Nach jahrzehntelangem Streit Vatikan und China schließen historisches Abkommen

Seit fast 70 Jahren ruhen die diplomatischen Beziehungen zwischen China und dem Vatikan. Noch immer werden Katholiken in der Volksrepublik verfolgt. Nun gibt es eine Annäherung - und viel Kritik.

Papst Franziskus
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Der Vatikan hat nach jahrzehntelangem Streit mit China ein historisches Abkommen zur Ernennung von Bischöfen geschlossen. Es solle die Zusammenarbeit mit Peking verbessern und die gespaltene katholische Kirche in dem kommunistischen Land einen, teilte der Vatikan mit.

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Heft 39/2018
Der Papst und die katholische Kirche in ihrer größten Krise

Nach ihrer Machtübernahme hatten die Kommunisten 1949 die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan abgebrochen. Der Papst durfte noch nie zu einem Besuch nach China reisen. Er hat jedoch wiederholt erklärt, die Spaltung der Kirche überwinden zu wollen.

Ziel des "vorläufigen" Abkommens sei es nun, für die Katholiken in China Bischöfe zu haben, die sowohl in "Einheit mit Rom stehen, als auch von den chinesischen Autoritäten anerkannt werden", so Papstsprecher Greg Burke.

Im Streit mit Peking über die Führung der katholischen Kirche steht die Frage im Mittelpunkt, wer die Bischöfe ernennen darf. Die Staatskirche erkennt den Papst nicht als Autorität an, während ihm die Untergrundkirche die Treue hält. Von den mehr als zehn Millionen Katholiken in China entzieht sich mehr als die Hälfte der Kontrolle des Staates und steht loyal zum Papst. Viele von ihnen werden dafür auch verfolgt.

Das Abkommen sieht vor, dass der Papst sieben Bischöfe der staatlichen "patriotischen" Kirche in China anerkennt und deren Exkommunizierung aufhebt. Diese erkannten allerdings bisher den Papst nicht als oberste Autorität an. "Papst Franziskus hofft, dass mit der Entscheidung ein neuer Prozess beginnt, der die Wunden der Vergangenheit schließt", heißt es in der Mitteilung des Vatikans.

Was der Papst im Gegenzug von der Führung in China bekommt, war zunächst unklar. Nach vorherigen Medienberichten soll Peking dem Papst künftig eine Art Mitsprache bei der Auswahl der Kandidaten für Bischofsposten der Staatskirche einräumen.

Das chinesische Außenministerium bestätigte, dass das Abkommen von Vize-Außenminister Wang Chao und dem Unterstaatssekretär des Vatikans, Antoine Camilleri, unterzeichnet worden ist. Details wurden auch in Peking nicht genannt.

"Das ist nicht das Ende des Prozesses. Es ist der Anfang", sagte Papstsprecher Burke. "Das Ziel des Abkommens ist kein politisches, sondern ein pastorales."

"Es wird nur schädlich sein und der Kirche in China und in der Welt nicht helfen"

Die Annäherung stieß allerdings umgehend auf scharfe Kritik auch aus Reihen der katholischen Kirche. Ein Sprecher der Hongkonger Diözese zeigte sich "sehr enttäuscht". "Es wird nur schädlich sein und der Kirche in China und in der Welt nicht helfen", sagte Porson Chan, Vorsitzender der Gerechtigkeits- und Friedenskommission des Bistums.

Die Kommission verwies auf die anhaltende Unterdrückung der Kirche in China und den zwangsweisen Abriss von Kirchen. "Es ist anzuzweifeln, ob China die Aufrichtigkeit besitzt, die Religionsfreiheit der chinesischen Kirche zu garantieren", hieß es in einer Erklärung. "Der Vatikan sollte zumindest die chinesische Regierung auffordern, alle festgenommenen und vermissten Bischöfe und Priester freizulassen, und aufhören, sie zu belästigen."

Eigentlich sollte am Wochenende der Besuch des Papstes in den baltischen Ländern Litauen, Lettland und Estland im Mittelpunkt stehen. Franziskus sprach bei seiner Ankunft in der litauischen Hauptstadt Vilnius nicht über das Abkommen mit China.

kry/dpa



insgesamt 3 Beiträge
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Indigo76 22.09.2018
1. Probleme mit dem Kirchenrecht
Ich habe mal mit einem Kirchenrechtler über das Thema Exkommunizierung gesprochen. Der hat mir erklärt, dass man nicht von der Kirche exkommuniziert wird. Das kann man nur selbst. Exkommunizierung heißt übersetzt: "Aus der Gemeinschaft heraustreten". Das tut man durch unchristliches Denken und Handeln. Die Kirche bestätigt diesen Vorgang und macht ihn dadurch offiziell. Wenn aber die Kirche niemanden exkommunizieren kann, dann kann sie auch keine Exkommunizierung rückgängig machen. Das einzige, was die Kirche folglich tun könnte wäre, dass sie bekanntgibt, dass sie bei der Bekanntgabe der Exkommunizierung einen Fehler gemacht hat. Die betreffenden Bischöfe wären folglich nie exkommuniziert gewesen.
wanniii 23.09.2018
2. Eine Farce!
Eine Farce! Im Klartext soll "ein Katholischer Papst sieben Bischöfe, die selbst den Papst selbst nicht (!) als Oberhaupt akzeptieren, einer nicht-katholischen chinesischen Staatskirche bestätigen" und der Pabst den allem zu, um "einen neues Prozess zu beginnen, um die Wunden der Vergangenheit zu schließen?" Für Nicht-Katholiken bedeutet das eher: 1. Die freiwillige Aufgabe der uneingeschränken Past-Authorität in China (!), 2. Eine Sonderbehandlung des "Reiches der Mitte" (wie der Sonderstatus von Hong Kong und Macau) im katholischen Weltreich 3. Eine päpstliche Legimitation der Verfolgung und Unterdrückung aller chinesischen Katholiken, die weiterhin an der Vertretung Christi auf Erden (d. h. am Papst) festhalten. Vor der Unterzeichnung eines solchen Vertrages hätte der gesamte Vatikan eher gemeinsam beten sollen und auf eine Eingabe von Gott zu warten anstatt den Versuchungen des Reiches der Mitte zu erliegen. Oder eher den alten Status Quo beibehalten, nicht offiziell präsent zu sein sich aber dafür in den Spiegel schauen zu können. Generell muß man sich überlegen, was sich eine unabhängige Staatskirche mit eigenen Bischöfen sich von einer Segnung durch den Papst verspricht...
alex_norden 23.09.2018
3. Vatikan und China
Zu Indigo76: Die Ausführungen zum Kirchenracht sind fehlerhaft.Siehe dazu https://de.wikipedia.org/wiki/Exkommunikation Zu wanniii: Ähnliche Verträge zur Beilegung eines Investiturstreits gab es auch schon vor 1000 Jahren. Siehe dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Investiturstreit
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