Proteste gegen Regime: 60 Demonstranten in Baku festgenommen
Sie riefen "Freiheit", dann wurden sie festgenommen: In Baku wurden nach Angaben der Opposition 60 Menschen nach einer Demonstration von der Polizei abtransportiert, wenige Stunden vor Beginn des Eurovision Song Contest.
Hamburg - Bei einer Demonstration vor dem Finale des Eurovision Song Contest in Aserbaidschan sind nach neuen Angaben der Opposition am Freitag mehr als 60 Menschen festgenommen worden. Wie das Bündnis Public Chamber auf seiner Facebook-Seite mitteilte, wurden rund zehn Demonstranten verletzt. Auf einer belebten Promenade in der Hauptstadt Baku hatten sich am Freitag Dutzende Menschen versammelt und "Freiheit!" gerufen. Die Polizei schritt jedoch sofort ein und beförderte die Demonstranten gewaltsam in Polizeiautos und Busse. Zunächst war von rund 30 Festnahmen die Rede gewesen.
Aserbaidschan ist Gastgeber des diesjährigen Eurovision Song Contest, bei dem Roman Lob für Deutschland im Finale antritt. Der 21-Jährige, der mit dem Lied "Standing Still" an den Start geht, gilt allerdings nur als Außenseiter. Favoriten sind die Schwedin Loreen und eine Großmütter-Gruppe aus Russland. Am Freitagabend leuchteten an Wolkenkratzern in Baku der Schriftzug "Eurovisions-Finale 2012" auf, an der Promenade am Kaspischen Meer schwenkten Spaziergänger Eurovisions-Fahnen.
Während die Staatsführung in Baku vor dem Wettbewerb den Druck auf Regierungskritiker verschärfte, versuchte die Opposition, das große Medieninteresse an dem Land auf die Beschränkung der Bürgerrechte zu lenken.
Der Grünen-Politiker Volker Beck fürchtet, dass die Repressalien gegen Oppositionelle nach dem Finale noch zunehmen könnten. Er habe die Sorge, dass diejenigen büßen müssten, die vor dem Gesangswettbewerb "vielleicht etwas mutiger als sonst aufgetreten sind und dadurch mehr riskiert haben", sagte er im Deutschlandradio Kultur. Beck appellierte an die deutschen Medien und vor allem an die ARD als Mitausrichter, auch nach dem Finale weiter über das Land zu berichten. Ansonsten seien "die Leute in einer echten Gefahr".
Zuvor hatte bereits der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, die Regierung in Baku kritisiert. Es sei "inakzeptabel", wie Menschen in Aserbaidschan unter Druck gesetzt würden, sagte Löning dem SWR.
jbr/afp
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