Vorwürfe gegen Republikaner Bush und Moore sollen weitere Frauen sexuell belästigt haben

Der Ex-Präsident der USA wird von einer Frau beschuldigt, sie als 16-Jährige sexuell belästigt zu haben. Der Republikaner Roy Moore wird mit ähnlichen neuen Vorwürfen konfrontiert - und bekommt von unerwarteter Seite Unterstützung.

Ehemaliger US-Präsident George H.W. Bush
Getty Images

Ehemaliger US-Präsident George H.W. Bush


Die Vorwürfe an US-Politiker, Frauen in den vergangenen Jahren anstößig behandelt zu haben, reißen nicht ab: Eine weitere Frau beschuldigt den früheren US-Präsidenten George Bush senior, sie als 16-Jährige unangemessen berührt zu haben. Auch dem umstrittenen Republikaner Roy Moore werden nach Missbrauchsanschuldigungen neue Vorwürfe gemacht, eine 16-Jährige unsittlich angefasst zu haben.

George Bush soll im Jahr 2003 - damals war er 79 Jahre alt - Roslyn Corrigan ans Gesäß gefasst haben, als sie gemeinsam für ein Foto posierten. Dem "Time Magazine" berichtete sie von dem Vorfall auf einer Versammlung von CIA-Beamten. Roslyn Corrigan besuchte damals die Veranstaltung mit ihrer Mutter und ihrem Vater, der Geheimdienstanalyst war.

"Meine erste Reaktion war absolutes Entsetzen. Ich war wirklich sehr, sehr verwirrt", sagte Roslyn Corrigan dem Magazin. Sie habe zuerst ihre Mutter angeschaut, aber nichts gesagt. "Was soll ein Teenager zum Ex-Präsident der Vereinigten Staaten sagen? So was wie: 'Hey du, du solltest mich nicht so berühren'?"

Ein Sprecher des 41. Präsidenten sagte in einer Erklärung, dass Bush jede anstößige Aktion bedauere.

Roslyn Corrigan ist mindestens die fünfte Frau, die sagt, dass der heute 93-Jährige sie sexuell belästigt habe. George Bush senior ist bereits im Zuge der #MeToo-Debatte mehrfach beschuldigt worden. Laut "Time Magazine" hat eine pensionierte Journalistin vor einigen Wochen bei Facebook gepostet, dass der ehemalige US-Präsident sie bei einem Fototermin im Jahr 2004 von hinten berührt habe. Von ähnlichen Übergriffen berichteten bereits die Schauspielerinnen Heather Lind und Jordana Grolnick sowie die Schriftstellerin Christina Baker Kline.

Der Sprecher des Präsidenten behauptete damals, da Bush seit fünf Jahren im Rollstuhl sitze, falle sein Arm bei Menschen, mit denen er für Fotos posiert, auf den unteren Teil der Hüfte. Er habe gelegentlich Frauen in einer von ihm als gutmütig beabsichtigten Weise auf die Hinterseite geklopft.

Als das Foto mit Roslyn Corrigan 2003 aufgenommen wurde, saß George Bush senior noch nicht im Rollstuhl, sondern stand neben ihr. Die Aussage des Sprechers wurde zu diesem Vorfall aber nicht weiter ausgeführt.

Republikaner Roy Moore
AP

Republikaner Roy Moore

Auch der Kandidat für den freigewordenen Senatssitz von Justizminister Jeff Sessions, Roy Moore, soll in den Siebzigerjahren eine damals 16 Jahre alte Frau belästigt haben, die in einem Restaurant arbeitete, das er regelmäßig besuchte. Die heute 55-jährige Beverly Young Nelson berichtet von einem Abend, an dem er ihr angeboten hatte, sie nach Hause zu fahren. Als sie in seinem Auto saß, habe er sie betatscht und versucht, ihr das Shirt auszuziehen. Irgendwann habe er von ihr abgelassen.

Nelson ist die fünfte Frau, die Vorwürfe gegen den 70-Jährigen erhebt. Eine andere Frau sagte der "Washington Post", Moore habe sie 1979 zweimal mit nach Hause genommen und sie unsittlich berührt. Sie war damals erst 14 Jahre alt. Drei weitere Frauen erhoben ähnliche Anschuldigungen. Moore wies die Vorwürfe zurück.

Unter den Republikanern werden die Forderungen unterdessen immer lauter, dass der 70-Jährige seine Kandidatur für den Senatssitz in Alabama zurückziehen müsse. Auch der Fraktionschef der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, schloss sich den Rufen am Montag an. "Ich denke, er sollte seinen Platz freimachen", sagte McConnell auf die Frage eines Reporters. Er erklärte zudem, dass er den Frauen glaube.

Derweil sollen mehr als 50 Pastoren aus Alabama einen Brief unterzeichnet haben, der Moore angesichts der Vorwürfe unterstützt. Die Ehefrau des Republikaners postete ihn auf ihrer Facebook-Seite. In dem Brief beschreiben die Pastoren Moore als "unbeweglichen Stein in Kulturkriegen", ihn hätten die Angriffe mit einer "seltenen unüberwindlichen Entschlossenheit" getroffen.

Der Wirbel um Moore stürzt viele Republikaner in einen tiefen Konflikt. Da sie im Senat nur einen Zwei-Stimmen-Vorsprung vor den Demokraten haben, wäre eine Niederlage des Kandidaten ein herber Rückschlag. Andererseits missfällt Moore dem republikanischen Establishment, das seine extremen Positionen nicht teilt. Er ist gegen Muslime und Homosexuelle, tritt für uneingeschränkte Waffenrechte ein und spricht sich dafür aus, "Gottes Gesetz" über die Verfassung zu stellen.

cop/AP/dpa



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