Katholische Kirche Vatikan-Sprecher tritt wegen Verdachts auf Fotomanipulation zurück

Der Leiter des päpstlichen Kommunikationsbüros ist von seinem Amt zurückgetreten: Monsignore Dario Viganò stand in der Kritik, weil er Aussagen von Benedikt XVI. unterschlagen haben soll.

Präfekt Dario Edoardo Viganò
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Präfekt Dario Edoardo Viganò


Monsignore Dario Edoardo Viganò war bereits angezählt: Im Zusammenhang mit einem sogenannten Lettergate hatte es erste Rücktrittsforderungen gegeben. Jetzt hat der Kommunikationschef des Vatikans sein Amt zur Verfügung gestellt.

Seit 2015 war der italienische Geistliche Präfekt des Kommunikationssekretariats der römischen Kurie. Papst Franziskus selbst hatte ihn ernannt und im September 2016 als Mitglied der Klerus- sowie der Bildungskongregation berufen.

Anlässlich des fünften Jahrestages der Wahl Jorge Bergoglios zum Papst hatte Viganò elf Hefte über die Theologie Franziskus' herausgegeben. Das Vorwort sollte der emeritierte Papst Benedikt XVI. verfassen. Der allerdings sah sich aus gesundheitlichen und organisatorischen Gründen nicht in der Lage, die elf Bändchen zeitnah zu lesen. Dies teilte der emeritierte Papst Viganò auch in einem persönlichen Brief mit.

Bei der Buchvorstellung vor einer Woche zitierte Viganò dann aus dem Schreiben - allerdings nicht vollständig. Im Kern ging es um einen Absatz, in dem Benedikt XVI. das "törichte Vorurteil" anprangerte, wonach "Papst Franziskus nur ein Praktiker ohne besondere theologische oder philosophische Bildung wäre, während ich einzig ein theoretischer Theologe gewesen sei, der wenig vom konkreten Leben eines heutigen Christen verstanden hätte". In Wahrheit sei Franziskus ein "Mann von tiefer philosophischer und theologischer Bildung".

Franziskus und der emeritierte Papst Benedikt XVI. in Castel Gandolfo
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Franziskus und der emeritierte Papst Benedikt XVI. in Castel Gandolfo

Viganò hob diesen Absatz aus dem Schreiben hervor - offenbar, weil es dem Pontifex zur Ehre gereichte. Die Stelle im Brief, in der Benedikt XVI. mitteilt, die Bände nicht gelesen zu haben, ließ er unerwähnt. Und noch mehr: Auf einem Foto des Schreibens wurde die Passage verpixelt. Nachrichtenagenturen bezeichneten diese Maßnahme als unstatthafte digitale Manipulation eines dokumentarischen Fotos - Viganòs sogenanntes "Lettergate" war geboren.

Man habe keine Zensur walten lassen, versicherte das Kommunikationssekretariat - doch zu spät. In einer kurzen Stellungnahme erklärte der Vatikan, Papst Franziskus habe Viganòs Rücktritt angenommen - der 55-Jährige ist gefeuert.

In dem Brief hatte Benedikt XVI. auch die Entscheidung kritisiert, den deutschen Theologen Peter Hunermann als Autor eines der Büchlein zu verpflichten - ausgerechnet den Mann, der "antipäpstliche Kampagnen" sowohl gegen Benedikt XVI. als auch Johannes Paul II. angeführt habe.

Viganò begründete die Auslassungen damit, dass der Brief des emeritierten Papstes vertraulich gewesen sei. Dies hatte ihn aber nicht davon abgehalten, mehrere Passagen aus dem Schreiben bei der Buchpräsentation vorzulesen. Die Personalie und ihre Geschichte ist delikat vor dem Hintergrund, dass Papst Franziskus erst vor kurzem die Gefahren von "fake news" angeprangert hat.

ala/Reuters



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