Skandal beim Weißen Ring Landesvorsitzender Döring tritt zurück

In der Lübecker Außenstelle des Weißen Rings sollen hilfesuchende Frauen sexuell bedrängt worden sein. Jetzt haben der Landesvorsitzende des Opferhilfevereins und sein Stellvertreter ihre Ämter niedergelegt.

Logo des Weißen Rings
picture alliance/ dpa

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Der Landesvorsitzende des Weißen Rings Schleswig-Holstein, Uwe Döring, ist am Samstag zurückgetreten. Er wolle Schaden vom Weißen Ring abwenden, sagte der frühere Justizminister Döring am Samstag in Neumünster. Auch Dörings Stellvertreter Uwe Rath hat nach Angaben der "Lübecker Nachrichten" alle Ämter niedergelegt.

Grund für die Rücktritte sind Vorwürfe gegen den ehemaligen Leiter der Lübecker Außenstelle des Weißen Rings, Detlef Hardt. Dieser steht nach SPIEGEL-Informationen unter Verdacht, zwei Frauen sexuell belästigt und genötigt zu haben, die sich dem Opferhilfeverein anvertraut hatten.

Die Frauen im Alter von 40 und 50 Jahren hatte Strafanzeige gegen den 73-jährigen pensionierten Polizeihauptkommissar Hardt gestellt. Seit dieser Woche liegen ihre Anzeigen der Staatsanwaltschaft vor.

Hardt wies die Vorwürfe zurück. "Das ist ehrverletzend und widerlich", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Er wisse von keiner Anzeige, habe aber selbst Anzeige wegen Verleumdung und übler Nachrede erstattet. Für den Weißen Ring habe er weit mehr als 1000 Fälle betreut.

Die zwei Frauen indes, die unabhängig voneinander Anzeige erstatteten, bekräftigten ihre Vorwürfe. Nach SPIEGEL-Informationen soll sich Hardt vor einer der Frauen entblößt haben.

Der Weiße Ring setzt sich seit Jahrzehnten für Kriminalitätsopfer ein. Der Verein finanziert sich über Spenden.

Döring sagte, der Weiße Ring habe von ähnlichen Vorwürfen bereits im November 2016 erfahren. Daraufhin sei mit Hardt vereinbart worden, dass er keine Frauen mehr unter vier Augen zur Beratung empfangen dürfe.

Im Juli 2017 habe der Verband Hardt zum Rücktritt als Außenstellenleiter gedrängt. Von Frauen seien bei einer Hotline seit Jahresanfang zehn weitere Fälle geschildert worden.

Döring war erst vor wenigen Tagen erneut zum Landesvorsitzenden des Weißen Rings in Schleswig-Holstein gewählt worden. Döring und sein ebenfalls einstimmig wiedergewählter Stellvertreter Rath sollten eigentlich für die nächsten vier Jahre den Landesvorstand bilden.

ssu/dpa



insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
C.Rainers 17.03.2018
1. Gerade der Herr Döring
ist auch nicht so ein unbeschriebenes Blatt. Zwar keine sexuellen Sachen aber Zusammenarbeit mit dubiosen Investoren in Neumünster. Da bin ich mal gespannt wieso der jetzt beim Weißen Ring das Handtuch wirft?
dr.joe.66 17.03.2018
2. da fehlen einem die Worte
Da muss mann erst mal schlucken. Jede Art von sexueller Nötigung, Gewalt, Ausbeutung ist widerlich, unmenschlich und verachtenswert. Aber wenn dies Frauen ausgerechnet dort widerfährt, wo sie als Opfer einer Straftat Hilfe suchen, dann ist das besonders schlimm. Und um jetzt meinen aufgeregten Mit-Männern zuvorzukommen: Ja, natürlich muss es jetzt ein rechtsstaatliches Verfahren ohne jede Vorverurteilung geben. Aber wenn mehrere Frauen unabhängig voneinander die gleichen Hinweise geben, dann darf der betroffene Mann die Tätigkeit einfach nicht mehr ausüben, zumindest bis zur gerichtlichen Klärung des Sachverhalts. Da reicht eine einfache Regelung - keine Vieraugen-Gespräche mehr - nun wirklich nicht aus. Ganz besonders der Weiße Ring hätte da erheblich sensibler sein müssen. Daher ist der jetzige Rücktritt der Verantwortlichen die richtige Reaktion. Meine Hochachtung übrigens vor den Frauen, die den Mut hatten die Vorfälle zur Anzeige zu bringen. Immerhin gegen den Weißen Ring und einen pensionierten Polizisten.
koch-51 17.03.2018
3. Es ist gut,
wenn, ganz abgesehen von dieser unappetitlichen Affaire, der Weiße Ring einmal näher von den Medien unter die Lupe genommen wird, denn mit seiner ständigen Rede von den angeblich vom Staat allein gelassenen Opfern und der angeblich zu starken Betonung der Resozialisierung von Tätern zeigt sich schon in der Sprache eine bedenkliche Nähe zu Rechts und AfD-Rhetorik.
erlenstein 17.03.2018
4.
Döring sagte, der Weiße Ring habe von ähnlichen Vorwürfen bereits im November 2016 erfahren. Daraufhin sei mit Hardt vereinbart worden, dass er keine Frauen mehr unter vier Augen zur Beratung empfangen dürfe....Im Juli 2017 habe der Verband Hardt zum Rücktritt als Außenstellenleiter gedrängt. Von Frauen seien bei einer Hotline seit Jahresanfang zehn weitere Fälle geschildert worden. 12 Fälle und mehr ist nicht passiert, als dass der Nötiger Hardt "keine Frauen mehr unter vier Augen zur Beratung empfangen dürfe...", später dann lediglich zum Rücktritt als Außenstellenleiter gedrängt? Keine Anzeige aus dem Verband selber? Vatikansche Verhältnisse, also mehr als kümmerlich. da werden wir noch was zu hören bekommen, wenn sich erst einmal die wahrscheinlich vielen anderen betroffenen Frauen zu Wort melden werden.
Lykanthrop_ 17.03.2018
5.
Viele Menschen haben in sich eine dunkle Schattenseite, ein Winkel der lieber im Finsteren bleibt, auch solche, die sich gern hochmütig in ein besonders helles Licht stellen und dafür feiern lassen. Alle Menschen (Frauen und Männer) die die Welt schnell in gut und böse einteilen sollten mal etwas inne halten und in ihren eigenen Abgrund schauen. Der Mann gehört natürlich dennoch vor Gericht, sein Abgrund ist etwas zu tief. Gesellschaftlich brauchen wir Rechtsfrieden, persönlich würde ich immer die Vergebung der Vergeltung vorziehen. Die ist besser für den Frieden und das eigene Karma.
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