Vincent Lambert Arzt und Ehefrau kritisieren Video mit Wachkoma-Patient

Der Wachkoma-Patient Vincent Lambert darf sterben, das entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. Gegner des Urteils verweisen jetzt auf ein neues Video: Es zeigt, wie der Mann auf Impulse reagiert.

Vincent Lambert: "Vegetative Reaktionen sind normal"
AFP

Vincent Lambert: "Vegetative Reaktionen sind normal"


Es ist bloß ein kurzes Video, doch es reicht, um großes Aufsehen zu erregen: Auf den Bildern ist Vincent Lambert zu sehen, dunkle Haare, dunkler Bartschatten, seine Augen sind halb geschlossen. Jemand hält ihm ein Handy ans Ohr, daraus ist die Stimme seiner Mutter zu hören. In einer anderen Sequenz beugt sich sein Bruder über das Krankenbett, und spricht mit ihm. Und Lambert? Er reagiert mit einem Blinzeln. Sein Mund bewegt sich.

Lambert, 38, liegt seit einem Motorradunfall 2008 im Wachkoma, er ist querschnittsgelähmt und wird nur mit Ernährung durch eine Magensonde am Leben gehalten. Die Frage, ob er sterben darf, hat am vergangenen Freitag der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) beantwortet. Demnach darf die künstliche Ernährung von Lambert beendet werden - so wie es Ärzte und zahlreiche Angehörige des Mannes wollen.

Die Gegner der EGMR-Entscheidung wollen mit dem Video verdeutlichen, dass Lambert auf Impulse von außen reagiert; dass er nicht am Ende seines Lebens steht; dass das Urteil falsch ist.

Die Bilder sollen am vergangenen Freitag von einem ehemaligen Klassenkameraden Lamberts aufgenommen worden sein. Er setzt sich gegen die Abschaltung der Geräte ein, ebenso wie die Eltern und zwei von insgesamt acht Geschwistern Lamberts. Sie sehen in seinem Zustand nicht eine "unheilbare Hirnkrankheit", sondern nur eine "Behinderung". Sie wollen, dass Lambert weiter "unter den liebevollen Blicken seiner Familie" lebt und haben nach dem EGMR-Urteil weitere juristische Schritte angekündigt.

Lamberts Arzt hatte die Haltung der Eltern als "Leugnen der Wirklichkeit" bezeichnet. Er, sowie Lamberts Ehefrau Rachel und sechs Geschwister des Mannes setzen sich für das Abschalten der Maschinen ein. Das nun verbreitete Video bringe keine neuen Erkenntnisse, sagte Rachel Lambert. Zudem sei der Zustand ihres Mannes "nicht in zwei Minuten zu erfassen".

Tatsächlich war schon vor der Veröffentlichung bekannt, dass sich Lamberts Augen bewegen und reflexartig auf Lärm reagieren. Einer seiner früheren Ärzte sagte, "vegetative Reaktionen" wie sie im Video zu sehen sind, seien bei solchen Patienten normal. Der Film verletze die Würde Lamberts.

Sterbehilfe im europäischen Ausland

aar/AFP



insgesamt 29 Beiträge
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dborrmann 10.06.2015
1. Wenn der Pat. noch EEG-Aktivität zeigt....,
dann wäre es falsch ihn sterben zu lassen. Außerdem würde ich in einem solchen Fall, Eltern und zwei Geschwister dagegen, sechs Geschwister und Ehefrau dafür, keine Entscheidung erzwingen wollen.
sim4k 10.06.2015
2. Würdevolles Ende?
Fraglich ist jedoch für mich auch ob der Tod durch Verhungern ein besonders würdiges Ende ist. Da erscheinen mir die Methoden in der Schweiz um einiges humaner.
kismet56 10.06.2015
3. Ich bin sehr im Zweifel.
Er reagiert auf Ansprache. Er weint, wie vormals im ersten Artikel beschrieben. Das mit vegetativer Reaktion zu erklären erscheint mir zynisch. Können Ärzte wirklich wissen, was in Herrn Lambert vorgeht? Hängt er in einer Art Zwischenwelt fest? Versucht er vielleicht verzweifelt, sich mitzuteilen? Warum lässt man ihn dann nicht mit einer Magensonde zu Hause weiterleben? Um es ganz klar zu sagen, ich bin für Sterbehilfe, wie viele andere Menschen auch. Aber mein Gefühl spricht bei Herrn Lambert für "Leben". Sollen die Angehörigen darüber abstimmen. Das ist nicht leicht, ich wünsche ihnen viel Kraft.
mariakäfer 10.06.2015
4. mein Lebensgefährte
hat mir ganz deutlich erklärt, dass er leben wollen würde. Ohne wenn und aber. In diesem Fall: Wer darf denn über die Lebensqualität entscheiden? Man kann immer ja zum Leben sagen. Aber man darf nicht Gott spielen.
tdj 10.06.2015
5.
Und inwiefern liefert sein Zucken ein Argument gegen die Sterbehilfe? Überhaupt nicht...
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