Abschlussbotschaft der Familiensynode Über Homosexuelle kein Wort

Zum Abschluss der Familiensynode im Vatikan wollen die Bischöfe zeigen: Die katholische Kirche heißt jeden willkommen. Heikle Themen wie den Umgang mit Homosexuellen sprechen sie jedoch nicht mehr an.

Familiensynode im Vatikan: Rund 200 Bischöfe beraten über kontroverse Themen
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Familiensynode im Vatikan: Rund 200 Bischöfe beraten über kontroverse Themen


Rom - Im Vatikan geht die Familiensynode der katholischen Kirche zu Ende. Die Glaubensgemeinschaft soll niemanden ausschließen und für alle offen stehen - auf diese Botschaft haben sich die Bischöfe am Samstag geeinigt. Mit großer Mehrheit verabschiedeten die rund 200 Kirchenoberen das Schriftstück, das an Gläubige in aller Welt gerichtet ist. Das Papier geht zwar auf die Herausforderungen und Krisen im Familienleben ein, thematisiert aber nicht explizit den Umgang der katholischen Kirche mit Homosexuellen. Diese Frage war ein Knackpunkt der Beratungen.

Am späten Nachmittag wollten die Bischöfe noch über das Abschlussdokument der Synode abstimmen, das dann Papst Franziskus übergeben werden soll. Ob dieses direkt veröffentlicht wird, ist noch unklar. Die Entscheidung darüber liegt beim Papst.

In der zuvor veröffentlichten Abschlussbotschaft an das Kirchenvolk wenden sich die Bischöfe an Familien rund um die Erde und betonen den offenen Charakter der Kirche: "Christus hat gewollt, dass seine Kirche ein Haus ist, das immer eine offene Tür hat, (...) ohne jemanden auszuschließen."

"Verarmung von Beziehungen"

Im weiteren Verlauf des Textes gehen die Synodenväter - zumeist Vorsitzende der nationalen Bischofskonferenzen, Vertreter der Kurie und weitere Kirchenobere - konkret auf Probleme ein, die sich aus ehelichem Zusammenleben ergeben können. Etwa die "Herausforderung der Treue in der ehelichen Liebe" oder die "Verarmung von Beziehungen". Nicht selten komme es zu Ehekrisen, neuen Verbindungen und es entstünden komplexe familiäre Beziehungen, die mit Blick auf die christlichen Regeln problematisch seien.

Auch Krankheiten, wirtschaftliche Not sowie Krieg und Unterdrückung stellten viele Familien vor eine Zerreißprobe. Die Synodenväter riefen daher Regierungen und internationale Organisationen auf, die Rechte von Familien zu stärken.

Mit Spannung wurde erwartet, wie die Bischöfe in dem Abschlussdokument ihre teilweise kontroverse Debatte der vergangenen zwei Wochen zusammenfassen. Ein Streitpunkt war der Umgang der katholischen Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen. "Wir haben über die pastorale Begleitung und Zugang zu den Sakramenten für wiederverheiratete Geschiedene nachgedacht", heißt es in der Botschaft lediglich.

Seligsprechung am Sonntag

Kontrovers diskutiert wurde auch die Haltung zu Homosexuellen. Hierzu hatte ein am Montag veröffentlichter Zwischenbericht Aufsehen erregt. Homosexuelle könnten die Kirche mit ihren "Gaben und Eigenschaften" bereichern, hieß es darin. Beobachter sahen darin einen neuen Ton der Kirche. Gerade von konservativer Seite war umgehend Kritik laut geworden, das Papier gehe zu weit.

Am Samstag zeichnete sich ab, dass einige Änderungen an dem Text vorgenommen wurden. Definitive Entscheidungen sind von dem zweiwöchigen Treffen aber nicht zu erwarten. Es soll vielmehr eine weitere Synode zum gleichen Thema im kommenden Jahr vorbereiten. In der Abschlussbotschaft rufen die Bischöfe die Gläubigen dazu auf, "mit uns der nächsten Synode entgegenzugehen".

Nach Ansicht des Papstvertrauten Kardinal Walter Kasper war das Treffen ein großen Schritt nach vorn. Definitive Antworten seien jedoch nicht die Aufgabe der Synode gewesen, sagte er der Tageszeitung "Corriere della Sera". "Ich habe den Eindruck, dass wir Synodenväter eine gute Mehrheit erreichen mit einem offenen, aber nicht endgültigen Text." Es bleibe noch ein Jahr Zeit, sagte Kasper mit Blick auf das nächste Treffen 2015. "Man kann nicht alles in Eile machen."

Offiziell beendet wird die Synode am Sonntag mit der Seligsprechung des Papstes Paul VI. (1897-1978). Zu der Messe ab 10.30 Uhr auf dem Petersplatz mit Papst Franziskus wird auch dessen Vorgänger Benedikt XVI. erwartet.

wit/dpa/AFP

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Saturn48 18.10.2014
1. Leute Leute
glaubt ihr denn diese alte Herren Riege bringt etwas neues ??? Diese ganze verlogene Bagage werden wir alle wieder in der Hölle zu sehen kriegen.
Klaus-Otto 18.10.2014
2. Toll!
Dieser Satz sagt alles: "Wir haben über die pastorale Begleitung und Zugang zu den Sakramenten für wiederverheiratete Geschiedene nachgedacht". Das war's erstmal für die nächsten 500 Jahre.
Ton_Chrysoprase 18.10.2014
3.
Ok, die größte Schwulenorganisation der Welt hat keine Meinung zum Thema Homosexualität. Alles klar. Oder sollte die Überschrift lauten: Kirche heißt Homosexuelle immer noch nur als Priester willkommen (so lange sie nicht pädophil sind oder zumindest sich nicht bei der Vergewaltigung von Kindern erwischen lassen)?
kobalt55 18.10.2014
4.
Eine falsche Erwartungshaltung wurde doch nur durch die Medien geweckt.Kirche muss nun mal nicht,den Launen unserer Zeit aufsitzen.Und im katholischen Katechismus steht schon seit langem,dass Homosexuellen mit Hochachtung zu begegnen ist.Nur ein Extrawurst bekommen sie nicht gebraten.Und das ist auch gut so.Sie sind nicht besser und nicht schlechter als andere Menschen.SWeshalb denn einen Kult draus machen????
phaymima 18.10.2014
5.
die Seligsprechung von paul VI ? war das nicht der papst der den holocaust toleriert hat und lieber mit den faschisten aller coleur paktierte als position zu beziehen? wenn die den seligsprechen wundert mich der umgang der katholiken mit der Realität auch nicht weiter...
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