Familiensynode im Vatikan Bischöfe sehen "positive Aspekte" gleichgeschlechtlicher Liebe

Ändert die katholische Kirche unter Papst Franziskus ihre Haltung zu Homosexuellen? In einem Papier zur Familiensynode schlagen die Bischöfe nun ungewohnte Töne an.

Kardinal Peter Erdö: "Mutige pastorale Entscheidungen"
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Kardinal Peter Erdö: "Mutige pastorale Entscheidungen"


Rom - Rund 200 Bischöfe aus aller Welt beraten seit gut einer Woche im Vatikan über Ehe, Familie und Sexualmoral. Zur Halbzeit der Synode haben sie sich offen für neue Wege gezeigt. "Es klang klar die Notwendigkeit für mutige pastorale Entscheidungen an", steht in dem Zwischenbericht von Kardinal Peter Erdö.

Homosexuelle könnten die christliche Gemeinschaft bereichern, heißt es in dem Dokument. Erstmals wird darin die Frage aufgeworfen, ob die Kirche diese Menschen willkommen heiße und ihnen einen "brüderlichen Platz" in den Gemeinden anbieten könne, ohne die katholischen Vorstellungen von Ehe und Familie zu verletzen.

Die römisch-katholische Kirche verurteilt homosexuelle Handlungen und lehnt die gleichgeschlechtliche Ehe ab. In dem Bericht gibt es zwar keine Hinweise, dass sie von dieser Haltung abrückt. Doch erstmals ist nun auch von "positiven Aspekten" gleichgeschlechtlicher Beziehungen die Rede. Die Kirche könne ihre Partnerschaft nicht als Ehe sehen, möglicherweise aber ihre Gaben und Qualitäten anerkennen, heißt es. Die Formulierungen heben sich deutlich von früheren Erklärungen ab, die unter den Vorgängern von Papst Franziskus veröffentlicht wurden.

Abschlussbericht wird für Samstag erwartet

Das Dokument zeige, dass Franziskus beim Thema Ehe und Familie die Barmherzigkeit in den Vordergrund rücke, analysierte der Vatikan-Experte John Thavis. Die Formulierungen lassen vermuten, dass sich unter den Bischöfen gemäßigtere Kräfte durchgesetzt haben.

Auch über den Umgang der katholischen Kirche mit Geschiedenen, die erneut geheiratet haben, ist laut Beobachtern in der ersten Synodenwoche intensiv diskutiert worden. Die Teilnehmer hätten die Dringlichkeit für neue Wege erkannt, schreibt Erdö, es könne jedoch nicht eine allgemeine Lösung geben. Am Montag ging die Arbeit der Teilnehmer, zu denen auch beratende Laien gehören, an einzelnen Themen in Kleingruppen weiter.

Seit vergangenem Sonntag diskutieren die Teilnehmer über - für die katholische Kirche - heikle Themen wie Scheidung, die Homo-Ehe oder Verhütung. Die Synode endet am Sonntag mit der Seligsprechung von Papst Paul VI., das abschließende Dokument des zweiwöchigen Treffens soll am Samstag veröffentlicht werden. Es dürfte als Basis für die Synode im Jahr 2015 dienen, die vom 4. bis 25. Oktober stattfinden wird.

wit/dpa/Reuters

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insgesamt 23 Beiträge
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LauschenIstTerror 13.10.2014
1. Und ich dachte immer,
das ist alles von Gott so gewollt! Es ist alles also doch nur die Entscheidung von senilen, alten Männern. Da denkt man hinter all dem steckt eine höhere Intelligenz und dann stellt sich heraus, das doch wieder nur schnöde Machtinteressen von weltfremden Greisen dahinterstecken. Wirklich desillusionierend dieser Beitrag!
Robeuten_II 13.10.2014
2.
Zitat von LauschenIstTerrordas ist alles von Gott so gewollt! Es ist alles also doch nur die Entscheidung von senilen, alten Männern. Da denkt man hinter all dem steckt eine höhere Intelligenz und dann stellt sich heraus, das doch wieder nur schnöde Machtinteressen von weltfremden Greisen dahinterstecken. Wirklich desillusionierend dieser Beitrag!
Ja, auch hinter der jetzigen "Toleranz" stehen auch nur schnöde Machtinteressen - der Kirche laufen die Schäfchen davon; da muß man halt auf Menschen zurückgreifen, die man bisher verachtet hat... Egal, was die alten Herren in lustigen Röcken entscheiden - es bleibt widerlich! Hoffe, daß sich u.a. Homosexuelle nicht so einfach von der Kirche einlullen lassen!
crêpes 13.10.2014
3. Eine Gedankenwende ...
...in Sicht??? Als Atheist frage ich mich, ob die KK endlich auf der Erde leben will und nicht weiter in irgendwelchen Sphären? Hoffentlich ist der Papst stark genug, sich gegen die Querköppe durchzusetzen! Wie letztens im TV ein Bericht über den Vatikan offenbart hat, kann die KK in ihrem Laden "normale Menschen" - dazu gehören nun mal Homosexuelle - auch nicht ausschließen bzw. scheint es in ihren Reihen nur so wimmeln! Es gibt sie einfach! Und, doch nicht schlimm, nur sollen sie die Finger von Kindern, Jugendlichen/Schutzbefohlenen weglassen und der Papst soll endlich das Zölibat abschaffen!!!
Linda14 13.10.2014
4. Wen...
...interessiert das? Das wird in den Medien abgedudelt wie nicht was. Verstehe ich irgendwie nicht. Hätte es einen Jesus gegeben, wäre ihm wahrscheinlich sowieso egal, wie jemand tickt. Und das ist auch schon wieder der Punkt: Die Kirche hat ihre eigenen Gesetze, obwohl sie sich als seinen verlängerten Arm sieht. Soll sie doch, es gibt inzwischen weitere Kirchen, die Homosexuelle schon seit Jahren trauen. Wenn man denn meint, man müsse dafür einen kirchlichen Segen haben, ist man dort dann sowieso vermutlich besser aufgehoben.
sober 13.10.2014
5. Nicht so nüchtern!
Die betont nüchternen Beiträge meiner Mitforisten erstaunen mich etwas. Sollte die katholische Kirche tatsächlich ihre ablehnende, hassende Haltung gegenüber homosexuellen Beziehungen korrigieren, wäre das eine REVOLUTION! Ok, in Deutschland würde sich nicht viel ändern, aber in Polen zum Beispiel oder in Schwarzafrika würden sich die Türen öffnen für eine tolerantere Politik. Ich wünsche es den Schwulen in diesen Ländern vom ganzen Herzen!
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