Fußball-TV in Brasilien Das Runde ist im Eckigen

Futebol! Es gibt wohl kein anderes Thema in Brasilien, über das so leidenschaftlich gefachsimpelt und gestritten wird. Fußball ist immer und überall - und wird auch überall geschaut, wie diese Fotoserie zeigt.

Von


REUTERS

Wer selbst arbeitet und zudem noch Kunden zufriedenstellen will, der MUSS für die WM einen Fernseher aufstellen. Dieser Frisör in São Paulo hatte 2010 seinen Laden auch während der WM geöffnet. Nicht überliefert wurde: Wie oft er mit Schere und Rasierer ins Abseits geriet.

REUTERS

Fußball ist in Brasilien immer und überall. Wird ein wichtiges Fußballspiel im brasilianischen Fernsehen übertragen, findet sich garantiert eine Gelegenheit zum Gucken - wie etwa hier zwischen Bananenkisten auf einem Markt in São Paulo (im Dezember 2012).

REUTERS

Blick in ein typisches Häuschen in der Favela Turano, einer Armensiedlung im Norden Rio de Janeiros: Wichtiger Einrichtungsgegenstand ist der Fernseher, der über der Eingangstür hängt. Ganz in der Nähe der Favela befindet sich das legendäre Maracanã-Stadion, in dem am 13. Juli 2014 das WM-Finale stattfindet.

REUTERS

Im Nordwesten Brasiliens am Fluss Içá liegt die kleine indianische Siedlung São Felix und natürlich wird auch hier Fußball geguckt. Alle Luxusgüter wie Fernseher müssen per Schiff von Manaus die Flüsse hochgebracht werden. Oft werden die TV-Geräte mit dröhnenden Dieselgeneratoren betrieben. Einziger Sender, der überall in Brasilien zu empfangen ist, ist TV Globo. In den Werbepausen wird die Glotze dann schwarz - in den entlegenen Regionen wird keine Werbung ausgestrahlt.

REUTERS

Fußball ist ein anderes Wort für Leidenschaft. Das gilt besonders in Brasilien. In einem Krankenhaus von São Paulo verfolgen Patient und Besucherin ein Match. Besser ist es natürlich, wenn man während der WM keine ärztliche Hilfe benötigt. Auch in Praxen, Laboren und Hospitälern verschieben sich während großer Fußballspiele die Prioritäten.

AP

An vielen Straßenecken in Rio finden sich offene Bars, in denen Säfte aus frischen Früchten gepresst werden und die leckere Snacks anbieten. Scheiben oder Türen haben diese Läden in der Regel nicht, abends werden einfach Rolltore heruntergelassen. Das ist praktisch für fußballinteressierte Passanten: freie Sicht auf die an Decke und Wand hängenden Fernseher.

REUTERS

Public Viewing mal ganz anders: Mitten in São Paulo haben Anwohner ihren Fernseher in den Hof getragen und verfolgen gemeinsam ein WM-Spiel (Juni 2010).

REUTERS

Jubelstimmung in der Favela Rocinha: Die größte Armensiedlung Rios gilt seit 2012 als befriedet. Auf der überdachten Terrasse haben sich Anwohner versammelt, um ein Spiel der WM 2006 anzuschauen. Wichtig bei einer WM-Party ist die Verpflegung: Im Hintergrund ist ein vollbelegter Grill zu erkennen. Und in der Plastikbox auf dem Tisch steht Farofa - Maniokmehl, das mit Zwiebeln, Bananen und Gewürzen angebraten wird. Ist lecker und macht satt.

AP

Fußball-WM hat in Brasilien immer etwas von Ausnahmezustand. Wenn die Seleção, die brasilianische Nationalmannschaft, den Rasen betritt, heißt das für die Arbeiter auf dem Großmarkt von São Paulo: Pause.

AFP

Auch an vielen Zeitungskiosken stehen in Rio de Janeiro zur WM-Zeit Fernseher. Das ist gut für alle, die kein Ticket bekommen haben, denen die Public-Viewing-Partys am Strand zu voll sind oder die sich trotz Weltmeisterschaft durch die Stadt bewegen müssen.

Getty Images

Entspanntes Glotzen am Strand von Fortaleza während des Confed Cups im vergangenen Jahr. In der Hafenstadt im brasilianischen Nordosten spielen die Deutschen ihr zweites Gruppenspiel: am 21. Juni gegen Ghana.

REUTERS

Einblick in eine Bar in der Favela Santa Marta in Rio de Janeiro. Das Armenviertel im Oberschichtsstadtteil Botofogo war 2008 die erste Favela, in der eine "UPP" einzog, eine Einheit der Befriedungspolizei. Die Zahl der Schießereien und Gewaltverbrechen ist seither deutlich zurückgegangen. Gut für die Anwohner in der Dona Marta - und ihre Nachbarn in den schicken Hochhäusern.



© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.