Hamburg - Wellenreiten war sein großes Hobby, "Gefährliche Brandung" gab Ben Linden, 24, bei Facebook als Lieblingsfilm an. Auch am vergangenen Samstag paddelte er an der Küste von Wedge Island im Westen Australiens aufs Wasser. Er überlebte den Ausflug nicht.
Linden ist das fünfte Opfer in zehn Monaten, das an der australischen Westküste durch einen Hai-Angriff gestorben ist. Als "absolut tragisch", bezeichnete der Fischereiminister des Bundesstaats Western Australia die Häufung von Angriffen. Weltweit habe es noch niemals so viele Attacken in so kurzer Zeit gegeben, sagte Norman Moore. Nun müsse gehandelt werden.
Noch in dieser Woche will sich Moore an die Regierung in Canberra wenden. Es müsse dringend geklärt werden, ob der Weiße Hai weiter unter Artenschutz stehen solle. Denn den Auswertungen der vergangenen Jahren zufolge kommt in ganz Australien pro Jahr im Schnitt ein Mensch durch einen Hai-Angriff ums Leben. Nun gab es allein an der Westküste fünf Opfer in zehn Monaten.
Naheliegend wäre es, die Vorfälle auf die gestiegene Population Weißer Haie zu schieben - seit 1992 dürfen sie offiziell nicht mehr gejagt werden. Allerdings gibt es keine Zahlen, die einen solchen Zuwachs belegen: Nach Angaben des Fischereiministeriums konnte bei einer Untersuchung 2008 nicht bewiesen werden, dass es mehr Haie gibt als früher. Aktuelle Zahlen liegen Moore zufolge nicht vor.
Es gibt jedoch noch eine weitere Theorie: "Der Anstieg der Attacken ist wahrscheinlich das Ergebnis vom Anstieg der menschlichen Population und der zunehmenden Beliebtheit von Wassersport", zitiert "The Independent" einen Mitarbeiter des Aquariums in Sydney.
Der Zeitung zufolge sind sich Regierung und Fischereiministerium einig, dass vor allem mehr Informationen über die Haie benötigt werden, über ihre Population sowie ihr Fressverhalten. Knapp 14 Millionen australische Dollar stehen dafür laut Moore zur Verfügung.
Jagdprogramm abgelehnt
Im März war ein 33-jähriger Taucher bei einem Hai-Angriff ums Leben gekommen. Damals lehnte der Regierungschef von Western Australia, Colin Barnett, ein Jagdprogramm ab. Es sei kein adäquates Mittel, um die Menschen zu schützen. "Es ist weiter ein seltener Vorfall, die Ozeane sind das Gebiet der Haie und wir gehen stets mit einem gewissen Risiko dorthin", sagte Barnett.
Nun, keine vier Monate später, kam Ben Linden ums Leben. Schon in den Tagen vor dem Unglück wollen Surfer vor Wedge Island im Norden von Perth einen Weißen Hai gesehen haben, wegen seiner Größe tauften sie ihn "Brutus".
Ein Augenzeuge berichtete, dass der Surfer 40 Meter von der Küste entfernt von dem vier bis fünf Meter langen Tier angegriffen wurde. Lindens Leiche wurde bisher nicht gefunden.
aar/AFP
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