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Vatikan: Päpstliche Kinderschutz-Kommission wirft kritischen Aufklärer raus

In der Kinderschutz-Kommission im Vatikan wollte Peter Saunders gegen Missbrauch kämpfen. Doch der Brite machte sich mit öffentlicher Kritik an Klerikern unbeliebt: Er wurde rausgeworfen - weigert sich aber, zu gehen.

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Anti-Missbrauchs-Aktivist Saunders: "Der Einzige, der mich absetzen kann, ist der Papst"

Er wurde selbst von einem Priester vergewaltigt, kämpft seit vielen Jahren gegen Missbrauch in der katholischen Kirche und wollte in der vom Papst eingesetzten Kinderschutz-Kommission für bessere Aufklärung sorgen. Doch damit soll nun Schluss sein.

Auf einer Sitzung der päpstlichen Kommission wurde entschieden, dass der Brite Peter Saunders beurlaubt sei, damit er darüber nachdenken könne, "wie er die Arbeit der Kommission am besten unterstützen könnte". Danach, ergänzte Vatikansprecher Federico Lombardi, wolle man entscheiden, ob Saunders in der Kommission verbleibe oder "von außen" seinen Beitrag leisten werde.

Die Kommission wirft Saunders vor, Kampagnen zu betreiben und zu oft mit den Medien zu sprechen - dabei sei es doch Aufgabe der Kinderschützer, dem Papst vernünftige Maßnahmen zur Missbrauchsbekämpfung vorzuschlagen, und nicht, Urteile zu verbreiten.

Im vergangenen Sommer hatte Saunders im australischen TV erklärt, Kurienkardinal George Pell sei ein hartherziger Soziopath, der während seiner Zeit als Erzbischof in Melbourne Ermittlungen gegen Kindesmissbrauch verschleppt habe. Saunders forderte den Rücktritt von Pell, der die Vorwürfe zurückwies.

Im April 2015 hatte sich Saunders mit drei weiteren Kommissionsmitgliedern beim Heiligen Stuhl darüber beschwert, dass in Chile ein Geistlicher zum Bischof ernannt worden war, der zuvor den Missbrauch durch einen Priester vertuscht haben soll.

Auch Papst Franziskus kam nicht ungeschoren davon - Saunders kritisierte den Pontifex für dessen Bemerkung, ein Vater dürfe sein Kind schon mal schlagen, "aber nie ins Gesicht".

Zu viel der Kritik: Die Verstimmung bei der Mehrzahl der 17 Mitglieder der Kinderschutz-Kommission war offenbar groß - das Misstrauensvotum gegen Saunders soll fast einstimmig ausgefallen sein.

"Ich bin nicht weg"

Der Geschasste selbst erfuhr erst durch eine Pressemitteilung des Vatikans von der Entscheidung - und gab sich nicht geschlagen. Er berief eine Pressekonferenz ein und erklärte: "Ich bin nicht weg und ich verlasse meine Stelle nicht ... der einzige Mensch, der mich absetzen kann, ist der, der mich eingesetzt hat - der Papst."

Klingt nach einem handfesten Interessenkonflikt. Saunders erklärte unumwunden, er habe stets deutlich gemacht, dass er "kein Mitglied einer PR-Übung" sein werde. "Der Schutz unserer Kinder ist sehr viel wichtiger als das."

Anti-Missbrauchs-Aktivisten eilten Saunders zu Hilfe. "Der offensichtliche Versuch der päpstlichen Kinderschutz-Kommission, einen freimütig agierenden Überlebenden hinauszuwerfen, wirft ernste Zweifel an deren Integrität und Unabhängigkeit auf", sagte Anne Barrett Doyle, Mitbegründerin des US-Portals BishopAccountability.org, das Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche dokumentiert.

"Für mich als Überlebenden ist diese Kommission eine Schande", sagte Juan Carlos Cruz, der in Chile Opfer sexuellen Missbrauchs durch Geistliche wurde. "Sie denken, dass Vergewaltigungen und Kindesmissbrauch generell etwas ist, das hinter uns liegt, aber das ist nicht so."

Seit der systemische weltweite Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche Anfang 2000 erstmals publik wurde, wurden immer wieder Tatverdächtige von einer Gemeinde in die andere verschoben, um Delikte zu vertuschen, anstatt die Verdächtigen den Strafverfolgungsbehörden zu übergeben.

ala/Reuters

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