Straßenkinder in Caracas Ohne Eltern, ohne Zuhause

Sie wurden aus purer Not ausgesetzt oder einfach zurückgelassen: Zahlreiche Kinder leben in Venezuela auf der Straße. Ein Fotograf hat ihren von Elend und Gewalt geprägten Alltag dokumentiert.

MIGUEL GUTIERREZ/ EPA-EFE/ REX

Sie betteln, suchen im Müll nach Essbarem und flüchten sich in Drogen. In den Straßen von Caracas leben unzählige Kinder und Jugendliche. Das einst wohlhabende südamerikanische Land befindet sich in einer schweren Wirtschaftskrise, es herrscht Hyperinflation. Viele Menschen hungern, Lebensmittel werden immer teurer. Mehr als drei Millionen sind laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen bereits geflohen. Wegen der katastrophalen wirtschaftlichen Lage gibt es immer wieder Proteste in dem Land. Mehr dazu lesen Sie hier.

Fotograf Miguel Gutierrez begleitete für die Agentur EFE über zwei Monate obdachlose und von ihren Familien verlassene Jugendliche in der venezolanischen Hauptstadt. Die meisten von ihnen traf er an öffentlichen Orten im Osten der Stadt.

Eine von ihnen ist die 15-jährige Paola. Seitdem sie 13 ist, lebt sie auf der Straße. Sie sei hier glücklicher als zu Hause, sagt sie. Der Freund ihrer Mutter habe ihr immer gesagt, sie solle verschwinden. Nun könne sie tun, was sie wolle.

Doch ihr Leben auf der Straße ist gefährlich. Einmal habe jemand sie töten wollen, sagt Paola, davon habe sie noch immer eine Narbe am Hals. "Dieser große Typ dachte, ich habe ihn an die Polizisten gemeldet, wegen irgendwelcher seltsamer Sachen, die er plante."

Er sei ihr dann mit einigen Freunden gefolgt, habe eine Flasche gegriffen, sie zerbrochen und ihr mit dem scharfen Ende in den Hals gestochen. Danach hätten die Männer sie gefesselt, erzählt Paola und in den Guaire River geschmissen - einen verschmutzten Fluss, der durch Caracas führt.

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Venezuela: Hunger, Drogen, Gewalt

Miguel Rebolledo ist der Koordinator des "Domingo Savio Orphanage", das obdachlose Teenager aufnimmt. Er sagt, dass es in Venezuela einen "dramatischen Anstieg" an Kindern gebe, die von ihren Müttern ausgesetzt würden. Die Väter seien oft komplett abwesend. Viele Betroffene sind wohl Kinder von Eltern, die vor der Wirtschaftskrise flüchteten, andere Familien können nicht mehr alle Mitglieder ernähren. Mehr zu den Folgen der Hyperinflation lesen Sie hier und hier.

"Wir haben einen Fall einer geteilten Familie: Eine Frau hat beschlossen, ihre acht Kinder zu verlassen", sagt Rebolledo. "Ich habe die beiden ältesten hier, elf und zwölf Jahre alt, und als ich sie angenommen habe, wurde mir klar, dass der älteste schlecht in der Schule ist, weil er sich um seine kleinsten Brüder und Schwestern kümmern muss." Der Vater komme die Jungen manchmal besuchen.

Venezuelas ehemaliger Staatspräsident Hugo Chavez hatte 1998 nach seinem Wahlsieg noch gesagt: "Hugo Chavez verbietet sich selbst, Kinder auf den Straßen Venezuelas leben zu lassen." Dieses Versprechen ist auch unter Chavez' Nachfolger Nicolás Maduro nicht eingelöst worden.

Video: Aufstand in Venezuela - Mein Leben unter Maduro

dbate.de

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