Bauern über Feldbrände "Wir kommen nicht mit dem Löschen hinterher"

Trockenheit und Hitze bedrohen die Ernte vieler Bauern - immer wieder geraten Felder in Brand. Wie gehen Betroffene mit den Brandschäden um? Drei Landwirte berichten.

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Heiß, staubig - und kein Regen in Sicht: In großen Teilen Deutschlands herrscht Trockenheit. Manche Bauern sind wegen Ernteausfällen in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht. Anderen entsteht Schaden, weil Felder abbrennen. Oft reicht ein Funke, um teilweise verheerende Wald- oder Feldbrände auszulösen.

Die Brandursachen sind vielfältig: abgestellte Autos mit heißen Auspuffen oder Katalysatoren, heißlaufende Erntemaschinen auf Feldern - vor allem aber Scherben, die wie Brenngläser wirken, und Zigarettenkippen. Auf Friedhöfen besteht zudem die Gefahr, dass Wildtiere nachts Grablichter umstoßen und so Brände auslösen.

Solange es nicht regnet, ist die Feuergefahr in den betroffenen Regionen weiterhin sehr hoch.

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Trockenheit in Deutschland: Verbrannte Felder, zerstörte Wälder

Wie gehen betroffene Landwirte mit den Brandschäden um? Beispiele aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Hessen.

Seit fast 40 Jahren arbeitet Frank Jahnke in der Landwirtschaft. Der 55-Jährige leitet als Geschäftsführer den Großbetrieb Agrar-Produkte Spornitz bei Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Das Unternehmen hat 57 Mitarbeiter und bewirtschaftet 7000 Hektar Land. Vor zwei Tagen brannte ein Feld in Groß Laasch nahe Ludwigslust ab. Die Flammen griffen auf ein benachbartes Waldgebiet über, in dem sich Munition aus dem Zweiten Weltkrieg befand. Noch immer ist die Feuerwehr mit Löschpanzern im Einsatz.

Als der Anruf kam, dass unser Acker brennt, war ich total überrascht. Am Morgen hatte ich die Fläche noch abgefahren, den Acker kontrolliert und den Wasserwagen abgeholt. Es war alles in Ordnung, unsere Strohballen standen auf den Stoppeln, wie wir sie am Vorabend zurückgelassen hatten. Wenige Stunden später klingelte mein Handy.

In der Mitte des Felds war ein Feuer ausgebrochen. Ich kann mir nicht erklären, wie das passieren konnte. Entweder lag eine Glasscherbe auf dem Acker oder jemand hatte Langeweile und gezündelt. 50 Rundballen und 10 Hektar Stoppelacker sind jedenfalls verbrannt. Für uns hält sich der Schaden in Grenzen, aber das Feuer ist durch den Funkenflug auf ein benachbartes Waldgebiet übergetreten, in dem Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg liegen. Das macht es für die Einsatzkräfte natürlich besonders schwierig. Die Löschpanzer sind immer noch vor Ort.

Ende Juni brannte es bei uns schon einmal. Eine Strohpresse hatte sich entzündet. Für den Ernstfall haben wir alle unsere Fahrzeuge mit Feuerlöschern ausgestattet. Auch ein Wasserwagen ist bei der Ernte immer dabei. Als wir die brennende Strohpresse entdeckten, begannen wir sofort selbst mit dem Löschen. Einige meiner Mitarbeiter sind privat in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv, sie wissen, was sie tun. Doch wir konnten das Fahrzeug nicht mehr retten. Die Maschine war erst eineinhalb Jahre alt. Nun müssen wir eine neue Presse kaufen, das kostet uns rund 30.000 Euro. Das ist sehr ärgerlich.

In diesem Sommer sind Hitze und Trockenheit extrem. Das haben wir schon lange nicht mehr erlebt. Ich kann verstehen, dass viele Mitarbeiter mit einem mulmigen Gefühl die Maschinen fahren. Wir warten diese regelmäßig, säubern sie vor jedem Einsatz - doch am Ende stecken wir nicht drin. Uns sitzt die Angst immer im Nacken, denn ein Funke an der Maschine reicht, um die trockenen Pflanzen zu entzünden. Der Wind vergrößert das Problem. Da kommen wir einfach nicht mit dem Löschen hinterher. Ich bin nur froh, dass meinen Mitarbeitern nichts passiert ist. Das ist die Hauptsache.


Jochen Mangelsdorf, 64, arbeitet seit 42 Jahren in der Landwirtschaft. Er gehört der Geschäftsführung eines Agrarunternehmens im brandenburgischen Lindenberg an. Ein Feld des Betriebs im Ort Limsdorf brannte vor wenigen Tagen ab.

Wir hatten Glück im Unglück: Auf dem Feld war Roggen angebaut, aber schon abgeerntet, deshalb hält sich der finanzielle Schaden in Grenzen - das Feuer brach am Tag nach der Ernte aus. Wenn das Korn noch auf dem Feld gewesen wäre, hätten wir rund 25.000 Euro verloren. Die Versicherung hätte wohl nicht gezahlt, aber an dem Betrag wären wir zum Glück auch so nicht kaputtgegangen.

Nur weil es schon so lange so heiß und trocken ist, war die Ernte bereits eingefahren. Normalerweise wäre das Feld erst um den 20. Juli dran gewesen. Aber durch die extreme Witterung reifte das Korn früher. Im April, Mai und Juni gab es kaum Regen, es ist wahnsinnig trocken. Sogar das Unkraut ist verdorrt.

Unser Betrieb umfasst rund 2500 Hektar Land, etwa 50 sind abgebrannt. Es war das größte Feuer, das wir bislang erlebt haben. Dieses Jahr ist es wirklich schlimm. Als wir von dem Feuer erfahren haben, fuhren Mitarbeiter dorthin und unterstützten die Feuerwehr. Hier ist alles so trocken, wenn die Pflanzen erst einmal brennen, breitet sich das Feuer schnell aus. In unserem Fall hat der Wind die Flammen weiter angefacht.

Wir können nicht viel machen, um uns zu schützen. Nichts anzubauen ist keine Lösung. Wir versuchen, die Brandgefahr zu verringern, indem wir die Felder nach der Ernte mit speziellen Maschinen umpflügen. Ansonsten können wir nur an die Leute appellieren, sich ordentlich zu verhalten und keine Kippen oder Glasflaschen an Feldern wegzuwerfen.


Helmut Harth, 59, wohnt im hessischen Hattersheim-Eddersheim. Dort betreibt er mit seiner Familie Landwirtschaft, einen Hofladen, einen Reiterhof und einen Veranstaltungsraum. Durch einen Brand verlor Harths Betrieb einen Teil eines Zuckerrübenfelds.

Flächenmäßig sind wir ein kleiner Betrieb, wir haben etwa 35 Hektar Land. Dort bauen wir Spargel, Kartoffeln, Äpfel, Kürbisse und Zuckerrüben an. Am Montag sind bei uns in Eddersheim etwa zwei Hektar eines Getreidefeldes meines Kollegen abgebrannt, die Flammen griffen auch auf meine Zuckerrüben über. Wir haben dann sofort versucht, mit Traktor und Pflug eine Schneise zu ziehen: Wenn man das brennbare Material unterpflügt, können sich die Flammen nicht mehr weiter ausbreiten.

Zum Glück hat die Feuerwehr exzellente Arbeit geleistet. Von meinem Feld mit Zuckerrüben ist nur eine kleine Fläche verbrannt, vielleicht 0,2 Hektar. Für mich bedeutet das einen Ernteausfall von etwa zehn Tonnen. Das kann ich wirtschaftlich kompensieren, es war ja auch unser erstes Feuer. Ob die Versicherung mir hilft, weiß ich noch nicht.

Die Brandursache ist unklar. Die Polizei war da, konnte aber nichts feststellen. Wo das Feuer ausbrach, sind immer viele Spaziergänger unterwegs. Deshalb könnte man vermuten, dass jemand vielleicht Glas oder eine Zigarettenkippe weggeworfen hat. Aber ich weiß es natürlich nicht.

Wir können die Leute nur bitten, vorsichtig zu sein. Ich habe gerade erst wieder einen Hinweis bekommen, dass auf einem Feld eine Flasche rumliegt. Und dort hat Glas einfach nichts zu suchen. Wir haben bei uns die Konsequenzen gezogen. Bei uns in der Nähe der Pferdeställe ist Rauchen nun untersagt. Würde dort ein Feuer ausbrechen, wäre der Schaden riesig.

Im Norden und Osten Deutschlands ist es ja noch schlimmer, aber auch bei uns in der Gegend ist die große Trockenheit extrem. Das merken wir deutlich, etwa bei den Bewässerungskosten. Zum Glück haben wir genug Wasserreserven. Ich habe einen Brunnen, jede Nacht werden die Spargel- und Kartoffelfelder beregnet, weil sonst alles kaputtgehen würde. Die Pumpe muss dieses Jahr drei- bis viermal so oft laufen wie normal - deshalb brauche ich auch drei- bis viermal so viel Diesel: 6000 bis 8000 Liter statt etwa 2000.

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weltraumschrott 06.07.2018
1. Ja, und?
In Südeuropa sind die Sommer jedes Jahr so heiß und trocken. Und hier wird gejammert, weil der Sommer nicht so verregnet ist wie im letzten Jahr.
p2063 06.07.2018
2.
Eine Saison, in der die deutschen Bauern mal nicht jammern, das wäre toll. Erst behauptet er noch wie ärgerlich es ist, dass ihm ein offensichtlich nicht versicherter 30.000€ Pressapparat abfackelt, ein paar Sätze später behauptet er die 25.000€ möglicher Ernteausfall wären nicht existenzbedrohend... So schlecht scheint es den Bauern ja nicht zu gehn.
Severussupernase 06.07.2018
3. Selbst schuld
Das kommt davon wenn man jahrzehntelang die falsche Partei (CSU/CDU) wählt und die Natur kaputt macht mit Nitrat, Glyposat etc. Hättet ihr mal was anders gewählt, dann wäre das jetzt nicht so schlimm mit der Natur (Dürre, Überschwemmungen, sucht euch was aus) In Bayern sind wird schon weiter: hier sagen auch die Bauern mittlerweile alle: CSU abwählen Freiheit statt CSU
allessuper 06.07.2018
4. Kein Wunder, denn je größer die Monokultur,
je weniger Leben in der Erde, je weniger Hecken und Bäume, desto größer der Schaden. Unabhängig vom nicht existierenden Klimawandel natürlich. Da hätte gesunder Menschenverstand geholfen. Aber selbst bei den Bauern war die Gier zu groß bzw. die Agrarindustrie hat sie so lange erpresst und bedrängt, dass sie immer mehr und immer größer bewirtschaften sollten um zu überleben. Ich bin für die Anwendung des Verursacherprinzips. Da wären Bayer, Monsanto & Co. Namen und Adressen sind ja sicher bekannt. Und die jeweiligen CSU-Minister, die dem sanften Druck der Lobbyisten natürlich sehr gern nachgeben. So sind sie, die Schmidts und früheren Konsorten. Die Insekten danken. Wir auch dann.
Friise 06.07.2018
5. Glasscherben als Brandursache
Dass Glasscherben oft Feuer verursachen halte ich für einen Mythos. In der Regel dürften Scherben nicht die Form haben, die dazu führt, dass das Sonnenlicht in einem Punkt gesammelt wird. Selbst mit einer Lupe, die genau die richtige Form hat, braucht man sehr viel Geduld, um ein Feuer zu erzeugen. Viele Brände werden eher durch achtlos weggeworfene Zigarrettenkippen verursacht.
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