Verkleidungskurs für Stasi-Agenten Auffällig unauffällig

Wie verkleidet man sich, um möglichst nicht aufzufallen? Der Fotograf Simon Menner hat Zugang zu den geheimen Archiven der Stasi bekommen - und zeigt, wie Agenten nach Meinung des Geheimdienstes auszusehen hatten. Eine Sonnenbrille war demnach Pflicht.


Hamburg - Die Bilder muten auf den ersten Blick an wie Satire. Sie zeigen dicke Männer mit Pelzmütze, Pelzmantel, hochgestelltem Kragen und - wichtig - Sonnenbrille. Oder mit weinroter Strickjacke, zugeknöpftem Hemd und - natürlich - Sonnenbrille. "Bilder aus den geheimen Archiven der Stasi" heißt die Ausstellung des Berliner Künstlers Simon Menner.

Sie zeigt Fotos eines Verkleidungskurses, mit denen Mitarbeiter der Stasi geschult wurden. Um möglichst unauffällig agieren zu können. Grotesk erscheinen die Maskeraden heute, kaum vorstellbar, dass ausgerechnet eine Sonnenbrille dabei helfen sollte, als möglichst unverdächtig zu gelten - ist sie doch die naivste Requisite eines jeden Spionagefilms.

Doch jenseits des Amüsanten zeigen die Bilder "was sich diese Agenten unter einem unauffälligen Aussehen vorgestellt haben", wie es in dem Ausstellungskatalog der Galerie heißt. Doch auch der Kurs, auch die Verkleidung diente der Repression, und so will es Menner auch verstanden wissen.

Auf den ersten Blick scheinen die Bilder banal bis naiv zu sein, doch der Kontext, in dem sie entstanden sind, war alles andere als das. Die Staatssicherheit übte sich mit Hilfe des Kurses in einer möglichst effizienten Unterdrückung der Menschen in der DDR.

Simon Menner verließ die Universität der Künste 2007 mit einem Preis für die beste Abschlussarbeit.

han



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insgesamt 31 Beiträge
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gsm900, 29.07.2011
1. Was der Trenchcoat für den BND
Zitat von sysopWie verkleidet man sich, um möglichst nicht aufzufallen? Der Fotograf Simon Menner hat Zugang zu den geheimen Archiven der Stasi bekommen - und zeigt, wie Agenten nach Meinung des Geheimdienstes auszusehen hatten.*Eine Sonnenbrille war demnach Pflicht. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,777405,00.html
war die blaue Kutte für HorchundGuck.
Rodelkoenig 29.07.2011
2.
Was soll (außer der Sonnenbrille) an den Verkleidungen so komisch sein? In den 80ern liefen doch alle mit solchen bekloppten Klamotten rum ... das waren noch Zeiten. ;-) Viele Grüße
dilletantes 29.07.2011
3. *
Und wie sie in so einer Montur immer an der Friedrichstraße standen und glaubten, wir würden nicht wissen, wen wir vor uns haben. Nur eine Kleinigkeit wurde vergessen: Sie trugen sehr gern so ein Detlefköfferchen (Herrenhandtasche).
Askari 29.07.2011
4. Günter Guilleaume
Hätten die deutschen Nachrichtendienste von diesen Verkleidungsvorschriften Kenntnis gehabt, wäre Günter Guilleaume wegen seiner Sonnenbrille viel früher enttarnt worden.
Roter_Milan 29.07.2011
5. ?
Sonnenbrillen gehörte zwar nicht durchweg zur Mangelware, aber diese "Dampfhammermodelle" waren nicht sonderlich beliebt. Es war also schon auffällig, wenn jemand zu jeder Jahreszeit eine Sonnenbrille auf der Nase hatte. Das letzte Bild allerdings ist der Knaller: Es fiel selbstredend niemand auf, der eine Tasche mit der Aufschrift "JVC" mit sich führte!
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