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Weiße Frau, schwarzes Kind: "Das war nicht das, was ich wollte"

Mutter Jennifer Cramblett: "Es ist nicht wie beim Pizza-Bestellen", sagt ihr Anwalt Zur Großansicht
AP

Mutter Jennifer Cramblett: "Es ist nicht wie beim Pizza-Bestellen", sagt ihr Anwalt

Sie liebt ihr Kind - verklagt aber die Samenbank. Durch die Verwechslung von Spermien bekam eine weiße Frau eine schwarze Tochter. Jetzt fordern ihre Anwälte mindestens 50.000 Dollar Schadensersatz.

Hamburg/Columbus - Jennifer Cramblett hat ein wunderschönes Kind. Es hat den Namen Payton, lächelt auf Bildern lebensfroh in die Kamera und ist zwei Jahre alt. Trotzdem ist Mutter Cramblett unglücklich. Weil sie weiß ist - und das Kind schwarz. "Das war nicht das, was ich gewollt habe", erzählte sie dem TV-Sender NBC in einem Interview.

Cramblett ist lesbisch, lebt mit ihrer Partnerin in einem kleinen Ort im US-Staat Ohio - und wollte ein Kind haben, ohne dabei mit einem Mann in Berührung zu kommen. Im September 2011 wandte sie sich an eine Samenbank. Als sie bereits schwanger ist, erfährt die heute 36-Jährige, dass die Samenspender verwechselt wurden.

Sie hätte, so erzählt sie im Fernsehinterview, Sperma von einem Mann mit der Nummer 380 gewählt, der weißer Herkunft ist. Sie sei jedoch befruchtet worden von einem Mann mit der Nummer 330, der schwarzer Herkunft ist. Für die junge weiße Verkäuferin aus der Provinz bricht die Welt zusammen - jetzt verklagt sie die Samenbank.

"Es ist nicht wie beim Pizza-Bestellen"

Als sie im NBC-Interview vor laufender Kamera von der Reaktion der Samenbank erzählt, rollen ihr Tränen über die Wangen. "Wenn sie nur einmal gesagt hätten, dass es ihnen leidtut", klagt Cramblett mit gepresster Stimme. "Aber sie kümmerten sich nicht darum."

Glaubt man der Anklageschrift, geht es bei der Klage nicht um rassistische Motive. Das gleichgeschlechtliche Paar wohnt in Uniontown, einer 2800-Einwohner-Ortschaft, in der so gut wie keine Schwarzen leben, wie die "Chicago Tribune" schreibt. Das kleine, dunkelhäutige Mädchen sei also bereits mit der Geburt in eine schwierige Außenseiterrolle gedrängt - und das bedeute Stress für die Mutter.

"Jennifer lebt jeden Tag in Angst und Unsicherheit über ihre Zukunft und die ihres Kindes", heißt es in der Klageschrift. Allein der Friseurbesuch sei für die Kleine mit den krausen Haaren ein echtes Problem. "Um die Haare ihrer Tochter schneiden zu lassen, muss Jennifer einen Friseur in einer Nachbarschaft aufsuchen, in der nur dunkelhäutige Menschen leben. Es ist offensichtlich, dass Jennifer in dieser Nachbarschaft anders aussieht und deswegen nicht willkommen ist", heißt es.

Ihr Anwalt greift die Samenbank mit starken Worten an: "Sie hat den entscheidenden Fehler gemacht, den sie nicht machen darf" - sie habe sich lediglich verschrieben. "Es ist nicht wie beim Pizza-Bestellen", meinte der Jurist. Man wolle durch die Klage auch verhindern, dass eine Spermaverwechslung wiederholt werden könnte.

Um Geld geht es aber auch. Als Mindestschadensersatz schwebt dem Anwalt eine Summe von 50.000 Dollar vor.

Die Samenbank hält sich bislang mit einer Stellungnahme zurück. "Ich kann nichts dazu sagen", sagte eine Sprecherin des Hauses. "Außer dass das Baby wunderschön ist."

cbu/dpa

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insgesamt 89 Beiträge
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1. Rassismus!
spon_2545532 03.10.2014
Die gehört wegen Rassismus verklagt! Ein schwarzes Kind soll weniger wert sein als ein weisses? Von wegen Schadensersatz, den müsste das Kind kriegen, von dieser Rabenmutter.
2. Natürlich geht es um Rassismus!
wonder-wu 03.10.2014
"Glaubt man der Anklageschrift, geht es bei der Klage nicht um rassistische Motive." Was soll das denn bedeuten? Im gesamten folgenden Text geht es nur darum, dass die Mutter Ärger in ihrer Kleinstadt bekommt, weil die Kleine schwarz ist. Okay, es ist vielleicht nicht einfach in Ohio lesbisch und auch noch Mutter eines schwarzen Kindes zu sein. Aber, wie ihr eigener Anwalt so richtig formuliert: es ist nicht wie beim Pizza-Bestellen.
3.
hummelhirte 03.10.2014
Und jetzt... umtauschen? Was wenn das Kind weiß gewesen wäre, aber braune Augen hätte und sie blaue wollte? Vielleicht noch Sonderwünsche, wie Superkräfte und Unsterblichkeit. Dank Hollywood glauben viele Amerikaner tatsächlich an sowas. Der Mensch ist zum Produkt geworden.
4. sie liebt ihr Kind ?
manni.baum 03.10.2014
"sie liebt ihr Kind", das wird ihr Kind aber später nicht glauben selbst wenn die Entschädigung auf sein Konto durchgereicht wird.
5. Liebt sie das Kind wirklich ?
spiegelfrauchen 03.10.2014
Das Kind ist erst zwei Jahre alt und sie beklagt sich jetzt schon über die "Unanehmlichkeiten " beim Friseurbesuch . Jedes Kind sollte willkommen sein - egal welche Hautfarbe es hat . Das Kind tut mir leid .
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