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US-Veteran trifft Jugendliebe: Wiedersehen nach mehr als 70 Jahren

Im Zweiten Weltkrieg waren sie ein Paar, danach verloren sie sich aus den Augen. Jetzt haben sich eine Britin und ein US-Amerikaner in Australien zum ersten Mal wiedergetroffen.

Zweiter Weltkrieg: US-Veteran trifft Jugendliebe nach 70 Jahren Fotos
AP/ Air New Zealand

Bevor der 93-jährige Norwood Thomas ins Flugzeug stieg, gestand er: "Ich bin ein bisschen nervös." In Australien sollte er seine Jugendliebe, die Britin Joyce Morris, zum ersten Mal nach 71 Jahren wiedersehen.

Die 88-jährige Morris empfing Thomas in einem Hotelzimmer in der Stadt Adelaide mit einer Umarmung, einem Kuss und den Worten: "Du steht also immer noch in der Vertikalen", zitiert sie die britische Tageszeitung "The Telegraph". Thomas antwortete darauf: "Drück mich."

Der Veteran war im Zweiten Weltkrieg in London stationiert, musste dann aber in der Normandie kämpfen. Anschließend schrieb er der jungen Britin von seiner Heimat USA aus, sie solle "sein Haus zu ihrem Zuhause" machen. Doch sie verstand die Einladung falsch und dachte, er sei bereits verheiratet und würde Anstalten machen, seine Frau zu verlassen.

So verloren sie sich aus den Augen. Beide heirateten und bekamen Kinder. Sie zog mit ihrem Mann nach Australien und ließ sich nach 30 Jahren scheiden. Er wurde vor zehn Jahren Witwer.

Im November vergangenen Jahres fasste sich Joyce Morris ein Herz. Sie bat ihren Sohn, die Liebe aus Zeiten des Krieges im Internet zu suchen. Der Sohn wurde schnell fündig, weil es einen Zeitungsbericht über Norwood Thomas gab, wie er an seinem 88. Geburtstag einen Fallschirmsprung wagte.

Vor einigen Wochen telefonierten beide Senioren erstmals via Skype. Sie sprachen auch darüber, dass sie sich gern wiedersehen würden. Weil die Story rasch öffentlich wurde, starteten Unterstützer eine Spendenkampagne - es kamen 7500 US-Dollar zusammen.

Bei ihrem ersten Treffen in Australien sagte die 88-jährige Morris: "Nun werden wir großartige zwei Wochen miteinander verbringen. Wäre es nicht schön, so spät im Leben jemanden zu finden, der einen liebt und den man selbst liebt?"

Der 93-jährige Thomas ergänzte: "Das ist das Schönste, was mir passieren konnte. Lieber wäre ich auf der Reise nach Australien gestorben, als zu Hause zu sitzen und mich für immer zu fragen: Was wäre wenn?"

lba

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