Verheerende Waldbrände in Kalifornien Tausende Hilfskräfte kämpfen gegen die Flammen

In Kalifornien brennt es in mehreren Gegenden, auch in der Promi-Hochburg Malibu wüten die Flammen. Für den US-Bundesstaat ist es eine Katastrophe historischen Ausmaßes, mehr als 30 Menschen sind tot.

AP

Rund 8000 Hilfskräfte versuchen derzeit in Kalifornien, gleich zwei große Brände zu löschen. Der eine, das "Camp Fire", wütet im Norden des US-Bundesstaats, der andere, genannt "Woolsey Fire", in der Gegend um Malibu. Mindestens 31 Menschen sind bislang wegen der Flammen ums Leben gekommen. Weitere Opfer werden befürchtet, denn Trockenheit, Wärme und heftige Winde verschärfen die Lage.

Das Feuer im Norden war am Donnerstag im Nordosten von Sacramento ausgebrochen, im Butte County. "Camp Fire" wird der Brand in Anspielung auf seinen Entstehungsort genannt, der Camp Creek Road. Bislang haben die Flammen vor allem die Kleinstadt Paradise verwüstet, in dieser Gegend kam es mehr als 20 der bislang bestätigten Todesfälle.

Einige der Leichen seien in ausgebrannten Autos oder in deren Nähe entdeckt worden, hieß es von der Polizei. Ein mobiles DNA-Labor und Anthropologen sollen nun dabei helfen, die Toten zu identifizieren. Über hundert Menschen gelten auch noch als vermisst, man befürchtet, sie zum Beispiel in Häuserruinen zu finden.

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Paradise und Malibu: Großbrände in Kalifornien

Das "Camp Fire" zählt so schon jetzt zu den folgenreichsten, die der Bundesstaat je erlebt hat, etwa 4000 Hilfskräfte sind allein dort im Einsatz. Insgesamt hätten fast 150.000 Menschen in Kalifornien ihre Häuser verlassen müssen, teilte die Einsatzleitung im Bezirk Los Angeles mit.

Insgesamt kann in Kalifornien derzeit eine Viertelmillion Menschen nicht in ihre Wohnungen und Häuser - sofern diese überhaupt noch bewohnbar sind. Denn allein in Paradise sollen 6700 Häuser abgebrannt sein, 15.000 weitere Gebäude in der Gegend gelten noch als von den Flammen bedroht. In der Stadt selbst leben 27.000 Menschen.

Das Ausmaß der Zerstörung sei kaum zu beschreiben, sagte die Bürgermeisterin der kleinen Gemeinde dem US-Sender CNN. Auch ihr Haus sei abgebrannt, ebenso hätten alle Mitglieder des Stadtrats ihre Häuser verloren, teilte Jody Jones mit. Ihnen stehe "harte Arbeit" bevor, den Ort wieder aufzubauen, wo das Feuer Kirchen, Geschäfte, Schulen und Restaurants dem Erdboden gleichgemacht hat.

Im Video: Das Inferno von Kalifornien

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Das "Woolsey Fire" 800 Kilometer weiter verkohlte Tausende Hektar Land, dabei wurden mindestens 177 Anwesen zerstört. Niedergebrannt ist unter anderem die Paramount Ranch, eine Kulisse für Cowboyfilme und -shows, wo unter anderem für "Westworld" gedreht wurde.

Von den Flammen betroffen war auch der Ort Thousand Oaks, in dem in der vergangenen Woche bei einem Amoklauf 13 Menschen erschossen wurden.

Die Behörden riefen die Bewohner in den Gefahrenzonen wiederholt auf, Räumungsbefehle zu befolgen. Malibu und Nachbarorte am Nordrand von Los Angeles sind offiziell komplett evakuiert worden, die Behörden haben noch Sorge, dass es zu Plünderungen kommen könnte.

Viele Prominente haben an der Küste und in dem angrenzenden Hügelland teure Villen. Stars wie die Sängerin Lady Gaga, der Regisseur und Oscar-Preisträger Guillermo del Toro sowie die TV-Persönlichkeiten Caitlyn Jenner und Kim Kardashian waren von den Räumungen betroffen. Zu den zerstörten Anwesen gehörte auch das von TV-Moderator Thomas Gottschalk.

Ärger über Trumps Tweets

Lady Gaga sprach den Feuerwehrleuten, Polizisten und Helfern einen Dank aus. "Ihr seid wahre Helden", schrieb der Star auf Twitter. Kim Kardashian rief über den Kurznachrichtendienst zu Spenden für Feuerwehrorganisationen auf.

US-Präsident Donald Trump warf den zuständigen Behörden in Kalifornien zunächst Missmanagement vor, in den sozialen Medien beklagten sich daraufhin viele Nutzer über seine Reaktion. "Dies ist eine absolut herzlose Antwort", schrieb die Sängerin Katy Perry auf Twitter. Der Chef der kalifornischen Berufsfeuerwehr, Brian Rice, wies die Vorwürfe als "gefährlich falsch" zurück. Trumps Äußerungen seien "erniedrigend" für die Opfer sowie "für die Männer und Frauen, die an den Fronten kämpfen".

Stunden nach seiner ersten Einlassung zum Thema schlug der Präsident einen anderen Ton an und drückte den Feuerwehrleuten und den Betroffenen sein Mitgefühl aus. "Die Zerstörung ist katastrophal. Gott schütze alle", schrieb er und rief die Menschen auf, den Evakuierungsaufrufen zu folgen. Am Sonntag schwenkte Trump aber wieder auf die andere Stoßrichtung um und erklärte, mit einem vernünftigen Forstmanagement seien zerstörerische Feuer wie das in Kalifornien zu stoppen.

mbö/dpa/AP/Reuters



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thinking_about 12.11.2018
1. Die Küstenregion
Kaliforniens ist die meist gefährdete der USA, wegen Erosion durch das Meer, wegen andauernder Trockenheit und der Erdbeben Gefahr durch den Andreas Graben. Aber man hat ja eine wunderbare Aussicht auf das Meer. Besonders da Reichengebiet Malibu ist hier besonders gefährdet. Viele sind schon lange dort weggezogen. Die anderen werden ihre Gebäudeversicherung haben, wie wir auch. Da in USA vornehmlich die Holzbauweise üblich ist, sind diese Gebäude schnell ein Flammenopfer. Jetzt überlegt man reichlich spät, die Küstenregion aufzuforsten, die sonst so eindrucksvoll als golden hills bekannt war, das war das verbleichende Gras in den Sommermonaten. In USA braucht es immer erst Katastrophen, um tätig zu werden, denn Infrastruktur kostet eben, ohne Gewinn zu generieren. Dennoch ist diese Katastrophe wirklich sehr heftig und bedauerlich.
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