WM-Caterer Klaus Peter Kofler "Die Leute sollen denken: Das will ich jetzt"

9000 Mitarbeiter sind akkreditiert, 55 Container mit Geschirr werden nach Brasilien verschifft: Der deutsche Klaus Peter Kofler bekocht bei der Fußball-WM die Ehrengäste. Er erzählt, was in den VIP-Logen auf den Tisch kommt - und liefert noch vier Rezepte.

Kofler & Kompanie

Ein Interview von Gesa Fritz


Klaus Peter Kofler gilt als der deutsche König des Caterings. Er tischte bei Angela Merkels Geburtstag oder dem Staatsbesuch der Queen auf. Jetzt steht er vor seinem bislang größten Auftrag: Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien verköstigt sein Unternehmen die Zuschauer in den hochpreisigen Hospitality-Bereichen mehrerer Stadien.

Im Interview erzählt Kofler, was in brasilianischen VIP-Logen auf den Tisch kommt und warum er das komplette Geschirr nach Südamerika verschifft.

SPIEGEL ONLINE: Herr Kofler, in der modernen Küche gibt es den Trend zurück zu Traditionen. Was heißt das für die Gäste in den VIP-Lounges der Fußball-WM? Heiße Bratwurst und ein kühles Bier?

Klaus Peter Kofler: Haha, nein. Auch keine Brezeln. Die Gäste sind zu 70 Prozent Brasilianer oder Südamerikaner. Wir müssen uns anpassen.

SPIEGEL ONLINE: Was werden Sie auftischen?

Kofler: Viel Fleisch und viel Fisch. Ein Beispiel wäre Feijoada, Fleisch mit Bohnen in einer schwarzen Soße, ein sehr traditionelles Gericht. Oder Ceviche, das Sushi des 21. Jahrhunderts aus Südamerika. Palmherzen sind auch sehr beliebt - in allen Variationen. Außerdem sind Cocktails wie Caipirinha für die Brasilianer unheimlich wichtig. Wir haben über 1000 Barleute genau auf solche Produkte geschult.

SPIEGEL ONLINE: Die WM in Brasilien ist Ihr bisher größter Auftrag. Wie viele Personen sind im Einsatz?

Kofler: Wir haben um die 9000 Leute akkreditiert: ungefähr 100 aus Europa und der Rest aus Brasilien.

SPIEGEL ONLINE: Für die WM in Südafrika haben Sie vor vier Jahren 42 Container mit Equipment verschifft, darunter 98.000 Gabeln. Bringen Sie jetzt wieder alles selbst mit?

Kofler: Ja, diesmal sind es 55 Container mit allem Geschirr, Porzellan und vor allem dem Küchen-Equipment. Das gibt es dort nicht.

SPIEGEL ONLINE: In Brasilien gibt es keine ordentlichen Gabeln und Teller?

Kofler: Nicht in der Menge.

Zur Person
  • Gesa Fritz
    Klaus Peter Kofler, 49, gelernter Konditor, war professioneller Springreiter und ist heute Herr über das Nobel-Catering-Unternehmen Kofler & Kompanie. Leckeres für die Mächtigen hat in seiner Familie Tradition: Die Stadtbäckerei Kofler in Bad Homburg war einst Hoflieferant des Kaisers Wilhelm II.
SPIEGEL ONLINE: Wissen Fußball-Fans das Essen zu würdigen? Wen interessieren schon Schnittchen, wenn Brasilien spielt?

Kofler: Die Stadien öffnen drei Stunden vor Spielbeginn, so dass die Gäste häufig fünf bis sieben Stunden dort sind. Niemand bleibt nirgendwo länger als vier Stunden, wenn es nichts zu essen gibt. Außerdem soll unser Essen gut aussehen. Die Besucher sollen es sehen und denken: "Wow, das will ich jetzt!"

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Menschen werden Sie bei der WM bewirten?

Kofler: Es wird wohl deutlich mehr als bei der WM in Südafrika. Da waren es 190.000. Wir sind jetzt für die vier Hauptstadien Rio de Janeiro, Belo Horizonte, São Paulo und Brasilia zuständig, also insgesamt für 26 Spiele. In unserer Kalkulation gehen wir davon aus, dass jeder Gast zwischen 1000 und 1200 Gramm isst - deutlich mehr als in Deutschland. Und es wird viel getrunken. Eine halbe Flasche Champagner pro Person kann man rechnen, jedenfalls da, wo es Champagner gibt.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie Einblick in die Gästeliste?

Kofler: Wir sind auch für die Ehrengastbereiche zuständig. Es wird viel an Prominenz und Politik der jeweils spielenden Nationen zu Gast sein. Vielleicht auch die Bundeskanzlerin, aber auch Fußballer von Beckenbauer über Pele bis Beckham.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es in diesen exklusiven Zirkeln auch die Schlacht am Buffet?

Kofler: In den Außen-Hospitality-Bereichen gibt es schon mal Männergruppen, die etwas lauter sind. Aber je teurer die Karten, desto vornehmer die Gäste.

SPIEGEL ONLINE: Was wäre bei der WM die größte Katastrophe für Ihr Catering?

Kofler: Das Schlimmste wäre, wenn ein Spiel abgesagt wird. Dann müssen wir wohl alles, was wir gekocht haben, wegwerfen.


Sie wollen Ihr Wohnzimmer für WM-Spiele zur VIP-Loge machen? Klaus Peter Kofler gibt vier Rezept-Tipps zum Nachkochen:

Gegrillter Seebarsch mit Tucupi und Erdbanane Ceviche vom Lachs mit Avocado und Mango

Salatherzen mit Limonen und Geflügelspießen

Sommersalat mit Palmenherzen und gegrillter Ananas



insgesamt 61 Beiträge
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Seite 1
Rapporteur 08.06.2014
1. Wegwerfen - ah ja.
Macht Sinn in diesem Land. Schon mal was von "Tafeln" gehört?
auf_dem_Holzweg? 08.06.2014
2. was ein Käse...
Zitat von sysopKay Schöneberg/ KOFLER & KOMPANIE9000 Mitarbeiter sind akkreditiert, 55 Container mit Geschirr werden nach Brasilien verschifft: Der deutsche Klaus Peter Kofler bekocht bei der Fußball-WM die Ehrengäste. Er erzählt, was in den VIP-Logen auf den Tisch kommt - und liefert noch vier Rezepte http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/wm-2014-klaus-peter-kofler-macht-das-catering-in-brasilien-a-971708.html
wer sich schon herabläßt trotz der sozialen Umstände in das korrupte Brasilien zu reisen sollte sich wenigstens in Sachen Essen anpassen. Wer in dieses Zeiten nach Brasilien reist sollte sich was schämen.
hschmitter 08.06.2014
3. Bei den vielen unwichtigen Texten
die schon jetzt Fußball als Aufmacher haben und inhaltlich mit einer 404-Seite konkurrieren - mich würde neben Mode, Kochen, Wirtschaft sehr interessieren, wer der Lieferant der königlichen Toiletten, in die unsere Nationalhelden ihre täglichen Winde gleiten lassen, ist? Kann das mal ein Online-Praktikant recherchieren?
licorne 08.06.2014
4. Danke für die Rezepte
Ein Kilo pro Nase braucht es ja nicht sein, aber die Rezepte sind leicht (zu kochen und zu verdauen) und frisch für den Sommer.
kanzlerkandidat 08.06.2014
5. Und wer zahlt dafür?
Wird das alles aus unsere Steuergelder finanziert? Was ist wenn Großteil der Bevölkerung kein WM will?
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