Schneemassen auf dem Dach Was Hausbesitzer wissen müssen

Klemmende Türen, Risse in der Verkleidung: Bei Schneemassen auf dem Dach sollten Hausbesitzer auf Warnzeichen achten. Die wichtigsten Fragen im Überblick.

Mann räumt Schnee von einem Dach in Berchtesgaden
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Mann räumt Schnee von einem Dach in Berchtesgaden


In den verschneiten Katastrophenregionen in Bayern sind die Einsatzkräfte vor allem damit beschäftigt, einsturzgefährdete Dächer vom Schnee zu befreien. Allein in der Touristenregion Berchtesgaden sind Behörden zufolge mehrere hundert Gebäude durch Schneemassen auf den Dächern bedroht.

Auf welche Warnzeichen Hausbesitzer achten sollten, was sie tun können und wer im Schadensfall für Kosten haftet - der Überblick:

  • Wie können vom Einsturz bedrohte Dächer erkannt werden?

Liegt viel Schnee auf dem Dach, sollten Hausbesitzer im Obergeschoss auf Warnzeichen achten. Zeigen etwa Verkleidungen Risse oder klemmen Türen oder Fenster, sei Gefahr im Verzug, sagt Norbert Gebbeken, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau.

  • Wie lässt sich feststellen, wie viel Schnee auf dem Dach liegt?

Hausbesitzer können das Gewicht zumindest grob bestimmen. Dafür sollten sie auf einer Fläche von zehn mal zehn Zentimetern Schnee vom Dach ausstechen, sagt Gebbeken. Wer nicht ohne sich in Gefahr zu bringen auf sein Dach gelangen kann, kann auch Schnee vom Boden nehmen. Ungesichert sollte man keinesfalls hochklettern. Den ausgestochenen Schnee wiegt man. Der angegebene Wert mit 100 multipliziert, ergibt das Schneegewicht pro Quadratmeter.

Ob wirklich zu viel Schnee auf dem Dach liegt, ist aber eine Einschätzung, die Fachleute treffen müssen. Der Schnee sollte schließlich auch von Fachleuten vom Dach geräumt werden

  • Ab welcher Menge wird es gefährlich für Dächer?

Wie viel Schneelast Dächer aushalten, hängt unter anderem von der Bauweise ab. Wird sie überschritten, können Risse im Dach entstehen oder es schlimmstenfalls einstürzen, warnen Experten. Dies könne auch nach dem Winter passieren, etwa bei einem Sturm.

Für die maximale Schneelast spielen etwa die Höhenlage und vorgegebene Schneelastzonen eine Rolle. In München zum Beispiel könnten neuere Hausdächer laut Gebbeken rund 110 Kilogramm Schnee pro Quadratmeter tragen - bei älteren Dächern seien es nur 75 Kilogramm. Im Voralpenland kann die Grenze zum Teil deutlich höher liegen. Die Dächer in schneereichen Gegenden müssen mehr Last tragen können.

  • Gilt die Berechnung für alle Dächer?

Bei geneigten Dächern müsste diese ermittelte Last noch auf die schräge Fläche umgerechnet werden, so Gebbeken. Steildächer sind ihm zufolge in der Regel belastbarer als Flachdächer, da Regen- und Tauwasser besser abfließen kann.

Achtgeben sollten Hausbesitzer jedoch auch auf Schneeanhäufungen auf dem Dach. Denn an diesen Stellen drückt dann mehr Gewicht. Bei nassem Schnee könnten bereits zehn Zentimeter Decke bis zu 40 Kilogramm pro Quadratmeter wiegen.

  • Wie lässt sich die Höchstlast für ein Dach rausfinden?

In den Bauunterlagen des Hauses stehe die maximale Schneelast im Abschnitt Lastannahmen, so Gebbeken. Wer keine entsprechenden Daten finden kann, sollte sich an das örtliche Bauamt wenden oder einen Statiker konsultieren.

  • Was sollte getan werden, wenn der Schnee abgetaut ist?

Allgemein gilt: Wenn die Schneedecke abgetaut ist, sollte man das Dach von außen inspizieren. So müssen nach Angaben der Experten zum Beispiel Dachziegel mit Rissen ausgetauscht werden.

  • Trägt die Versicherung die Schäden durch Schneemassen?

Für Schäden durch außergewöhnliche Naturereignisse wie Schneebruch und Lawinen brauchen Hausbesitzer eine spezielle Absicherung durch eine Elementarschadenversicherung. Die normale Gebäudeversicherung reicht nicht, wenn Schneemassen Dächer eindrücken oder die Wände wegreißen. Gleiches gilt für die Hausratversicherung. Auch sie muss für solche Ereignisse um ein Elementarschadenspaket ergänzt werden.

  • Was müssen Hauseigentümer tun, damit die Versicherung einspringt?

Bei Schneedruck auf Dächern müssen Hauseigentümer unter Umständen vorher aktiv werden, damit die Versicherung später bei der Abwicklung keine Probleme machen. Wird das Gewicht offensichtlich bedenklich, müssen sie die Situation von Fachleuten einschätzen lassen und das Dach notfalls von der Last freiräumen.

cop/dpa/AFP



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