Volksabstimmung: Schweizer lehnen verschärftes Rauchverbot ab

Rückschlag für die Initiative "Schutz gegen Passivrauchen": In einer Volksabstimmung hat die Mehrheit der Schweizer gegen ein strengeres Rauchverbot in Kneipen und Gaststätten votiert. Auch die Regierung war gegen eine Verschärfung der Auflagen.

Raucher bei Zigarettenpause: Mehrheit der Schweizer lehnt schärferes Verbot ab Zur Großansicht
REUTERS

Raucher bei Zigarettenpause: Mehrheit der Schweizer lehnt schärferes Verbot ab

Bern - Seit 2009 bemüht sich die Initiative "Schutz gegen Passivrauchen" in der Schweiz um ein landesweites Rauchverbot in Kneipen, Gaststätten und anderen Arbeitsumgebungen sowie öffentlichen Räumen. Der entsprechende Antrag war Bestandteil einer großen Volksabstimmung, die am Sonntag in allen Kantonen vorgenommen wurde. Mehr als 66 Prozent der Wähler lehnten den Vorstoß nun jedoch ab, wie erste Schätzungen ergeben haben.

Auch die Regierung sowie führende Wirtschaftsvertreter hatten sich gegen eine Verschärfung der bestehenden Regelung ausgesprochen. Für eine Gesetzesänderung wäre nicht nur die Mehrheit der Wähler insgesamt, sondern auch die Mehrheit der Kantone - das sogenannte Ständemehr - benötigt worden.

Die herrschende Regelung in den einzelnen Regionen der Schweiz ist derzeit sehr unterschiedlich. In acht der 26 Kantone gilt ein umfassendes Rauchverbot. Elf Kantone wenden das Bundesgesetz an, welches das Rauchen in kleinen Cafés, Bars und Restaurants sowie in abgetrennten Räumen in größeren Restaurants erlaubt. Sieben weitere Kantone wiederum verbieten Rauchergaststätten, erlauben aber Raucherräume.

Die Initiatoren drückten ihr Bedauern über das Scheitern der Vorlage aus und sprachen von einem "Rückschlag". Die sozialdemokratische Nationalrätin Silvia Schenker (SP), eine Befürworterin der Initiative, drückte gegenüber der Schweizer Nachrichtenagentur sda ihr Bedauern darüber aus, "dass der Gesundheitsschutz der Arbeitnehmenden in vielen Kantonen unzureichend bleibt". Es gehe nun darum, auf kantonaler Ebene oder auch auf Ebene der einzelnen Betriebe für einen besseren Schutz der Arbeitnehmenden zu kämpfen, so Schenker.

Die grüne Nationalrätin Yvonne Gilli (SG) sieht die Verantwortung für das Scheitern der Gesetzesvorlage auch bei den Befürwortern der Initiative. "Es ist nicht gelungen, zu kommunizieren, dass es bei der Initiative um den Arbeitnehmerschutz geht." Zu sehr sei von den Gegnern der Begriff des Verbots in den Vordergrund gerückt worden, sagte auch Schenker der sda.

Bei den Gegnern herrscht erwartungsgemäß Erleichterung: Das Volk habe gemerkt, dass die Initiative viel zu weit gehe, sagte FDP-Nationalrat Ruedi Noser der sda. Das Thema Rauchverbot sei mit dem Scheitern der Initiative fürs Erste abgeschlossen, so der Liberale. "Jetzt werden die extremen Nichtraucherorganisationen merken, dass sie aufhören müssen."

bor/AFP/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 213 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
hxk 23.09.2012
Das ist vernünftig. Ob in Kneipen und Gaststätten geraucht werden darf oder nicht, sollte der Besitzer entscheiden, da seine wirtschaftliche Existenz von der Entscheidung abhängt. Unkündbare Beamte und Politiker, die vom Steuerzahler ausgehalten werden, sollten sich da raus halten.
2. Lieber Staat,
Halodri73 23.09.2012
Zitat von sysopEin Rückschlag für die Initiative "Schutz gegen Passivrauchen": In einer Volksabstimmung hat die Mehrheit der Schweizer gegen ein strengeres Rauchverbot in Kneipen und Gaststätten votiert. Auch die Regierung war gegen eine Verschärfung der Auflagen. Volksabstimmung: Schweizer stimmen gegen totales Rauchverbot - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,857464,00.html)
bitte beschütze mich vor meinem freien Willen, denn der könnte mich ja Dinge entscheiden lassen, die schädlich für mich sind. Mach es bitte auf keinen Fall so, wie unsere neutralen Nachbarn im Süden, die doch tatsächlich dem Bürger sein Leben in wesentlichen Bereichen SELBST überlassen will. Unglaublich!!!
3.
Scorpio2002 23.09.2012
Zitat von sysopEin Rückschlag für die Initiative "Schutz gegen Passivrauchen": In einer Volksabstimmung hat die Mehrheit der Schweizer gegen ein strengeres Rauchverbot in Kneipen und Gaststätten votiert. Auch die Regierung war gegen eine Verschärfung der Auflagen. Volksabstimmung: Schweizer stimmen gegen totales Rauchverbot - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,857464,00.html)
Was der Autor durch die Eröffnung einer Diskussion wohl hören möchte? Möglicherweise, wie schlimm es doch ist, dass das Rauchen weiterhin erlaubt ist? Was man dieser Meldung einzig entnehmen kann ist, dass in der Schweiz die Demokratie nach wie vor funktioniert. Der Souverän hat gesprochen; von dem Volk, für das Volk. Richtig so. gez. ein Nichtraucher
4.
legeipsred 23.09.2012
«Auch die Regierung der christlich-demokratischen Bundeskanzlerin Corina Casanova (CVP) sowie führende Wirtschaftsvertreter hatten sich gegen eine Verschärfung der bestehenden Regelung ausgesprochen.» Soviel zum Fachwissen von SPON über die Schweizer Politik. Corina Casanova?
5. nee
dadanchali 23.09.2012
Zitat von sysopEin Rückschlag für die Initiative "Schutz gegen Passivrauchen": In einer Volksabstimmung hat die Mehrheit der Schweizer gegen ein strengeres Rauchverbot in Kneipen und Gaststätten votiert. Auch die Regierung war gegen eine Verschärfung der Auflagen. Volksabstimmung: Schweizer stimmen gegen totales Rauchverbot - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,857464,00.html)
Das passiert wenn man Drogenabhängige über ihre Sucht mit abstimmen lässt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Gesellschaft
RSS
alles zum Thema Schweiz
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 213 Kommentare