Weltkriegsende Schmatz, Schatz

Es ist einer der berühmtesten Küsse der Fotografie-Geschichte: Vor Freude über das Ende des Zweiten Weltkriegs drückt ein US-Marinesoldat einer Frau einen dicken Schmatz ins Gesicht. Zur Feier des Jahrestages wurde die berühmte Szene jetzt nachgestellt - von Hunderten küsswilligen New Yorkern.

DPA

New York/Tokio - Wer küsste besser, wer küsst schöner? Hunderte Paare haben auf dem Times Square in New York das Foto nachgestellt, das wie kein anderes zum Symbol für die Freude über das Ende des Zweiten Weltkriegs geworden ist: Ein junge Matrose schnappt sich eine junge Krankenschwester und drückt ihr einen saftigen Kuss auf die Lippen.

Das Bild entstand nach der Kapitulation Japans am New Yorker Times Square. Am Abend des 14. August 1945 hatte Präsident Harry Truman das Kriegsende verkündet. In den ganzen USA war es darauf zu spontanen Freudenfesten gekommen.

Jahrelang wurde spekuliert, ob das Bild gestellt war - oder ganz spontan entstand. Später outet sich Edith Shain als die junge Frau, die damals geküsst und geknipst worden war. Die angehende Krankenschwester war 1945 als Auszubildende in New York, als sich am 14. August die Nachricht von der Kapitulation Japans verbreitete. Sie sei zum Times Square gegangen, um die Jubelparade zu sehen, so Shain. Ein junger Soldat in Marineuniform habe sie an sich herangezogen und geküsst. Der Moment wurde von dem Fotografen Alfred Eisenstaedt festgehalten und im "Life"-Magazin gedruckt.

Auch in Japan wurde am Sonntag 2010 der historische Tag auf ungewöhnliche Weise begangen. Die Regierung brach mit einer umstrittenen Tradition: Erstmals besuchte kein Minister den Yasukuni-Schrein in Tokio, wo auch als Kriegsverbrecher verurteilte Soldaten geehrt werden. Stattdessen entschuldigte sich Ministerpräsident Naoto Kan bei einer Gedenkveranstaltung für die Rolle Japans während des Weltkriegs.

Kan besuchte gemeinsam mit Kaiser Akihito, dessen Vater Hirohito 1945 die Kapitulation ausgerufen hatte, eine Gedenkveranstaltung in Tokio. "Während des Krieges hat Japan vielen Ländern bedeutenden Schaden und Schmerz zugefügt, besonders den Menschen asiatischer Länder", sagte der Regierungschef in einer Ansprache. "Ich bedaure dies zutiefst und spreche den Opfern und ihren Angehörigen mein aufrichtiges Beileid aus."

Der Yasukuni-Schrein ist ein Denkmal für die etwa 2,5 Millionen getöteten Japaner. Allerdings werden dort auch 14 verurteilte Kriegsverbrecher geehrt. Offiziellen Angaben zufolge begannen die Besuche von Regierungsmitgliedern an dem Schrein spätestens im Jahr 1985. Demnach war es am Sonntag das erste Mal seit 25 Jahren, dass kein Kabinettsmitglied dort der Opfer gedachte.

jul/dpa/AP/AFP



insgesamt 2 Beiträge
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knacksen 15.08.2010
1. Hirnlos
Eure Berichte werden täglich billiger. Schon bald ist das BILD Niveau erreicht. Herzlichen Glückwunsch
albert schulz 15.08.2010
2. so stimmt das nicht
Zitat von knacksenEure Berichte werden täglich billiger. Schon bald ist das BILD Niveau erreicht. Herzlichen Glückwunsch
Der Spiegel schätzt seit Urzeiten die Meldung, die eigentlich keine ist. Er macht also aus einem Nichts an Meldung bis zu dreiundsechzig Spalten. Wenn wirklich gar nichts zu berichten ist, macht er eine Titelgeschichte daraus. Die ist nur für treue Leser langweilig, weil sie alles irgendwo schon mal gelesen haben. Bei dem Verfahren handelt es sich um reine und unverfälschte Kunst, eine autarke und autonome Schöpfung von Worten und Fakten, alles selbstgemacht, häufig auch frei erfunden, wie etwa bei den verbürgten Zeugenaussagen "zahlreicher renommierter Künstler, Wissenschaftler, Politiker", die kein Mensch kennt. Außer SPAM lese ich nur solche Nachrichten wirklich gerne, weil sie nicht schaden und zuweilen die Phantasie anregen. Pure Sachlichkeit kann man anderswo in Kurzfassung lesen, dazu braucht man nicht den Spiegel, dessen eigentliche Aufgabe es ist, Traumwelten zu konstruieren, um aus diesen Gefilden Tatsachenberichte ohne Ende zu verkünden. Die Menschen brauchen das. Manchmal finde ich die Geschichten allerdings als ungekonnt, insbesondere wenn ein Anfänger versucht, tatsächliche Fakten in so einen Bericht einzuschmuggeln. Es vermittelt den Eindruck idealistischer Unreife. Ich habe zum Beispiel in einem pornographischen Thema, als mir die Zitate von Goethe und Woody Allen ausgingen, einen steinzeitlichen Sexualneurotiker zitieren müssen, von dem praktisch nichts überliefert war, nicht einmal der Name, sondern alles von Großmutter zu Enkelin weitergegeben wurde. Es war ein grandioser Erfolg, die Leute waren stinksauer. Märchen eignen sich eben besonders zum Mitteilen unangenehmer Wahrheiten, während sich faktische sachliche Darstellungen allgemeiner Unbeliebtheit erfreuen. Die Entschuldigung Japans ist übrigens ein ausgesprochenes Novum. Und der Kuß ein künstlerischer Kontrapunkt, der der Sache erst Bedeutung verschafft. Und wieder sind wir beim offenkundigen Dilettantismus des Redakteurs. Es wäre doch eine Kleinigkeit gewesen, den Beitrag "Diagnose-Technik - Hirnscan verrät Autismus binnen 15 Minuten" in sinniger Form einzuflechten.
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