Vatikan Papst geißelt Geistliche in den eigenen Reihen als "Krebsgeschwür"

Im Vatikan tobt ein Konflikt zwischen alten Dogmatikern und dem Papst. Franziskus will die katholische Glaubenslehre offener, menschlicher interpretieren. Das missfällt den Traditionalisten.

Papst Franziskus
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Papst Franziskus hat seinen Führungsanspruch unterstrichen - und Verräter in der römischen Kurie kritisiert. In seiner traditionellen Weihnachtsansprache an die Mitarbeiter der Leitungsebene warnte der Pontifex vor "Personen, die sorgfältig ausgewählt werden, um der Reform größere Kraft zu geben, aber die Größe ihrer Verantwortung nicht verstehen und sich von Ehrgeiz und Ruhmessucht korrumpieren lassen".

Das Oberhaupt der katholischen Kirche fügte hinzu: "Und wenn sie sanft aus ihrem Amt entfernt werden, erklären sie sich zu Märtyrern des Systems, des 'schlecht informierten Papstes' und einer 'alten Garde', anstatt 'mea culpa' zu sagen."

In diesem Jahr hatten immer wieder Ex-Mitarbeiter der Kurie von Intrigen im Vatikan berichtet. Es sei sehr wichtig, diese "unausgeglichene und degenerierte Logik der Komplotte und der kleinen Gruppen" zu überwinden, "die in Wirklichkeit ein Krebsgeschwür darstellen, das zur Selbstbezogenheit führt", sagte der Papst im Vatikan. Die Mitarbeiter der Kurie müssten den Willen des Papstes und ihrer Vorgesetzten folgen.

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Der Papst und seine Kritiker: Machtkampf im Vatikan

Franziskus hatte bereits in den Vorjahren die Ansprachen vor der Kurie, an der immer zahlreiche Kardinäle teilnehmen, zu harscher Kritik an den Verwaltungsorganen genutzt. Dieses Mal war auch wieder der deutsche Kardinal Gehard Ludwig Müller dabei, dessen Amtszeit als Präfekt der Glaubenskongregation der Papst im Juli überraschend nicht verlängert hatte.

Er verbreite "Häresien", also "Irrlehren", schrieben mehr als 60 Theologen, Ordensleute und strengkatholische Laien Ende September in einem offenen Brief. Dahinter steht ein Dauerkonflikt zwischen alten Dogmatikern und dem Papst, der die katholische Glaubenslehre offener, menschlicher interpretieren will.

"In Rom Reformen zu machen, ist wie die ägyptische Sphinx mit einer Zahnbürste zu putzen", sagte Franziskus nun über die mühsamen Reformen der römischen Kurie.

wit/dpa



insgesamt 57 Beiträge
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view3000 21.12.2017
1.
Dieser Pabst ist ein Übermensch und Vorbild und sollte noch zu Lebzeiten heilig gesprochen werden. Ich wünsche Ihm noch viele Jahre in dieser Funktion. Möge er seine Vision von einer offenen, menschlichen Kirche vollenden.
finchen0598 21.12.2017
2. Gott gebe dem Pontifex die Kraft
seine Reformen weiterhin voran zu treiben. Das ist ungemein wichtig, wenn die katholische Kirche auch in Zukunft relevant für die Gläubigen sein will. Wenn Nächstenliebe wichtiger wird als Dogmen kann es nur besser werden. Vielleicht gelingt sogar eine Annäherung an die Protestanten, so dass es in ferner Zukunft wieder eine Kirche gibt.... mit menschlichem Antlitz
telos 21.12.2017
3. Wenn nicht er, wer dann?
Franziskus ist der richtige Mann, leider etwas zu spät, hätte schon Jahrzehnte vorher in das Amt gewählt werden sollen. Er will eine menschlichere Institution Kirche, das stößt natürlich auf Widerstand der alten Garde. Die Kirchen müssen - um wieder Glaubwürdigkeit zu erlangen - Abstand nehmen von den Gepflogenheiten, die auch die weltlichen Machthaber/innen auszeichnen. Sich klar positionieren für die Menschen, die abseits stehen, keine Lobby haben, nicht an den Börsen zocken, um reich zu werden auf Kosten anderer. Er wird es sehr schwer haben.
poetnix 21.12.2017
4. Kindergeschichten
Es wäre sicherlich gut, wenn hier eine lebensnähere Erzählung gefunden werden könnte. Die Kindergeschichten der Christen, lockt kaum noch Menschen in die Kirchen. Wenn die Christen ihre Religion überleben lassen wollen, müssen sie die Weltenrealität und das Wissens über das Universum einbauen.
lyoner 21.12.2017
5.
Ich empfinde zum ersten Mal seit dem jungen Pabst Johannes Paul II. großen Respekt vor dem Handeln eines Pabstes! Dieser Mann füllt seine Position mit Respekt und Demut vor dem Amt UND den Gläubigen aus.
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