25. Dezember 2012, 13:16 Uhr

Weihnachtssegen "Urbi et Orbi"

Papst prangert Gewalt gegen Wehrlose in Syrien an

Mahnende Worte des Kirchenoberhaupts in Richtung Syrien: Papst Benedikt XVI. hat in seiner Weihnachtsbotschaft einen Stopp der Gewalt in dem Bürgerkriegsland gefordert. Auch an Israelis, Palästinenser und Ägypter richtete er deutliche Botschaften.

Rom - Papst Benedikt XVI. hat in seiner Weihnachtsbotschaft die Menschen aufgefordert, die Hoffnung nicht zu verlieren. Selbst in Krisenländern wie Syrien, Nigeria und Mali sollten die Gläubigen nicht aufgegeben. Er rief erneut zu einem Ende der Gewalt auf. "Ja, möge der Frieden hervorsprossen für die Bevölkerung Syriens, die zutiefst verletzt und geteilt ist durch einen Konflikt, der nicht einmal die Wehrlosen verschont und unschuldige Opfer hinwegrafft", sagte der Papst am Dienstag.

Er verurteilte die von Islamisten verübten Gewalttaten in Nigeria und Mali. "Das Geburtsfest Christi begünstige die Wiederkehr des Friedens in Mali und der Eintracht in Nigeria, wo grausame terroristische Attentate weitere Opfer fordern, besonders unter den Christen."

Das Oberhaupt von weltweit 1,2 Milliarden Katholiken sprach von der Mittelloggia des Petersdoms zu den Gläubigen. Speziell wandte er sich an die Menschen in den Ländern des Arabischen Frühlings, insbesondere in Ägypten. Es sei an ihnen, eine gerechte Gesellschaft zu schaffen. Ägypten sei durch die Kindheit Jesu gesegnet, so Benedikt. Israelis und Palästinenser forderte er auf, die Kraft für neue Friedensverhandlungen zu finden

Danach spendete Benedikt XVI. den für den ersten Weihnachtsfeiertag traditionellen apostolischen Segen "Urbi et Orbi" - "der Stadt und dem Erdkreis". Vor Zehntausenden Menschen auf dem Petersplatz in Rom und Millionen Fernsehzuschauern in aller Welt verlas er in 65 Sprachen Weihnachtsgrüße. Eine gewaltige Besuchermasse hatte sich dazu bei wolkenverhangenem Himmel auf dem weiten Areal vor der Basilika versammelt.

Auf Deutsch sagte der Papst: "Die Geburt Jesu Christi, des Erlösers der Menschen, erfülle euer Leben mit tiefer Freude und reicher Gnade; sein Friede möge in euren Herzen wohnen. Gesegnete und frohe Weihnachten!"

Bereits an Heiligabend hatte Benedikt in seiner Weihnachtsmette mahnende Worte gefunden - und die Gläubigen in aller Welt aufgefordert, auch in einer schnelllebigen Welt Platz für Gott zu schaffen. "Je schneller wir uns bewegen können, je zeitsparender unsere Geräte werden, desto weniger Zeit haben wir."

Gleichzeitig rief das Oberhaupt der katholischen Kirche zur Wachsamkeit gegenüber dem Missbrauch von Religion auf. Es sei "wahr, dass in der Geschichte der Monotheismus als Vorwand für Intoleranz und Gewalt gedient" habe. Auch sei wahr, "dass Religion erkranken" könne, wenn der Mensch meine, selbst die Sache Gottes in die Hand nehmen zu müssen und "so Gott zu seinem Privateigentum" mache.

Aber auch "wenn Missbrauch der Religion" in der Geschichte unbestreitbar sei, so "ist es doch nicht wahr, dass das Nein zu Gott den Frieden herstellen würde".

jok/dapd/dpa


URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH