Werner Mang vs. Bascha Mika In Würde oder Schönheit altern?

Der bayerische Landesfrauenrat lud zum Streitgespräch über die Frage: Wie lässt es sich in Würde altern? Es diskutierten Schönheitschirurg Werner Mang und Chefredakteurin Bascha Mika. Er provozierte, sie philosophierte.

Bascha Mika, Werner Mang: Falten oder keine Falten?
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Bascha Mika, Werner Mang: Falten oder keine Falten?

Von , München


Man hat ja viel versäumt in den umtriebigen Jahren zwischen Job und Kind und Haushalt und Sport und Vergnügen. Zum Beispiel hätte man, spätestens ab 30, nur auf dem Rücken schlafen dürfen. Weil Hals und Dekolleté sonst Falten schlagen, die später, ab 60, zu schrumpeligen Gräben werden. Was womöglich heißt: kein Dirndl-Ausschnitt, kein heißer Flirt, kein Sex mehr und Liebe nur noch vom Enkelkind. Abstellgleis, aus die Maus.

Werner Mang, oder genauer Professor Dr. Dr. med. habil. Werner L. Mang, Schönheitspapst vom Bodensee, graust es. "Da werden die Zähne schlecht, und nach dem Sport tut mir jeder Knochen weh. Ich möchte gerne wieder jünger sein."

Deutschlands glamourösester plastischer Chirurg, jetzt 65, mit leichten Tränensäcken und manchem Kilo zu viel um die Mitte, sitzt am Montagabend auf dem Podium in einem kahlen Vortragssaal des bayerischen Sozialministeriums. Seine Ehefrau Sybille hat ihm eben noch die Jacke zurechtgezogen und die Brille geputzt, Vorbereitungen auf das Bollwerk, dem Mang an diesem Abend gegenübertritt: eine Ansammlung von Best Agern, die alle einer Meinung sind - dass die chirurgische Verjüngung den Menschen weder zufriedener noch glücklicher machen kann. Auf dem Podium vertreten durch Bascha Mika, Chefredakteurin der "Frankfurter Rundschau" und Autorin des Buches "Mutprobe", in dem sie über Frauen und das höllische Spiel vom Älterwerden schrieb.

"In den Ferien sind wir ausgebucht mit Schullehrerinnen"

Eingeladen hatte der Landesfrauenrat, der die Frage in den Raum stellte, wie es sich in Würde altern lasse und ob die moderne Chirurgie Fluch oder Segen sei. Klar, dass Mang in dieser Runde der Böse ist. Das erträgt er, weil er offenbar sicher ist, dass die "Silvergirls" im Publikum nicht so viel Ahnung haben von seiner Klientel. Deshalb lernen sie jetzt, dass sich unter den mehreren Hunderttausend Patienten, die pro Jahr in Deutschland mit dem Skalpell Gesicht und Brüste nachbessern lassen, vor allem ihresgleichen findet. "In den Ferien sind wir ausgebucht mit Schullehrerinnen, vor allem von solchen mit Doppelnamen", sagt Mang über die Schönheitsklinik in Lindau, deren ärztlicher Direktor er ist.

Im Saal hält man die Bemerkung über Lehrerinnen für "unverschämt", die Gruppe der dezent geschminkten Empörten lehnt sich auf gegen die Gewissheit, dass plastische Eingriffe im Trend liegen. "Vor 20 Jahren hat mir auf dem Filmball keine Frau die Hand gegeben, weil sie dachte: 'Schon geoutet'. Heute ist das völlig normal", sagt Mang dagegen. Man komme bei ihm mit 10.000 Euro für ein Facelifting schon hin, drei Stunden OP, drei Tage Wundbehandlung, danach Erholung, dafür reichen zwei Wochen. Vielleicht um die erregten Damen noch ein bisschen zu ärgern, spricht Mang im Verlauf des Abends nur noch von "Alterschirurgie".

Und gibt praktische Tipps. Der schlanken Moderatorin Sybille Giel vom Bayerischen Rundfunk, Anfang 50, empfiehlt der Arzt lediglich "Vampirlifting". Blut abnehmen, aufbereiten, spritzen. Wie Botox, nur natürlicher.

"So viele machen es, und keiner sagt's"

Alles in allem will er seinen Patienten, inzwischen übrigens nach seinen Angaben 20 Prozent Männer, angeblich wirklich helfen. Manchmal mit Hemmungen. Wer in zehn Jahren mehr als vier Eingriffe vornehmen lasse, sei in seinen Augen süchtig nach Schönheit und Jugend. "Die müsste ich wegschicken, aber dann gehen sie eben woanders hin."

Ein wenig rennt Bascha Mika in diesem Rahmen vergeblich gegen die voranschreitende Normierung an, gegen Germany's Next Topmodel und die manipulativen Tricks der Schönheits- und Kosmetikindustrie. Denn die meisten im Saal ertragen ihr Älterwerden sowieso mit Demut und Gelassenheit und würden sich "nie unters Messer legen, wenn man nicht krank ist". Und der Arzt Mang, der so frech ist, Mika hinter dem rechten Ohr zu kontrollieren, ob sich nicht doch eine kleine Straffungsnarbe findet, ist nur in einem Punkt einer Meinung mit ihr: dass man jedem die Entscheidung selbst überlassen müsse, ob er's tut oder nicht.

Auch die Frage der Chefredakteurin, warum wir, da es uns materiell so gut geht, nicht wieder nach der schönen Seele suchen, sondern nach dem schönen Schein, bleibt im Einerseits und Andererseits des Abends ungeklärt.

Mang dagegen klagt am Ende schon arg über die Doppelmoral derer, die sich über plastische Korrekturen echauffieren. "So viele machen es, und keiner sagt's." Der Spruch "In Würde Altern" sei ihm zu salopp. "Altern heißt doch sowieso nur, dass man sich auf den Tod vorbereitet."

insgesamt 11 Beiträge
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lemmy 18.11.2014
1. ein weites Feld
Lange und breit kann man über den Sinn oder Unsinn sog. Schönheitsoperationen diskutieren. Ich weiß aber, dass es wirklich ganz viele Betroffene gibt, die unter einem bestimmten "Makel" gelitten haben und hinterher erleichtert und glücklicher waren. Ich spreche mich ausdrücklich gegen den zunehmenden Schönheitswahn aus, der mit den entstellten, matschigen und aufgepumpten Gesichtern eh nichts mehr mit Schönheit zu tun hat. Es hat halt - wie so vieles im Leben- zwei Seiten, diese Medaille. Ich kann aber auch bestätigen, dass Prof. Mang diejenigen, die es übertreiben wollen, wieder nach Hause schickt. Er ist ein sympathischer Mensch, der halt auch gut von seinem Geschäft lebt. Dass seine ethischen Vorstellungen vielleicht anders sind, als sein Publikum in dieser Diskussion, ist klar. Er ist doch Geschäftsmann durch und durch, und anderes wäre wunderlich. Ob Fluch oder Segen, das muss jeder für sich entscheiden.
DerUnvorstellbare 18.11.2014
2.
Zwei Idioten reden wirres Zeug, ein dritter Idiot berichtet auch noch darüber und ein vierter Idiot liest das auch noch.
noalk 18.11.2014
3. Ymmd!!!
Zitat von DerUnvorstellbareZwei Idioten reden wirres Zeug, ein dritter Idiot berichtet auch noch darüber und ein vierter Idiot liest das auch noch.
Ich sei, gewährt mir die Bitte, in Eurem Bunde der Fünfte.
syracusa 18.11.2014
4. vom Wert des Menschen
Wenn man sich die kaputtoperierten Gesichter mancher Ex-Pornoköniginnen oder Ex-Societyladies (oder deren männliches Pendant namens Berlusconi) so ansieht, dann erkennt man zwischen diesen nicht nur äußerliche Gemeinsamkeiten. Der Wert eines Menschen ist für diese Personen mit einem Blick auf's Bankkonto ablesbar, der Mensch ist auf seine Konsumfähigkeit reduziert. Wer sich diesen straff gezogenen Grinsegesichtern und Fahrradschlauchlippenträgerinnen anschließen will, der soll sich gerne an den Herrn Mang wenden. Pfui Deibel ...
WolfHai 18.11.2014
5. Die Menschen plädieren tiefsinnig für Würde - und dann gehen sie zum Schönheitschirurgen
Es ist doch wie immer in solchen Fällen: die Menschen plädieren tiefsinnig für Würde, für das edle Altern, die Reinheit der Natürlichkeit - und dann gehen sie zum Schönheitschirurgen. Und recht haben sie: die Vorteile guten Aussehens sind einfach zu groß. Das ist wie bei Pränataldiagnostik, Leihmutterschaft und vielen anderen Dingen, die Deutschlands protestantisches Gewissen so umtreiben, weil wir ja sonst nichts zu tun haben. Wenn die Menschen nur nicht so viel heucheln würden.
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