Bischof Tebartz-van Elst: Speed-Dating beim Papst

Tebartz-van Elst: Audienz beim Heiligen Vater Fotos
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Das Treffen hat stattgefunden - und es war kurz. Der umstrittene Limburger Bischof hat nach einwöchigem Warten endlich seine Audienz im Vatikan bekommen. Ein enger Mitarbeiter von Franziskus sagt: "Dem Papst gefallen keine fürstlichen Priester." Tebartz selbst fühlt sich "ermutigt".

Rom - Acht Tage lang harrte Franz-Peter Tebartz-van Elst in Rom aus, immer in der Erwartung, endlich beim Papst vorgelassen zu werden. Dann wurde er erhört und von Franziskus im Vatikan empfangen. Um 12 Uhr trafen die beiden aufeinander, gerade mal 20 Minuten dauerte das Gespräch, zu dessen Inhalt sich derzeit niemand äußern will.

Dass die beiden Männer über die folgenschwere Kostenexplosion im Bistum des Bischofs gesprochen haben, steht außer Zweifel. Wie das Treffen verlief und welche Konsequenzen es für den umstrittenen deutschen Geistlichen haben wird, ist weiter unklar. "Der Bischof ist dankbar für die sehr ermutigende Begegnung", ließ das Bistum wissen.

Vor dem persönlichen Treffen mit Tebartz-van Elst hat der Papst Informationen von mehreren Seiten eingeholt. Man kann davon ausgehen, dass Kurienkardinal Giovanni Lajolo, der im September im Auftrag des Vatikans Limburg besucht hatte, den Papst über die Ergebnisse seiner Reise in Kenntnis gesetzt hat.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, durfte bereits am Donnerstag bei Franziskus vorsprechen und hoffte nach dem "mitbrüderlichen Gespräch" auf eine schnelle Entscheidung in dem Fall. Der Papst selbst soll Gerüchten zufolge entsetzt über die Höhe der Kosten für das umstrittene Bauprojekt in Limburg gewesen sein. Diese belaufen sich auf derzeit 31 Millionen Euro und könnten noch steigen. Im Dezember 2010 war von lediglich 5,5 Millionen Euro die Rede gewesen.

Eine halbe Stunde vor Tebartz-van Elst wurde heute der Erzbischof von Köln, Kardinal Meisner, von Franziskus empfangen - zu einer seit langem geplanten Privataudienz, wie seine Sprecher betonten. Auch von diesem Gespräch drang nichts nach Außen.

Man darf gespannt sein, ob Franziskus aufgrund dieser Treffen und der persönlichen Begegnung mit Tebartz-van Elst bereits zu einer Entscheidung gekommen ist, sozusagen die Puzzle-Teile zusammengesetzt hat, oder ob er die Ergebnisse der internen Untersuchungskommission im Fall Limburg abwarten wird.

Der Limburger Bischof kann selbst darum bitten, entlassen zu werden. Er kann es aber auch dem Pontifex überlassen, ihn des Amtes zu entheben oder - und das wäre wohl die eleganteste Variante - ihn in ein anderes Bistum zu versetzen.

"Das Vertrauen ist dahin"

Tebartz-van Elst hat bisher weder Reue noch Bereitschaft gezeigt, seinen Posten zu räumen. "Seine Rückkehr in das Bistum Limburg wird sicher ganz schwierig", sagte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. Die ganze Situation sei "so verfahren, dass etwas geschehen muss".

Die Stimmung in Limburg ist nach dem Skandal auf dem Tiefpunkt angelangt. "Das Vertrauen in den Bischof ist dahin, und ich sehe nicht, wie neues Vertrauen wachsen kann", sagte Domdekan Günther Geis SPIEGEL ONLINE. "Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit ist bei Null."

Am Sonntagabend hatte Albert Schmid, Chef des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, in der ARD-Sendung "Günter Jauch" eine Rückkehr des Bischofs nach Limburg "eher unwahrscheinlich" genannt. Schmid ist als Vertrauter von Tebartz-van Elst täglich in telefonischem Kontakt mit dem Bischof. Der sei "sehr gefasst, aber zutiefst verletzt". Schmid rechnete nicht mit einer schnellen Entscheidung in Rom: "Der Papst wird kein Schnellrichter sein", sagte er.

Der Kölner Dompropst Norbert Feldhoff nannte die Vorgänge im Bistum Limburg "skandalös". Die Probleme allerdings "hätten wir auch unter einem anderen Papst bekommen", so der Finanzexperte. Die seien grundlegend und hätten nichts mit dem Amtsantritt von Franziskus zu tun.

Die italienischen Medien ignorierten lange Zeit den Skandal um den Limburger Bischof, der die katholische Kirche in Deutschland nachhaltig erschüttert und die Gläubigen hierzulande extrem verärgert hat. Anlässlich des heutigen Treffens allerdings griffen einige die Geschichte des "Paperon de' Paperoni", des "Dagobert Duck aus Limburg" auf.

Kurz vor der Audienz veröffentlichte die römische "Repubblica" ein Interview mit dem Erzbischof Victor Fernández, Leiter der Päpstlichen Katholischen Universität in Argentinien und "rechte Hand" von Franziskus in theologischen Belangen, wie es heißt. "Dem Papst gefallen keine fürstlichen Priester, die zu kostspielige Ferien lieben, Abendessen in den besten Restaurants, zur Schau gestellte Kostbarkeiten auf der Kleidung", sagte Fernández der Zeitung.

"Ich glaube, jeder der irgendeine Form von Macht hat, auch kirchliche, kommt nicht umhin, den Sporn Bergoglios zu fühlen, wie einen Dorn in der Flanke, weil er immer denen beisteht und beistehen wird, die keine Macht haben." Bergoglio habe schon 2000 betont, dass Macht kein unbezwingbares Privileg sein dürfe. "Dies gilt für einen Präsidenten genauso wie für einen Gouverneur, einen Geschäftsmann, einen Kardinal und auch die Mitglieder der römischen Kurie."

Ein italienisches Restaurant in der Altstadt von Limburg geht in Sachen Barmherzigkeit schon mal voran: Hier gibt es neuerdings eine Pizza "Bischof" für stolze 24,70 Euro - "gut belegt mit Gambas", wie der Ehemann der Betreiberin, Giuseppe Rizzo, sagt. Die Einnahmen aus der Luxuspizza werde man allerdings spenden - für einen guten Zweck.

Dienstwagen und Residenzen: So leben Deutschlands Bischöfe. Klicken Sie auf die einzelnen Fotos und erfahren Sie mehr über die Kollegen von Franz-Peter Tebartz-van Elst.

ala/dpa

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insgesamt 184 Beiträge
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1. Nicht nur in Limburg: Kirche erneuern
DorotheaBöhm 21.10.2013
So kritikwürdig sich der Limburger Bischof verhalten hat, er ist in dieser Beziehung nicht der einzige. Statt also ihn als Sündenbock zu behandeln, sollte sich die katholische Kirche in Bezug auf ihren Umgang mit Geld "runderneuern".
2. Pizza Bischof?
MoorGraf 21.10.2013
coole Idee! (und der "gute Zweck" würde mich dann doch interessieren) schon klar, das ist jetzt das Eindreschen auf am Boden Liegende, aber da er da ziemlich selbstherrlich darum gebeten hat...
3. "Der dunkle Fleck"
Volker von Alzey 21.10.2013
Zitat von sysopDas Treffen hat stattgefunden - und es war kurz. Der umstrittene Limburger Bischof hat nach einwöchigem Warten endlich seine Audienz im Vatikan bekommen. Ein enger Mitarbeiter von Franziskus sagt: "Dem Papst gefallen keine fürstlichen Priester." Vatikan: Tebartz-van Elst hat Audienz beim Papst in Rom - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/vatikan-tebartz-van-elst-hat-audienz-beim-papst-in-rom-a-929043.html)
Und mir gefällt kein Papst, der mit der Junta symphatisierte und sich einen Dreck um seine Mitbrüder kümmerte: Der dunkle Fleck: Papst Franziskus und die Militärjunta - n-tv.de (http://www.n-tv.de/panorama/Papst-Franziskus-und-die-Militaerjunta-article10297706.html) Aber es ist ja christlich auch einem bereuenden Saulus alle Ämter der Kirche offen zu halten. Deshalb erwarte ich auch von Franziskus, dass der dem "Sünder" Tebartz van Elst ganz im christlichen Sinne, sofern er aufrichtig bereut und Buße tut, barmherzig ist.
4. 20 Minuten...
citi2010 21.10.2013
Das ist ziemlich deutlich. Da wird es ihm kaum möglich gewesen zu sein seine Position zu verteidigen. Die Limburger Katholiken werden frohlocken. Aber wird es mehr als nur dieses Bischofsopfer geben? Wird sich der Staat von der Kirche lossagen können?
5.
Volker von Alzey 21.10.2013
Zitat von MoorGrafcoole Idee! (und der "gute Zweck" würde mich dann doch interessieren) schon klar, das ist jetzt das Eindreschen auf am Boden Liegende, aber da er da ziemlich selbstherrlich darum gebeten hat...
Gespendet wird an die, die sich Mittwochs den Zehnten der Einnahmen abholen...
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