Arbeitsfrei in der Hauptstadt Warum der Weltfrauentag in Berlin ein Feiertag ist

Am 8. März hat Berlin frei - der Weltfrauentag ist in der Hauptstadt ein Feiertag. Wie kam es dazu? Und welche Tage sind andernorts arbeitsfrei?

Feministin während einer Demonstration zum Internationalen Frauentag (2017)
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Feministin während einer Demonstration zum Internationalen Frauentag (2017)


In Deutschland ist Berlin das erste Bundesland, das den Weltfrauentag zum gesetzlichen Feiertag erklärt hat. Dort einigten sich die Parteien der Regierungskoalition aus SPD, Grünen und Linken 2018 darauf, diesen Tag künftig gesetzlich zu schützen.

Was hat es mit dem Weltfrauentag auf sich?

Der Internationale Frauentag ist aus der Arbeiterbewegung entstanden. Erstmals begangen wurde er auf Anregung der deutschen Sozialdemokratin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin am 19. März 1911 im Deutschen Reich, in Österreich-Ungarn, Dänemark und in der Schweiz. Zu den wichtigsten Forderungen gehörte die Einführung des Frauenwahlrechts, das in Deutschland seit 1918 besteht.

Seit 1921 wird der Weltfrauentag am 8. März begangen. In mehr als 25 Staaten - die meisten davon in Asien und Afrika - ist er mittlerweile ein gesetzlicher Feiertag, wie es auf der Website der Kampagne "International Women's Day" heißt. In mehreren Ländern, darunter China, Madagaskar und Nepal, gilt der Feiertag nur für Frauen. Die Uno-Generalversammlung rief 1977 den 8. März als "Tag für die Rechte der Frau und den Weltfrieden" aus.

Warum hat Berlin diesen Feiertag eingeführt?

Als erste Partei legten sich die Berliner Linken Mitte November offiziell auf den Weltfrauentag als Feiertag fest. Zuvor hatten sie den Tag der Befreiung am 8. Mai favorisiert. Die Koalitionspartner von SPD und Grünen folgten. "Der Einsatz für Frauenrechte und Gleichberechtigung gehört zur grünen DNA", sagte etwa die Grünen-Landeschefin Nina Stahrim November 2018. Die SPD-Abgeordnete Iris Spranger hatte bereits im Juni eine Online-Petition für den Frauentag initiiert - und mehr als 28.000 Unterschriften gesammelt.

Es gibt zudem einen ganz pragmatischen Grund, der für die Einführung eines neuen Feiertags sprach: Berlin hatte bislang nur neun davon, in keinem Bundesland gab es weniger. Es gehe aber nicht nur um einen weiteren freien Tag für die Berliner, sagte die Sprecherin der Grünen-Fraktion Tizia Labahn im November 2018 (hier lesen Sie mehr dazu) - sondern um einen Tag mit Bedeutung.

Was sagen Kritiker, was entgegnen Befürworter?

Bislang haben Feiertage in Deutschland meistens einen religiösen Bezug, bundesweit bildet etwa der Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober eine Ausnahme. Manche stören sich daran, dass mit Frauen nun eine Bevölkerungsgruppe an einem Feiertag in den Mittelpunkt gestellt wird - in einem freien Land, in dem niemand wegen seines Geschlechts diskriminiert werden darf.

Befürworter argumentieren, dass es genau diese Diskriminierung trotzdem gibt - und dass ein Feiertag zumindest daran erinnert, dass dieser Missstand geändert werden muss. Frauen sind häufiger von Altersarmut betroffen als Männer, werden öfter Opfer von häuslicher Gewalt, erhalten bei gleicher Leistung durchschnittlich weniger Gehalt, haben weniger Führungspositionen als Männer.

Wie sieht es in anderen Bundesländern aus?

Eine Reihe anderer Landesparlamente hat 2018 neue Feiertage eingeführt. Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen entschieden sich für den Reformationstag am 31. Oktober, der in ostdeutschen Bundesländern schon länger ein Feiertag ist. In Thüringen fiel die Wahl auf den Weltkindertag am 20. September.

Die Debatte über die ungleiche Verteilung von Feiertagen wird in Deutschland regelmäßig geführt - auffallend häufig vor Wahlen, meistens mit Verweis auf Bayern: Dort gibt es landesweit zwölf gesetzliche Feiertage, zusätzlich begehen die mehrheitlich katholischen Gemeinden Bayerns am 15. August zusätzlich Mariä Himmelfahrt. Augsburg hat sogar noch einen arbeitsfreien Tag mehr: Dort ist das Friedensfest am 8. August seit 1950 gesetzlich besonders geschützt.

Ähnlich viel zu feiern gibt es in Baden-Württemberg, das mit zwölf Feiertagen Platz 2 des Rankings belegt (mehr darüber erfahren Sie hier). Dabei solle es auch bleiben, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann im März 2018: "Irgendwann müssen wir auch noch arbeiten."


Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Feiertage in Deutschland hätten in der Regel einen religiösen Bezug, bundesweit bilde lediglich der Tag der deutschen Einheit eine Ausnahme. Tatsächlich gilt das etwa auch für den Feiertag am 1. Mai. Wir haben zudem die Reihenfolge der Abstimmungen der Berliner Parteien präzisiert.

mxw

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