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Vatikan: 140 Kardinäle beraten über Missbrauch

In Rom sind mehr als 100 der höchsten Würdenträger der katholischen Kirche bei einer Tagung zusammengekommen, um über Themen wie Religionsfreiheit und Missbrauch zu beraten. Der Münchner Bischof Marx soll zudem in den Kardinalsstand erhoben werden.

Beginn der Gespräche in Rom: Papst Benedikt XVI. eröffnet am Freitag die Tagung Zur Großansicht
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Beginn der Gespräche in Rom: Papst Benedikt XVI. eröffnet am Freitag die Tagung

Vatikanstadt - Rund 140 Kardinäle sind am Freitag auf Einladung Benedikts XVI. im Vatikan zu Gesprächen über Religionsfreiheit und andere Themen zusammengekommen.

Die Beratungen über die Folgen aus den zahlreichen Missbrauchsskandalen innerhalb der katholischen Kirche soll der Präfekt der Glaubenskongregation des Vatikan leiten, der US-Kardinal William Joseph Levada. Als Reaktion auf Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche will der Vatikan ein Rundschreiben mit Richtlinien für den Umgang mit Missbrauchsfällen herausgeben. Das Schreiben werde Regeln für ein "koordiniertes und effizientes Programm" im Kampf gegen sexuellen Missbrauch durch Geistliche enthalten.

Opferverbände in den USA kritisieren Levadas Umgang mit der Thematik. Das Netzwerk SNAP kündigte für Freitagnachmittag eine Demonstration auf der Piazza Navona im Zentrum von Rom an. Der konservative Levada war früher Erzbischof von San Francisco. 2002 ging dort ein Priester mit Erfolg gerichtlich gegen das Erzbistum vor; er war nach eigener Aussage von der Kirche unter Druck gesetzt worden, nachdem er die Annäherungsversuche eines offenbar pädophilen Priesters an einen Jugendlichen gemeldet hatte.

In den vergangenen Jahren und Monaten waren in den USA und in Europa zahlreiche Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester und in katholischen Einrichtungen aufgedeckt worden.

In Irland wurde vor einem Jahr der sogenannte Murphy-Bericht veröffentlicht, wonach katholische Würdenträger dort jahrzehntelang Vergewaltigungen und Misshandlungen von Minderjährigen vertuscht hatten. Insgesamt war von 14.500 Opfern die Rede. Nach der Veröffentlichung des Berichts in Irland waren unter anderem auch in Deutschland, dem Heimatland des Papstes, sowie in Österreich, der Schweiz, Belgien und in Italien Missbrauchsskandale um katholische Geistliche bekannt geworden.

Zu dem Treffen im Vatikan wurden auch die neu ernannten Kardinäle eingeladen, die am Samstag ihre Insignien empfangen sollten.

China kündigte Bischofsweihung ohne Zustimmung des Vatikans an

Insgesamt werden 24 Geistliche in den Kardinalsstand erhoben: Bei einem Gottesdienst im Petersdom wird ihnen Papst Benedikt XVI. das rote Kardinalsbirett und ihr Ernennungsdekret überreichen. Am Sonntag erhalten die neuen Kardinäle dann vom Kirchenoberhaupt bei einer Messfeier ihre Ringe. Unter den neuen Kardinälen sind zwei Deutsche, der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, und der frühere Chefhistoriker des Vatikans, Walter Brandmüller.

Bei der Tagung gewann das Hauptthema Religionsfreiheit besondere Aktualität, weil China für Samstag die Weihung eines Bischofs ohne Zustimmung des Vatikans ankündigte.

Der Vatikan hat vor einer Verschlechterung der Beziehungen gewarnt, sollten Bischöfe des Papstes gezwungen werden, der Ordination beizuwohnen. Die vom Staat unterstützte katholische Kirche in China, die Katholisch-Patriotische Vereinigung, erklärte am Freitag, die Bischofsweihe werde stattfinden. Die Teilnahme anderer Bischöfe sei freiwillig. Der Hongkonger Kardinal Joseph Zen, ein entschlossener Fürsprecher der Religionsfreiheit, kritisierte die chinesische Regierung und sprach von einer Schande.

Weitere Themen auf der Agenda des Kardinalstreffens waren die Beziehungen zu den Anglikanern und die Liturgie im Leben der Kirche.

pad/dpa//dapd/AFP

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