Hochzeitshype in Windsor Royal Wahnsinn

London? Pah! Am Samstag schaut die Welt auf Windsor, dort heiraten Prinz Harry und Meghan Markle. Zigtausende Royal-Fans prägen die Stimmung in dem Städtchen. Ein Ausflug ins Gedränge.

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Aus Windsor berichtet


Die Sonne scheint, es ist angenehm warm, man kann im Hemd durch Windsor gehen, ohne zu frieren. John Loughrey hat trotzdem eine dicke Wollmütze auf dem Kopf, darauf zu sehen der Union Jack, die Flagge des Vereinigten Königreichs. Um seine Schultern hat er eine Union-Jack-Fahne gebunden, ebenso um seine Hüfte. Vor seinen Füßen stehen Union-Jack-Plastiktüten, in der Hand hält er einen Mini-Union-Jack.

Es geht bei der Royal Wedding an diesem Samstag natürlich vor allem um das Hochzeitspaar, um Prinz Harry und Meghan Markle. Doch es geht auch um die Menschen, die immer da sind, wenn es im britischen Königshaus etwas zu feiern gibt, um Menschen wie Loughrey, Spitzname: Diana-Superfan, nach Harrys Mutter Prinzessin Diana.

Er sitzt am Fuß des Castle Hill, direkt beim Schloss von Windsor, und genießt die Aufmerksamkeit. Er genießt es, dass ständig Leute Fotos von ihm machen und ihn ständig Journalisten ansprechen. "Wir haben hier den besten Platz in ganz Windsor. Viele Menschen gratulieren uns dazu, wie wir unser Land und unsere Monarchie unterstützen", sagt er.

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Besucher in Windsor: "Es ist ein Fest der Liebe"

Wir, damit meint er sich und eine Gruppe von zehn bis 15 anderen Hardcore-Fans der Royals, mit denen er zusammen sitzt. Sie haben sich auf verschiedenen Wegen kennengelernt. Bei der Trauerfeier für Diana oder im Internet, bei der Hochzeit von Prinz William vor sieben Jahren oder bei der Geburt seiner drei Kinder George, Charlotte und Louis. Sie sind selbst eine Art Familie. Und es ist schwer, sie nicht irgendwie für Freaks zu halten.

Andererseits: Wer noch nie mit, sagen wir, Fußball zu tun hatte, hält vermutlich auch Fußballfans für Freaks. So lebt eben jeder seine Leidenschaft.

Die Gefahr ist groß, von einem Selfiestick verletzt zu werden

Wegen der Hochzeit erlebt Windsor, eine hübsche Stadt westlich von London mit rund 30.000 Einwohnern, einen Besucheransturm. Mehr als 100.000 Gäste sollen es bis Samstag werden. Um das Schloss herum herrscht ein schwer zu durchdringendes Gewusel. Viele hektische Asiaten sind zu sehen und viele gelassene Briten, dazwischen französische Schulklassen, die nicht so recht verstehen, wo sie hineingeraten sind.

Die Gefahr ist hoch, von einem Rucksack gerammt oder mit einem Selfiestick verletzt zu werden. Die Stimmung bewegt sich irgendwo zwischen Karneval, Wallfahrt und Touristenevent, begleitet von einem massiven Medienaufkommen.

Wer nicht selbst durch einen Notizblock, eine Fernsehkamera oder ein Mikrofon als Journalist zu erkennen ist, muss ständig damit rechnen, von anderen Journalisten angesprochen und zum Beispiel zu Meghan Markles Familiengeschichte oder Prinz Harrys Bart befragt zu werden.

Über der Einkaufsstraße von Windsor, der Peascod Street, die hoch zum Schloss führt, sind Ketten mit Union-Jack-Wimpeln gespannt. Und man könnte fast glauben, dass jedem Geschäft die Zulassung entzogen werden würde, wenn es sein Schaufenster nicht passend zur Königshochzeit schmückt. In fast allen Fenstern hängen Flaggen. Eine Buchhandlung hat Diana-, Meghan- und Harry-Biografien prominent in der Auslage platziert, eine deutsche Bäckerei verkauft Royal-Wedding-Brezeln. Royal-Wedding-Tassen, Royal-Wedding-Geschirrtücher und Royal-Wedding-Masken gibt es sowieso überall.

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Prinz Harry und Meghan Markle: Verliebt, verlobt, bald verheiratet

Die akustische Untermalung des Trubels bildet ein beachtlicher Fluglärm. Windsor liegt in der Einflugschneise zum Großflughafen London-Heathrow, in handgestoppten zehn Minuten donnern sieben Flieger über die Stadt hinweg, und das so tief, dass vom Boden aus zu erkennen ist, zu welchen Fluggesellschaften die Maschinen gehören. Man kann das alles - Windsor vor der Royal Wedding - auch sehr anstrengend finden. So wie die 66 Jahre alte Karin aus Kaarst bei Düsselorf.

Karin (r.) mit Tochter Kerstin
Hendrik Buchheister

Karin (r.) mit Tochter Kerstin

Sie ist zu Besuch bei ihrer Tochter Kerstin, die in Windsor lebt, und aus Versehen in den königlichen Massenauflauf geraten. Als sie die Reise plante, wusste sie nicht, dass zur gleichen Zeit die Hochzeit stattfinden würde. Hätte sie es gewusst, wäre sie an einem anderen Termin gekommen. "Der ganze Hype hier geht uns auf den Keks", sagt sie. Rechtzeitig zum Festakt am Samstag wird sie wieder abgereist sein.

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Stadt im Hochzeitsrausch: Willkommen in Windsor

Aber ist es nicht auch so, dass die Royal Wedding Menschen aus aller Welt zusammenbringt? Und das aus dem besten Grund überhaupt? Wegen der Liebe?

So sieht das die Amerikanerin Donna, ebenfalls 66 Jahre alt. Sie sitzt in einem Campingstuhl am oberen Ende von Castle Hill, die Absperrgitter vor sich hat sie mit USA-Wimpeln verziert, auf ihrer linken Wange ein glitzernder USA-Aufkleber, auf dem Kopf USA-Herzen.

Royal-Fan Donna
Hendrik Buchheister

Royal-Fan Donna

Sie hat früher jeden Sommer in England gearbeitet und folgt den Royals, so gut es geht. Sie war bei der Hochzeit von Prinz William und ist jetzt auch bei Harrys Hochzeit. "Es ist ein Fest der Liebe. Es ist so ein glücklicher Anlass. Das ist es wirklich. Man ist einfach hier, weil sich zwei Leute verliebt haben." Sie sagt: "Das ist wunderbar."

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