Familienstudie Deutsche haben kaum Zeit für ihre Liebsten

Deutschlands Familien leiden unter Zeitnot, Eltern reiben sich zwischen Beruf und Privatleben auf. Eine aktuelle Studie zeigt jetzt, wie stressig die Menschen ihr Leben empfinden: Die meisten wollen mehr Zeit mit ihren Liebsten verbringen - schaffen es aber nicht.

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Wuppertal - Die Deutschen haben laut einer Umfrage große Schwierigkeiten, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bekommen. Das zeigen die Ergebnisse der Vorwerk-Familienstudie 2012. Viele Eltern haben demnach das Gefühl, sich auch nach Feierabend nicht auf ihr Privatleben konzentrieren zu können. Zahlreiche Mütter fühlen sich zwischen Kindern, Haushalt und Beruf aufgerieben. Der Wunsch nach viel gemeinsamer Familienzeit ist groß, aber selten verwirklicht.

Für die repräsentative Studie wurden im Juni insgesamt 1617 Personen ab 16 Jahren durch Mitarbeiter des Institutes für Demoskopie Allensbach in persönlichen Gesprächen befragt. Es ist die achte Auflage der Studie seit 2005.

Der Untersuchung zufolge gilt bei einer großen Mehrheit der Deutschen die Familie, die viel Zeit miteinander verbringt und gemeinsame Unternehmungen macht, als erstrebenswert - 83 Prozent bezeichnen dies als ihr Ideal. Tatsächlich gaben aber nur 28 Prozent an, viel Zeit für ihre Familie zu haben.

Wer eine Stunde Zeit am Tag zusätzlich hätte, würde diese trotzdem nicht zwangsläufig mit der Familie verbringen. Dies würde nur ein Viertel (26 Prozent) der Befragten tun - 44 Prozent würden dagegen die Stunde für sich selbst nutzen. Besonders ausgeprägt ist dieser Wunsch bei Frauen zwischen 45 und 59 Jahren, von denen fast zwei Drittel angaben, die Zeit allein verbringen zu wollen.

Frauen übernehmen meiste Arbeit im Haushalt

Die Zeitnot mag auch damit zusammenhängen, dass ein erheblicher Anteil der Befragten nach Dienstschluss nicht von Arbeit unbehelligt bleibt. 29 Prozent sagten, auch nach Feierabend arbeiten oder für Vorgesetzte oder Kunden erreichbar sein zu müssen. Darunter leiden insbesondere leitende Angestellte sowie höhere Beamte (47 Prozent) und Selbständige (41 Prozent).

Bei berufstätigen Müttern, die oft in Teilzeit beschäftigt sind, ist die Belastung anders gelagert: Ihnen macht eher Probleme, Haushalt, Beruf und Kinderbetreuung zu bewältigen. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) gab an, in der Freizeit nur noch selten entspannen zu können. Bei den berufstätigen Vätern lag dieser Anteil bei 49 Prozent.

Von einer gleichberechtigten Aufgabenteilung im Haushalt, die mehr als zwei Drittel der Befragten als wünschenswert ansehen, sind die Familien weit entfernt. Nur in 31 Prozent der Haushalte werden demnach die Aufgaben gleichmäßig verteilt.

Immerhin verzeichnet die Studie gestiegene Anerkennung für Personen, die im Haushalt arbeiten. Insbesondere die Wertschätzung durch den Partner ist gestiegen: 2005 gab nur die Hälfte der Frauen an, für Hausarbeit Lob vom Partner zu bekommen - 2012 waren es 71 Prozent. Zugleich ging der Anteil der Personen zurück, die sagten, Familien- und Hausarbeit würden nicht ausreichend gewürdigt.

Gemischte Reaktionen auf "Leihgroßeltern" und "Großelternzeit"

54 Prozent der Befragten und 66 Prozent der berufstätigen Frauen glauben, mehr Leute würden Kinder bekommen, wenn es bessere Betreuungsmöglichkeiten gäbe. Entlastung für Familien könnten etwa so genannte Leihgroßeltern bieten - Senioren, die Kinder fremder Familien betreuen. Prinzipiell halten dies zwei Drittel der Befragten für sinnvoll. Aber gerade mal ein gutes Drittel der Leute über 45 kann sich vorstellen, selbst Leihoma oder -opa zu werden. Und nur 30 Prozent der Eltern mit Kindern unter 14 würde den Nachwuchs an Leihgroßeltern abgeben.

Verhalten sind die Reaktionen auch beim Modell der "Großelternzeit", einer Idee von Familienministerin Kristina Schröder. Bei diesem Modell arbeitet Oma oder Opa weniger oder für einige Monate gar nicht, um sich um Enkel zu kümmern. 40 Prozent der Befragten können sich dies vorstellen, 44 Prozent nicht. Unter Großeltern, die bereits jetzt ihre Enkel betreuen, ist die Akzeptanz besonders hoch: 24 Prozent würden "bestimmt", 27 Prozent "vielleicht" in Großelternzeit gehen.

ulz



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insgesamt 66 Beiträge
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Seite 1
Marshmallowmann 12.09.2012
1.
Zitat von sysopGetty ImagesDeutschlands Familien leiden unter Zeitnot, Eltern reiben sich zwischen Beruf und Privatleben auf. Eine aktuelle Studie zeigt jetzt, wie stressig die Menschen ihr Leben empfinden: Die meisten wollen mehr Zeit mit ihren Liebsten verbringen - schaffen es aber nicht. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,855333,00.html
Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter Mütter. Titel: "Deutsche haben kaum Zeit für ihre Liebsten" - Nur Frauen in der Studie befragt. Ohne Worte.
kupfer2 12.09.2012
2. gleichberechtigte Aufgabenteilung im Haushalt
Die "gleichberechtigte Aufgabenteilung im Haushalt" muss sich auch nach der beruflichen Belastung der einzelnen Akteure richten.Wenn ich als Landärztin durchschnittlich 12 Stunden(und wenn Dienste hinzukommen auch mehr)am Tag arbeite,mein Mann aber keiner bzw. nur "geringfügig beschäftigter" Erwerbsarbeit nachgeht,weil er sich um Haushalt und die Kinder kümmert - bei uns ist es andersrum als "normal" - dann ist der Haushalt zum allergrößten Teil seine Aufgabe und ich kann davon nicht auch noch "gleichberechtigt" 50% übernehmen.
kdshp 12.09.2012
3. Titel:Deutschland
Zitat von sysopGetty ImagesDeutschlands Familien leiden unter Zeitnot, Eltern reiben sich zwischen Beruf und Privatleben auf. Eine aktuelle Studie zeigt jetzt, wie stressig die Menschen ihr Leben empfinden: Die meisten wollen mehr Zeit mit ihren Liebsten verbringen - schaffen es aber nicht. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,855333,00.html
Hallo, dann sollen die sich mehr zeit nehmen und auf den 3 wagen verzichten denn das brauchen die dann nicht mehr zu verdienen. Sorry aber arbeiten um wohlstand zu erlangen und gleichzeitig kinder groß ziehen geht doch gar nicht. Was wollen diese liberalen und konservativen eigentlich also die das aus der mittelschicht? Wohlstand oder kinder?
caecilia_metella 12.09.2012
4.
"Immerhin verzeichnet die Studie gestiegene Anerkennung für Personen, die im Haushalt arbeiten. Insbesondere die Wertschätzung durch den Partner ist gestiegen: 2005 gab nur die Hälfte der Frauen an, für Hausarbeit Lob vom Partner zu bekommen - 2012 waren es 71 Prozent." Ein schwerer Fehler ist ja schon, dass FRAUEN für Hausarbeit Lob vom Partner = Männern bekommen sollen. Ich mache es gerade anders herum, und mehr je ich meinen Mann lobe, desto besser kann er das. Übrigens können Sie sich das auch irgendwann wieder abgewöhnen, in einer Familie einen Mann mit mehreren Frauen sehen zu wollen - gleich einem Hahn mit vielen Hennen. Ist doch auch unlogisch in einem Land, in dem es mehr Männer als Frauen gibt. "Wer eine Stunde Zeit am Tag zusätzlich hätte, würde diese trotzdem nicht zwangsläufig mit der Familie verbringen. Dies würde nur ein Viertel (26 Prozent) der Befragten tun - 44 Prozent würden dagegen die Stunde für sich selbst nutzen. Besonders ausgeprägt ist dieser Wunsch bei Frauen zwischen 45 und 59 Jahren, von denen fast zwei Drittel angaben, die Zeit allein verbringen zu wollen." Ja. Wenn man sich endlich so viel Zeit (Lebenszeit) nehmen kann, wie man will, dann weiß man sogar, was man schon immer wollte. - So erging es mir jedenfalls.
AlbertWesker 12.09.2012
5. Blubb...
Wow, das hätte meine Oma schon vor 60 Jahren sagen können... Kinder machen also wirklich arbeit? Super Erkenntnis! Achtung noch ein wichtiger Tipp an alle die an Kinder denken. Es kann gerade in den ersten sechs Monaten zu großem Schlafentzug kommen... Ich glaube früher hat man da einfach groß drüber gejammert und es war jedem klar. Selbst als Hausfrau mit zwei Kindern zwischen 0-5 hat man praktisch mit dem Haushalt einen Fulltime Job. Wer ein Baby hat und mal kurz in die Stadt möchte, plant immer eine Stunde Vorbereitung mit ein, nur um das Haus verlassen zu können. Und wer wirklich denkt, dass man mit zwei Leuten Vollzeit arbeiten kann und viel Zeit mit seinem Kleinen verbringen kann, ist einfach dumm.
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