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Weihnachtsüberraschung: Nordkoreas Fernsehen sendet erstmals Westfilm

Die Altstalinisten in Nordkoreas Führung gelten als fußballverrückt - womöglich haben sie sich deshalb ausgerechnet "Kick it like Beckham" ausgesucht, um ein Tabu zu brechen. Die Komödie mit Keira Knightley war am 26. Dezember im Staats-TV zu sehen. Als erster westlicher Spielfilm überhaupt.

Knightley in "Kick it like Beckham": Tabubruch erster Güte Zur Großansicht
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Knightley in "Kick it like Beckham": Tabubruch erster Güte

London - Der britische Botschafter in Südkorea, Martin Uden, war der erste, der die Nachricht laut BBC in einem Tweet verbreitete. Der sonst um Diskretion und Unterstatement bemühte Diplomat ließ diesmal seiner Begeisterung freien Lauf: "Es ist der erste westliche Spielfilm überhaupt, der im Fernsehen Nordkoreas ausgestrahlt wurde", schreibt er.

Die Ausstrahlung von "Kick it like Beckham" rechnet sich Botschafter Uden als großen Erfolg an. Die britische Botschaft hatte das Regime überzeugen können, den Film zum Anlass des zehnjährigen Bestehens der britisch-nordkoreanischen Beziehungen zu zeigen. In ungewohnter Offenheit wies das nordkoreanische Fernsehen während des Films auch auf diesem Umstand hin.

Das Ausmaß des Tabubruchs wird deutlich, wenn man in Rechnung stellt, dass der staatlich gelenkte nordkoreanische Fernsehsender sonst nur Propaganda des Regimes verbreitet. Jährlich werden nach Angaben des Internet-Lexikons Wikipedia nur 60 Filme gesendet. Ansonsten laufen im Unterhaltungsprogramm "Dokumentationen" über Waffenarsenale, beispielhafte Fabriken und landwirtschaftliche Produktionsbetriebe, oder Musik und Sendungen für Kinder.

Auch die Auswahl des Films ist vor diesem Hintergrund bemerkenswert: Zwar handelt die Komödie in erster Linie vom Werdegang eines fußballbegeisterten Mädchens, doch werden darin auch einige Besonderheiten thematisiert, die in Nordkorea zumindest nicht öffentlich diskutiert werden: Es geht um die Probleme von ethnischen Minderheiten, Homosexualität und Religion.

So gänzlich alles wollten die Zensoren ihren Volk denn auch nicht zumuten: Sie entfernten einige allzu pikante Szenen aus der 112 Minuten langen Originalfassung. Übrig blieben 104 Minuten.

mik

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insgesamt 39 Beiträge
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1. gut,
rudig 31.12.2010
Zitat von sysopDie Führung Nordkoreas gilt als fußballverrückt - womöglich hat sie sich deshalb "Kick it like Beckham" ausgesucht, um einen Tabu zu brechen. Die britische Komödie mit Keira Knightley und Parminder Nagra war am 26. Dezember im Fernsehen zu sehen, als erster westlicher Spielfilm überhaupt. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,737298,00.html
Da haben sie ja mal eine gute Wahl getroffen !!
2. Kim
GerwinZwo 31.12.2010
Interessant wäre mal eine Zahl, wieviele Fernsehgeräte es- geschätzt- in Kims Reich überhaupt gibt. Vielleicht saß ja nur der geliebte Führer vorm Hightech Plasma-TV, einen Edel-Cognac in seiner welken Hand, eine Zigarre vom Bruder im Geiste, Maximo Lider Fidel, schmauchend? Oder war das ganze nordkoreanische Volk am Fersehgerät vereint, wie Nachkriegsdeutschland dereinst beim "Stahlnetz"-Krimi? Zur Zensur nur soviel: wäre ja überraschend gewesen, wenn der geliebte Führer ausgerechnet da nichts gemacht hätte. Aber warum in die Ferne schweifen: wer Interesse daran hat und des Googelns mächtig ist findet schnell Seiten, die aufzeigen, welche Filme in D um welche Szenen geschnitten werden, bevor sie hier im TV flimmern...nur soviel: es sind nicht wenige...
3. naja
oOMcLovinOo 31.12.2010
sie hätten mal lieber fight club zeigen können um auf die beziehungen zu amerika hinzuweisen... find es irgendwie traurig, dass da jetzt so ein fass für aufgemacht hat. auf der einen seite töten sie grundlos menschen und weil jetzt ein "westfilm" das erste mal im tv gezeigt wird soll das jetzt irgendwas ändern?
4. Lernt doch mal ÜBERSETZEN!
feverpitch 31.12.2010
"Sie entfernten einige allzu pikante Szenen aus der 112 Minuten langen Originalfassung. Übrig blieben 104 Minuten." Bei einer 112 Minuten Kinofassung sind auch im deutschen Fernsehen oft nur 104 Minuten zu sehen. Der Grund liegt darin, dass im Kino 24 Bilder pro Sekunde laufen, im Fernsehen 25 Bilder pro Sekunde. Tatsächlich hat der SPIEGEL aber die eigentliche Nachricht der Kürzung einfach ignoriert: in Nordkorea wurden nur knapp 60 Minuten (!!!) gezeigt. Im Guardian liest sich das heute so: "but the broadcast (...) was edited down to just an hour long, instead of the original 112 minutes. Wie kommt der SPIEGEL auf die zusätzlichen 24 Minuten? Hat man die einfach zusammengewürfelt? http://www.guardian.co.uk/world/2010/dec/31/north-korea-david-beckham-film
5. klasse...
derlabbecker 31.12.2010
Zitat von feverpitch"Sie entfernten einige allzu pikante Szenen aus der 112 Minuten langen Originalfassung. Übrig blieben 104 Minuten." Bei einer 112 Minuten Kinofassung sind auch im deutschen Fernsehen oft nur 104 Minuten zu sehen. Der Grund liegt darin, dass im Kino 24 Bilder pro Sekunde laufen, im Fernsehen 25 Bilder pro Sekunde. Tatsächlich hat der SPIEGEL aber die eigentliche Nachricht der Kürzung einfach ignoriert: in Nordkorea wurden nur knapp 60 Minuten (!!!) gezeigt. Im Guardian liest sich das heute so: "but the broadcast (...) was edited down to just an hour long, instead of the original 112 minutes. Wie kommt der SPIEGEL auf die zusätzlichen 24 Minuten? Hat man die einfach zusammengewürfelt? http://www.guardian.co.uk/world/2010/dec/31/north-korea-david-beckham-film
... da blieb ja nix mehr übrig... haben die nur die paar Kick-Szenen im Park gezeigt und das wars.. :-) Also sorry, die Handlung in 60 Minuten geht nicht...
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