Zehntausende ohne Strom: Hurrikan "Isaac" erreicht Louisiana

Erste Ausläufer des Hurrikans "Isaac" haben den US-Bundesstaat Louisiana mit heftigem Regen und Sturmböen erreicht. Die Behörden warnten vor lebensgefährlichen Fluten. In Zehntausenden Haushalten fiel der Strom aus.

Südstaaten: Hurrikan "Isaac" lässt die Pegel steigen Fotos
DPA

Washington - Mit Windgeschwindigkeiten von rund 130 Kilometern pro Stunde hat der zum Hurrikan hochgestufte Tropensturm "Isaac" die Küste im Südosten des US-Bundesstaates Louisiana erreicht. Die ersten Ausläufer hatten am Dienstagabend starke Regenfälle und heftige Böen mit sich gebracht. Das Zentrum des Wirbelsturms traf um 19.45 Uhr Ortszeit (Mittwochmorgen 1.45 MESZ) nahe der Mündung des Mississippi Rivers auf die Küste, wie das Nationale Hurrikanzentrum der USA mitteilte.

In Zehntausenden Haushalten im Südosten der USA fiel der Strom aus. Insgesamt saßen etwa 300.000 Menschen zeitweise im Dunkeln. Nach Angaben des US-Wetterdienstes gewann der Hurrikan zuletzt nochmals an Stärke und bewegte sich langsam auf die Metropole New Orleans zu. Experten rechneten damit, dass er die Stadt am Mittwochmorgen (Ortszeit) erreicht.

Zwar wird "Isaac" Meteorologen zufolge nicht die gleiche Wucht wie der verheerende Hurrikan "Katrina" erreichen, der vor genau sieben Jahren die Region um New Orleans ins Chaos stürzte und 1800 Menschenleben forderte. Die Behörden warnen dennoch davor, die Kraft des Sturmes zu unterschätzen.

"Isaac" bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 13 Kilometern pro Stunde in Richtung Nordwesten. Der Sturm war am Dienstag zu einem Hurrikan der Stufe 1 auf der Saffir-Simpson-Skala heraufgestuft worden. "Katrina" war mit Kategorie 3 jedoch wesentlich stärker gewesen.

Die Straßen von New Orleans waren am Dienstag wie ausgestorben. Etwa tausend Mann der US-Nationalgarde hatten mit Militärfahrzeugen Stellung bezogen - auch um möglichen Plünderungen vorzubeugen, wie sie sich 2005 zuhauf in der verwüsteten Stadt ereignet hatten.

Viele Einwohner verrammelten die Fenster ihrer Häuser und horteten Lebensmittel. Rund 130.000 Haushalte waren ab dem frühen Abend ohne Strom, wie der örtliche Energieversorger mitteilte. Laut Bürgermeister Mitch Landrieu könnten bis zu 40 Zentimeter Niederschlag fallen. Am Flughafen von New Orleans wurden alle für Dienstag und Mittwoch geplanten Flüge gestrichen.

"Isaac" erster Test für neue Deiche

Der Hurrikan wird der erste große Test sein für die neue Flutschutzanlage sein, die nach der "Katrina"-Katastrophe gebaut worden war. Insgesamt 14,5 Milliarden Dollar waren in den Bau des umfangreichen Systems von Schleusen, Deichen und Pumpen investiert worden.

Vor allem in flachen Küstenstrichen jenseits der Deiche könnten lebensgefährliche Fluten entstehen, warnten die Behörden. Von einigen Stränden in Louisiana wurden schon bis zu drei Meter hohe Wellen gemeldet. Fernsehbilder zeigten tiefschwarze Wolken am Himmel, dicke Bäume bogen sich unter der Last des Windes.

Menschen in Einfamilienhäusern und Wohnungen im ersten und zweiten Stockwerk drohe "ein sicherer Tod", sollten sie ihre Gebäude nicht rechtzeitig verlassen oder zumindest Schwimmwesten und eine Axt bereithalten, um sich aus überfluteten Räumen zu befreien, hieß es in einer Mitteilung des Hurrikan-Zentrums in Miami.

In den Staaten Louisiana und Mississippi, die neben Alabama auf der Route von "Isaac" lagen, ließen die Behörden niedrig gelegene Küstenstriche evakuieren. Die meisten Flughäfen schlossen, Einwohner deckten sich mit Lebensmitteln und anderen wichtigen Gütern ein. In Gulfport - einer Stadt mit 70.000 Einwohnern im Staat Mississippi - wurde eine Ausgangssperre verhängt. New Orleans schloss seine 127, knapp acht Meter hohen Fluttore.

US-Präsident Obama warnte persönlich vor Zerstörungen und Überschwemmungen. "Wir haben es mit einem großen Sturm zu tun", sagte er in einer Fernsehansprache aus dem Weißen Haus. Obama forderte die Menschen in den bedrohten Gebieten dazu auf, den Aufforderungen zu Evakuierungen nachzukommen. "Jetzt ist es nicht an der Zeit, das Schicksal herauszufordern", sagte er.

Der Gouverneur des Bundesstaates Louisiana, Bobby Jindal, hatte die Bürger bereits am Montag aufgefordert, ihre Vorräte aufzustocken oder sich in Sicherheit zu bringen. Mehr als 4000 Mitglieder der Küstenwache hielten sich bereit, rund um New Orleans standen 48 bemannte Boote für einen Einsatz zur Verfügung.

ala/dpa/AFP/AP

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1.
pixie48 29.08.2012
Bei 130kmh ist das doch gerad mal ein Sturn mit Kategorie 2! Ds ist doch noch kein Grund zur Sorge. *Kopfschuettel*. Was wird fuern tamtam gemacht. Bei vernuenftigen Vorsichtsmassnahmen ueberstaht man das doch locker.
2. Aber nicht bei diesen Häusern
spon-facebook-10000210990 29.08.2012
Zitat von pixie48Bei 130kmh ist das doch gerad mal ein Sturn mit Kategorie 2! Ds ist doch noch kein Grund zur Sorge. *Kopfschuettel*. Was wird fuern tamtam gemacht. Bei vernuenftigen Vorsichtsmassnahmen ueberstaht man das doch locker.
Wenn ich mir die Schäden eines Sturmes in Amerika ansehe, sieht man hauptsächlich Holz und Gipsfaserplatten. Ebenso macht die Gewissheit Angst, dass es länger gedauert hat, Wasser in den Superdome zu liefern als in den Irak einzumarschieren. Da sind doch die Prioritäten klar verteilt.
3.
denkpanzer 29.08.2012
Da man es in den USA vorzieht massig Geld in die Rüstung und in Kriege zu pumpen anstatt in die örtliche Infrastuktur wird wohl auch dieser Hurrikan nicht spurlos vorübergehen.
4. optional
kitska 29.08.2012
Ein weiteres Problem ist, dass ein großer Teil der Stadt New Orleans unterhalb des Meeresspiegels liegt ("the bowl") und deshalb bei starken Regenfällen von unten flutet. Damit ist die Gefahr größer, in einem überfluteten Haus eingeschlossen zu sein. Außerdem natürlich die bereits genannte Tatsache, dass die Häuser bei weitem nicht so stabil sind wie das hierzulande üblich ist. Mein Eindruck ist aber, dass dieses Mal mehr Leute dem Aufruf zur Evakuierung gefolgt sind und sich in Sicherheit gebracht haben. Ich hoffe jedenfalls das Beste!
5. Die Deiche
gandhiforever 29.08.2012
Zitat von sysopErste Ausläufer des Hurrikans "Isaac" haben den US-Bundesstaat Louisiana mit heftigem Regen und Sturmböen erreicht. Die Behörden warnten vor lebensgefährlichen Fluten. In Zehntausenden Haushalten fiel der Strom aus. US-Südstaaten: Hurrikan "Isaac" erreicht Louisiana - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,852658,00.html)
Die Deiche haben in allen Gebieten gehalten, allerdings waren sie in einigen Gebieten fuer die Flutwelle nicht hoch genug. Dort stehen nun Haeusser bis zu 8 Metern unter Wasser. Nicht auszudenken,wie schlimm es waere, haette Isaac die gleiche Staerke, wie Katrina sie gehabt hat. Da ist noch viel Arbeit noetig, um der drohenden Gefahr zu begnen. Nebenbei moechte ich noch anfuegen, dass Gov. Jindal, der sonst unisono mit den anderen GOP-Gouverneuren ueber zu viel Zentralstaat polemisiert, schon vor der Ankunft dieses vergleichsweise kleinen Hurrikans nach mehr Hilfe aus Washington gerufen hat.
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