Beziehungsweise Mann am Herd ist Goldes wert

Was haben Jamie Oliver und Tim Mälzer bloß mit den Frauen angestellt? Die verlangen jetzt von ihren Freunden, mit ihnen zusammen zu kochen. Lange und genießerisch. Dumm nur, dass für Männer ziemlich viel dagegen spricht.

Von Peter Petschek

TV-Koch Jamie Oliver: "Aber mein Freund kocht doch gerne mit mir"
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TV-Koch Jamie Oliver: "Aber mein Freund kocht doch gerne mit mir"


Ich möchte mit einem weit verbreiteten Irrtum aufräumen: Jamie Oliver und Tim Mälzer existieren nicht. Jedenfalls nicht so, wie wir sie aus dem Fernsehen kennen.

Bestimmt sind sie nur ganz normale Männer. Ich bin mir sicher: Wenn Jamie Oliver nach seinen Kochsendungen oder dem Missionieren armer britischer Schulkinder nach Hause kommt, haut er sich noch ein paar ekelhafte Sausages vom Vortag in die ungespülte Pfanne mit ranzigem Fett, fläzt sich in einer alten Jogginghose auf die Couch und zieht sich Unmengen an Sticky Toffee Pudding und Walker Chips rein. Und ich habe auch keine Zweifel, dass Tim Mälzer seine Küchenschränke vollgepackt hat mit Fertiggerichten. Garantiert mit Geschmacksverstärkern und Konservierungsstoffen.

Deshalb haben beide auch diesen leichten Gesichtsspeck mit angedeutetem Doppelkinn und ein paar Kilo zu viel auf den Hüften. Bei Jamie und Tim macht das nichts, die Frauen finden sowas "süß" oder "nett". Ich dachte immer, Mädchen über zwölf hätten die Adjektive "süß" und "nett" aus ihrem Wortschatz gestrichen, aber so ab Mitte 30 schleicht es sich wieder leise ein, gerade in der Kommunikation mit dem eigenen Freund. Entweder als Hinweis auf körperliche Gebrechen ("Ist süß, dass du an der Schläfe immer mehr graue Haare bekommst!"), als Vorwurf ("Wäre nett, wenn du demnächst deinen Teller direkt in den Geschirrspüler stellen würdest") oder als Aufforderung ("Könntest du noch den Müll runterbringen? Das wäre nett!").

Alles soll zum gemeinsamen Großereignis werden

Aber wir waren bei den Kunstfiguren Jamie und Tim und ihren Folgen für uns eh schon vielfach überforderte Männer. Leider wollen viele Frauen Jamie und Tim 1:1 auf ihre Freunde übertragen. Das heißt, sie wollen, dass ihre Freunde kochen können. Und vor allem auch: wollen. Mit ihnen zusammen. Sich viel Zeit dafür nehmen. Nur frische Zutaten. Den Herd dabei nicht versauen. Die Küche nicht vollstinken. Die geschmacklichen Auswirkungen von mindestens 30 verschiedenen Gewürzen und Fensterbrettgewächsen kennen. Spaß dabei haben. Das alles "süß" und "nett" finden.

Böse Absicht steckt gar nicht mal dahinter, sondern vielmehr der Wille der Frauen, möglichst alle Dinge in einer Beziehung zu einem gemeinsamen Großereignis zu machen. Mit möglichst hohem "Weißt du noch?"-Erinnerungsfaktor. Das fängt damit an, dass beim Frühstück immer mindestens zwei Kerzen auf dem Tisch neben Nutella und Käse stehen müssen. Romantik und so. Über gemeinsame Einkaufsbummel will ich hier lieber kein kritisches Wort verlieren, das bringt mich nur in Teufels Küche. Ich sage nur: Die "Weißt du noch"-Momente werden da meistens sehr einseitig verteilt.

Und wir Männer? Wir haben nichts gegen gemeinsame Unternehmungen und Ereignisse. Wir wollen aber nicht alles zusammen machen und hochstilisieren. Was warf mir meine Freundin wütende Blicke zu, als ich mir irgendwann mal ein wenig Privatsphäre beim Zähneputzen erbat. Nicht nur, weil ich aufgrund eines eigenwilligen und recht wilden Putzstils ein wenig mehr Zahnpasta in der Gegend verteile als andere Leute. Welchen weiteren Sinn hat gemeinsames Zähneputzen? Und welchen gemeinsames Kochen? Werden die Nudeln dann bissfester?

Wir als Sportfans wissen: Das Ergebnis am Ende ist wichtig, nicht das Spiel. Weshalb sollen wir also kochen können, wenn es doch eigentlich nur ums Essen geht? Fischstäbchen, Spiegelei oder ein paar Nudeln kriegen wir ja hin, das reicht fürs Überleben und ist auch schnell gemacht. Wenn's komplizierter wird und länger dauert, sollen bitte sehr das Restaurant, das Fertiggericht oder die Freundin ran.

Kochen? Nee

Wir können ja ein wenig mithelfen, ein paar Tomaten schneiden oder Kartoffeln schälen. Aber zwei Stunden in der Küche stehen und Sachen zubereiten, die dann spätestens nach zehn Minuten verschlungen sind? Nein danke! Das hat nichts mit veraltetem Frauen-an-den-Herd-Denken zu tun, das ist eine reine Zeit-Kosten-Nutzen-Rechnung.

Jetzt werden einige Frauen sagen: "Aber mein Freund kocht doch gerne mit mir!" Ja, ich gebe zu, es gibt einige solcher Gesellen, die machen das allerdings nicht aus Spaß an der Freud, sondern nur, weil sie ansonsten aufgrund optischer, sozialer oder anderer Mängel keine Chance auf dem Partnermarkt hätten. Genauso Kerle, die nur aufgrund ihrer Spezialkenntnisse im Bereich Computer oder Technik wieder vermittelbar wurden. Ich will jetzt aber keiner Frau Angst machen, der jetzt gerade auffällt, dass sie eigentlich nur mit ihrem Typen zusammen ist, weil der immer so toll ihr Fahrrad repariert.

Stattdessen ein kleiner Appell: Nehmt es nicht so schwer, wenn wir keine Lust haben, den kompletten Sonntagabend mit gemeinsamem Kochen zu verbringen. Wir können andere Sachen viel besser. Viel essen. Gut essen. Schnell essen. Laut essen. Viele Komplimente für das Essen verteilen. Aber kochen? Nee. Wir sind halt nicht Jamie oder Tim.

Aber die Wahrheit über die beiden kennt ihr ja jetzt auch.

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Seite 1
CptPsycho 10.09.2012
1.
Was für ein unterirdischer Artikel. Es gibt auch Männer die es entspannend und schön finden mit den entsprechenden Zutaten herumzuspielen und dabei etwas schmackhaftes zu kochen. Das auch gern mit dem Partner zusammen. Und hey, die würden das auch ganz für sich allein so machen. Es wird auch nicht vom Partner verlangt. Und nochwas ... die sind auch nicht fett.
spiegelwelt 10.09.2012
2. Nicht von sich auf andere schließen!
Zitat von sysoppicture-alliance/ dpaWas haben Jamie Oliver und Tim Mälzer bloß mit den Frauen angestellt? Die verlangen jetzt von ihren Freunden, mit ihnen zusammen zu kochen. Lange und genießerisch. Dumm nur, dass für Männer ziemlich viel dagegen spricht. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,854050,00.html
Lieber Autor, nicht immer von sich auf andere schließen! Ich - Mann - koche sehr gerne und meiner Freundin schmeckts auch jedesmal (sag sie jedenfalls ...)
Stark Maier 10.09.2012
3. Mann =! Mann
Es ist nur eine Modeerscheinung, weil die Medienbranche herausgefunden hat, dass Kochsendungen interessant seien, also stellt man irgenwelche Kerle hin die über das Kochen philosophieren und die Gesellschaft, insb. die mit weniger Grips, saugt es auf wie ein Schwamm. Für diese MUSS auch das wirkliche Leben so sein, inklusive dem eigenen Mann. Ich weiss ja nicht was für Männer das sind, aber ich habe herzlich wenig Zeit um mich mit dem Kochen zu beschäftigen, dafür is der Tag zu kurz und das Leben auch nicht besonders lang. Wenn ich 2 Männer hinstelle, einer der 3h tolle Gerichte für seine Frau kocht, liebevoll gestalltet und einen anderen Mann, der seine Frau 1h lang beglückt ( Können vorausgesetzt ), und danach etwas bestellt oder schnell was zubereitet ( was wiederrum abhängig ist, wie gut mann ist, denn dann übernimmt es idR die Frau ), ist Frau Nr 2 deutlich glücklicher, als die erste. Da muss man aber leider auch wieder differenzieren.. wenn sich eine Frau übers Essen mehr freut als körperliche befriedigung, dann würde ich mir schleunigst eine neue suchen. Kochen soll Mittel zum Zweck bleiben - Hunger stillen. Manchen Menschen ist wohl zu langweilig....
no-panic 10.09.2012
4.
Zitat von sysoppicture-alliance/ dpaWas haben Jamie Oliver und Tim Mälzer bloß mit den Frauen angestellt? Die verlangen jetzt von ihren Freunden, mit ihnen zusammen zu kochen. Lange und genießerisch. Dumm nur, dass für Männer ziemlich viel dagegen spricht. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,854050,00.html
Feiner Artikel. Hab mich prächtig amüsiert. An meine Vorposter: Ironie ist ein sehr feines Gewürz, beim zweiten Bissen kann man sie besser schmecken, lesen Sie also noch einmal ;) Ich koche nicht nur gern, sondern täglich, verlange von meiner Frau auch nicht, gemeinsam mit mir zu kochen, das geht sowieso schief. Man steht sich in der Ottonormalküche nur im Weg rum. Jamie mag ich gar nicht, Tim hat ab und zu ganz nette Ideen für den Alltag. Mir geht der Kochhype aber tierisch auf's Schneidbrett, vor allem die tollen Fertiggerichte mit Jamie oder Alfonsbildchen drauf. Glücklich der, der noch weiß, wie man einen Fond selber macht...... Ich koche übrigens schon seit ungefähr 26 Jahren und werde es weiterhin tun. Da hält mich weder Jamie noch der Lanz von ab, meine Frau schon gar nicht. :) Mahlzeit Allerseits
ColdFever 10.09.2012
5. Bloß kein Neid
Der Autor hat noch etwas vergessen: Jamie Oliver kocht nicht nur toll, sondern ist dabei auch noch saucool und charmant. Kein Wunder, dass der deutsche Durchschnittsmann da beim Vergleich fast schon Depressionen bekommen kann. Zum Glück ist aber alles halb so schlimm, denn ein gemeinsamer Kochkurs mit der Freundin ist immer noch besser als ein gemeinsamer Tanzkurz. Und wenn die Freundin sich dann doch trennt, hat man wenigstens mit Kochen was mal Vernünftiges gelernt. ;)
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