Vandalismus in Hamburger Kirchen "Gezielter Angriff auf christliche Symbole"

Gotteshaus in Flammen: Kurz vor Heiligabend ist eine Hamburger Kirche bei einem Brandanschlag schwer beschädigt worden. Es war der dritte Fall von Vandalismus binnen weniger Wochen - die Polizei geht von Wiederholungstätern aus.


Hamburg - Es war ein lauschiger vierter Advent in Hamburg: Im Michel läutete erstmals wieder die restaurierte "Jahrtausendglocke", St. Katharinen feierte die Rückkehr der berühmten Bach-Orgel und die Hanseaten flanierten trotz Nieselregens gut gelaunt über die Weihnachtsmärkte.

Im Stadtteil Poppenbüttel allerdings nahm die vorweihnachtliche Geruhsamkeit am Sonntagmorgen ein jähes Ende: Eine Autofahrerin sah gegen sechs Uhr Rauchschwaden und Feuer aus der St.-Bernard-Kirche am Langenstücken 40 aufsteigen. Die Frau klingelte umgehend den zuständigen Pastor Anton Jansen aus dem Bett, der die Feuerwehr alarmierte. Die rückte mit einem Großaufgebot an, konnte aber nicht verhindern, dass die Sakristei des Gotteshauses komplett ausbrannte.

Feuerwehrmann erlitt schwere Verbrennungen

"Es war alles vollkommen verqualmt, ohne Atemschutz konnte man gar nicht in die Kirche hinein", sagte Pastor Jansen SPIEGEL ONLINE. Einer der Feuerwehrmänner zog sich bei den Löscharbeiten schwere Verbrennungen zu, ein zweiter erlitt auf Grund der großen Rauchentwicklung einen Kreislaufkollaps.

Ersten Ermittlungen zufolge zerschlugen die Brandstifter ein Kellerfenster und drangen so ins Innere der Kirche vor. Dort sammelten sie Gebetsbücher ein, warfen diese auf den Altar und verbrannten sie. Dann legten die Täter das verheerende Feuer in der Sakristei und entkamen unerkannt. "Dabei wurden Brandbeschleuniger benutzt", sagte Polizeisprecher Andreas Schöpflin. Auf Grund der hohen Kohlenmonoxidbelastung im Innern der Kirche entscheidet sich erst am Montag, ob die Polizei den Tatort begehen kann.

Augenzeugen berichteten von "drei dunkel gekleideten Männern", die sich vom Tatort entfernt hätten. Auch die Polizei geht derzeit von mehreren Tätern aus. Erst Anfang November hatten Unbekannte in der benachbarten Simon-Petrus-Kirche mehrere Altarfenster eingeworfen und in der Marktkirche in Poppenbüttel randaliert. "Der Verdacht, dass es sich um Wiederholungstäter handelt, liegt nah", sagte Schöpflin. Die Vorgehensweise sei ähnlich. Einen politisch oder religiös motivierten Anschlag schließe die Polizei bisher aus. "Alles deutet auf Vandalismus hin."

"Wir sind sehr betroffen"

"Hier wurde nicht wahllos gezündelt, dies war ein gezielter Anschlag auf christliche Symbole", empört sich Pastor Jansen. Die Kirchengemeinde St. Bernard im Nordosten hat mehr als 4100 Mitglieder, von denen die meisten entsetzt sind über den Anschlag auf ihr Gotteshaus. "Wir sind sehr betroffen, aber die Solidarität von allen Seiten ist groß", so Jansen. Noch am Sonntagabend wurde eine Andacht auf dem Kirchplatz gehalten. Der Tenor: "Wir lassen uns nicht unterkriegen."

Kirche, Gemeindezentrum und der angeschlossene Kindergarten sind derzeit gesperrt. Alle geplanten Weihnachtsveranstaltungen müssen vermutlich ausfallen.

Sollten sich die Kirchen in Zukunft besser vor Vandalismus und Anschlägen schützen? "Ich wüsste nicht wie", sagt Pastor Jansen. "Wir können ja nicht alle Kirchen unter Polizeischutz stellen."

In der Pressemitteilung von St. Bernhard heißt es: "Für die Täter können wir nur Gott bitten, dass er sie zur Besinnung führt."

ala



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