Verbotene Spritztour: Saudi-Araberin wird nach Autofahrt festgenommen

Sie wollen endlich selbst ans Steuer. Eine Gruppe von Aktivistinnen um die Saudi-Araberin Manal al-Scharif kämpft gegen das Fahrverbot für Frauen im Land. Die Anführerin, die in den USA Auto fahren gelernt hat, wurde daraufhin festgenommen.

Riad - Mit einer Kampagne auf YouTube und Facebook kämpft eine Saudi-Araberin gegen das Fahrverbot für Frauen in dem konservativen Königreich. Manal al-Scharif veröffentlichte im Internet ein Video, auf dem sie selbst hinter dem Steuer eines Autos zu sehen ist. Daraufhin wurde sie nach Angaben eines Menschenrechtsaktivisten am Samstag von der Religionspolizei festgenommen.

Al-Scharif hatte mit anderen gleichgesinnten Frauen auf Facebook eine Gruppe unter dem Namen "Bring' mir Autofahren bei, damit ich mich selbst schützen kann" gegründet und die Behörden aufgefordert, das Verbot abzuschaffen. Während einer Testfahrt in der Stadt Chobar im Osten des Landes ließ sie sich für einen Videoclip filmen, den sie dann ins Internet stellte. "Wenigstens für Notfälle, Gott bewahre", erklärt sie in dem Video ihren Wunsch nach einem Führerschein: "Was ist, wenn irgendjemand, der die Frauen fährt, einen Herzanfall hat?"

Saudi-Arabien untersagt Frauen als einziges Land weltweit, selbst Auto zu fahren. Ihre Familien müssen daher entweder Chauffeure anstellen oder die Frauen sind auf einen männlichen Verwandten angewiesen, der sie zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen und zum Arzt bringt.

Die saudi-arabischen Behörden gehen davon aus, dass Autofahrerinnen sündigen Verlockungen ausgesetzt seien. Schließlich kämen Frauen am Steuer mit Polizisten oder Mechanikern in Kontakt. Die Gruppe der Aktivistinnen geht jedoch vom Gegenteil aus: Frauen mit Führerschein könnten sexueller Belästigung durch ihre Chauffeure entgehen - denn die seien für sie schlicht überflüssig.

Al-Scharif, die selbst im Alter von 30 Jahren in New Hampshire fahren gelernt hat, erklärt in ihrer Kampagne auch: "Wir wollen als vollständige Bürgerinnen leben, ohne die Erniedrigung, die wir jeden Tag ertragen müssen, weil wir an einen Chauffeur gebunden sind". Hinzu komme, dass sich arme Familien die Anstellung eines Fahrers gar nicht erst leisten könnten.

Das Facebook-Seite hat inzwischen mehr als 11.000 Fans. Und die Gruppe gibt trotz der Festnahme von Scharif nicht auf. So haben die Aktivistinnen für den 17. Juni hat einen Aufruf gestartet, der Frauen in Saudi-Arabien zu einem "Massenfahren" ermuntert.

lgr/dapd

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