Angestellte zugelassen. Und junge Homosexuelle dürfen auch erst seit 2013 Mitglied werden.

In Bezug auf Transgender-Kinder ist die Organisation offensichtlich noch nicht so weit. Das zeigt der Fall von Joe Maldonado. Der Achtjährige lebt im US-Bundesstaat New Jersey und war Mitglied in einer der Boy-Scout-Vereinigungen im Ort Seacaucus. Dann wurde ihm gesagt, er sei nicht mehr willkommen. Der Grund: Joe wurde als Mädchen geboren, bis vor zwei Jahren wurde er Jodi genannt.

Er sei erst traurig gewesen, sagte Joe CNN. "Aber dann sehr wütend, weil es einfach nicht fair ist, dass sie mich nicht mitmachen lassen, weil ich als Mädchen geboren wurde." Kritiker sehen darin Diskriminierung, die Mobbing und Vorurteile stärke. Transgender-Kinder würden unnötigerweise einer Zurückweisung ausgesetzt.

Joes Mutter Kristie hatte nach eigenen Angaben den Boy Scouts bei der Anmeldung mitgeteilt, dass ihr Sohn ein Transgender-Kind ist. Die anderen Jungs hätten nie Probleme wegen der Gender-Identität des Jungen gehabt. Ihr sei aber gesagt worden, Eltern hätten die Sache erwähnt.

"Die haben mich rausgeschmissen, als ich so viel Spaß hatte"

Sie wisse, dass die Sache heikel sei, sagte Kristie Maldonado. Hätten die Boy Scouts von vornherein gesagt, Joe könne nicht mitmachen, hätte sie sich eine Ausrede einfallen lassen. "Aber man nimmt kein Kind auf und wirft es einen Monat später wieder raus."

Die Boy Scouts argumentieren, man orientiere sich am biologischen Geschlecht, das in der Geburtsurkunde angegeben sei. Würde also ein Transgender-Mädchen aufgenommen, das laut Geburtsurkunde als Junge zur Welt kam? Laut "Guardian" ließ die Organisation die Frage unbeantwortet.

Die Organisation hatte vor einigen Wochen mitgeteilt, Transgender-Kinder seien in Programmen für Jungen und Mädchen willkommen, aber nicht in Gruppen, die ausschließlich für Jungen bestimmt seien.

Für Joe ist die Sache vorerst ohnehin erledigt. In seine alte Gruppe will er ohnehin nicht mehr zurück, sagte er CNN: "Die haben mich rausgeschmissen, als ich so viel Spaß hatte, und sie haben das ruiniert."

ulz



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