Migranten im DFB-Trikot Deutschlands 12. Mann

Fadil sagt: "Jeder feiert mit jedem." Hamza sagt: "Hier ist alles, was ich habe." Jesica sagt: "Es könnte lockerer sein." Fotograf Hans-Christian Plambeck porträtiert für SPIEGEL ONLINE Migranten, die auf der Berliner Fanmeile die deutsche Elf anfeuern.

Fußballfan Hamza in Berlin: Jubel für Deutschland
HC Plambeck

Fußballfan Hamza in Berlin: Jubel für Deutschland


"Bei der WM 2006 hatten wir viele Besucher im Land, die Stimmung war super und das Image von Deutschland hat sich international deutlich gebessert. Erinnern Sie sich noch daran, wie sehr diese Nicht-Spießigkeit von uns Deutschen gefeiert wurde?

Dieses Gefühl hat mich für mein aktuelles Fotoprojekt inspiriert. Ich wollte herausfinden, warum Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland für das Team von Joachim Löw jubeln. Und somit auch das Klischee widerlegen vom Ausländer, der sich nicht integrieren will.

Zur Person
  • Hans-Christian Plambeck
    Hans-Christian Plambeck, Jahrgang 1967, hat in Kiel Kommunikationsdesign studiert und zog 1997 nach Berlin. Plambeck arbeitet als Fotograf und hat sich vor allem auf Porträts von Politikern und das tagesaktuelle Geschehen in Berlin spezialisiert. Seine Arbeiten erscheinen regelmäßig im SPIEGEL und auf SPIEGEL ONLINE.
Am internationalsten ist das Public-Viewing-Event auf der Fanmeile am Brandenburger Tor. Deshalb habe ich mich dort bei den Deutschlandspielen auf die Suche gemacht: Nach Fußballanhängern, die ihre Wurzeln offensichtlich in einem anderen Land haben - die aber trotzdem durch ihr Trikot oder andere Fanaccessoires ihre Unterstützung für die deutsche Elf ausdrücken.

Natürlich war das ein schwieriges Thema: Es ist ein blöder Einstieg in ein Gespräch, wenn ich gleich frage, ob jemand Migrant ist. Viele sind dann einfach weitergelaufen. Aber mit einigen konnte ich länger sprechen, sie fotografieren und ein kurzes Video aufnehmen. Was ich dabei wirklich schön fand? Ich habe das Gefühl, das ist nicht nur ein Gelaber; sondern die Menschen sind wirklich gerne in Deutschland. Nicht nur wegen des Fußballs."

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Yi-Wen Chin, 21, kommt aus Taiwan und lernt momentan in Münster Deutsch - sie möchte gerne hier studieren. "Die Leute sind sehr nett, das mag ich", sagt sie. Das Foto entstand vor dem Spiel Deutschland gegen Ghana am Brandenburger Tor. "Ich finde die Atmosphäre ist gut", sagt Yi-Wen. Hier geht's zum Videointerview  ]

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"Deutschland ist mein Traumland", sagt Malik Smith. Er ist 20 Jahre alt und wurde in Berlin geboren. Seine Mutter ist Deutsche, sein Vater stammt aus Texas. "Ich liebe die Art und Weise, wie die Leute hier mit mir umgehen", sagt Malik über Deutschland. Er ist Hertha-Fan, beim Spiel der deutschen Nationalelf gegen Ghana war er auf der Berliner Fanmeile am Brandenburger Tor unterwegs. Hier geht's zum Videointerview  ]

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Onur Renc, 22, ist in Deutschland geboren, seine Eltern kommen aus der Türkei. "Aber ich drücke Deutschland ganz fest die Daumen", sagt Onur. Als das deutsche Team 4:0 gegen Portugal gewann, war er zum Feiern auf der Berliner Fanmeile am Brandenburger Tor. Hier geht's zum Videointerview  ]

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Mustafa Taufik, 17, hat türkische Eltern, er selbst ist in Deutschland geboren. "Mir gefällt Deutschland sehr, weil es hier verschiedene Nationalitäten gibt - und alle versammeln sich an deutschen Fanmeilen, das macht viel Spaß", sagt er. Beim ersten Deutschland-Spiel dieser WM war er am Brandenburger Tor unterwegs. Hier geht's zum Videointerview  ]

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"Ich kenne den Kongo gar nicht. Deswegen feuere ich Deutschland an, weil ich schon mein ganzes Leben hier bin", sagt Jesica Feruzi, 19. Sie hat eine Ausbildung als Einzelhandelskauffrau gemacht und sucht momentan einen Job in Berlin. Auf der Fanmeile am Brandenburger Tor sah sie sich das Spiel von Löws Mannschaft gegen Ghana an. Deutschland mag Jesica zwar. "Es könnte ein bisschen lockerer sein", sagt sie. Hier geht's zum Videointerview  ]

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Fadil Vucic, 19, kommt aus Serbien. Er lebt in Berlin und sucht einen Ausbildungsplatz als KFZ-Mechatroniker. Das 2:2 zwischen Deutschland und Ghana verfolgte er auf der Fanmeile am Brandenburger Tor. "Jeder feiert mit jedem mit", sagte er – und das finde er besonders toll an Deutschland. Was nicht so toll sei? "Dass sich viele Migranten nicht integrieren." Hier geht's zum Videointerview  ]

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Mishu, 23, kommt aus Bangladesch und studiert momentan in Duisburg-Essen. "Ich liebe deutschen Fußball", sagte er. Deshalb ist er pünktlich zum ersten WM-Spiel von Löws Team zum Public Viewing nach Berlin gereist. Die Fanmeile am Brandenburger Tor ist die größte im Land. Hier geht's zum Videointerview  ]

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Hamza Tahmaz ist in Berlin geboren, seine Eltern kommen aus dem Libanon. "Wir unterstützen alle die Nationalmannschaft von Deutschland", sagt er vor dem Spiel gegen die USA. Es gebe immer noch viele Menschen, die Vorurteile gegenüber Ausländern hätten. Hier geht's zum Videointerview  ]

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Eveline (l.), 19, kommt aus Tschechien. Sie ist erst sei Januar in Deutschland - und zum WM-Spiel gegen die USA gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester auf der Fanmeile am Brandenburger Tor. Wenn die Elf von Joachim Löw gegen Tschechien spielen würde, würde sie Deutschland unterstützen, sagt Eveline. "Die sind besser." Hier geht's zum Videointerview  ]

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Marcelin Nyakam, 31, stammt aus Kamerun und arbeitet als Fitnesstrainer und Sporttherapeut in Berlin. "Ich bin auch Fußballer", sagt er. Deshalb freue er sich, jetzt das Ambiente in Deutschland zu erleben. Marcelin sah sich das Spiel Deutschland gegen Portugal auf der Berliner Fanmeile an. Hier geht's zum Videointerview  ]

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Jiechen Pan, 23, kommt aus Peking. "Seit langer Zeit bin ich deutscher Fußballfan", sagt er. Im Vergleich zu 2006 und 2010 sei in diesem Jahr die Chance noch größer, Weltmeister zu werden. Jiechen war beim ersten Deutschlandspiel auf der Berliner Fanmeile. Hier geht's zum Videointerview  ]

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Hamza, 23, wurde in Bayern geboren, seine Eltern sind aus Palästina. Beim WM-Spiel zwischen der deutschen und der amerikanischen Elf war Hamza auf der Berliner Fanmeile unterwegs. Er unterstütze Deutschland, weil er hier geboren sei und hier seine Steuern zahle, sagt er. "Weil alles hier ist, was ich habe." Hier geht's zum Videointerview  ]

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Ali Ebrahim, 27, kommt aus Ägypten und lebt seit anderthalb Jahren in Berlin. Dort sah er auch das Deutschlandspiel gegen Portugal. "Ich mag das hier", sagt er – obwohl er auf der Fanmeile von jubelnden Fußballanhängern angegrölt wird. Hier geht's zum Videointerview  ]

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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ofelas 30.06.2014
1. es dauert bei uns eben etwas
...wurde auch Zeit, wir haben schon lange Migranten im Team von Podolski bis Boateng, sowas erlebe ich seit 20 Jahren schon in UK (England) und Frankreich PS ich muss ueber die "Nicht-Mitsingen" Diskussion in Dschland lachen wenn es nicht so traurig waere, ich schaue mir jedesmal die anderen Teams an und sehe etliche die stumm bleiben, nur bei uns........
rantzau 30.06.2014
2. Daemlich
ein Sommerloch gab es zu fuellen. as die Begeisterung fuer Schlaaaand anbelangt. Alles was laut, community und Fahnen bedeutet toernt vor allem junge Leute aus totalitaeren Laendern an. Die Interviewten (mit Ausname der Berliner, ein deutsche Mutter und ein texanischer Vater macht einen nicht zum Migranten, hallo??) kommen alle aus Laendern, die autoritaere Regierungen und Gesellschaftsformen haben oder hatten (Tuerkei, Libanon, Afrika, Ostdeutschland und Tschechein uebrigens auch). Natuerlich sind diese Leute, froh hier zu sein und je mehr Fahnen wehen umso mehr fuehlen sie sich daheim (schon mal gezaehlt wieviel Fahnen in der Turkei herumflattern??). Und je mehr Lachen und Remmidemnmi um so wohler fuehlen sie sich, denn sie haben ein Problem mit der deutschen "Kaelte" und Stille (ich manchmal auch). Dass sie dann, wenn sie Fahnen und Lachen hoeren, denken, jetzt sind sie in Deutschland angekommen und gehoeren dazu, ist doch klar. Ist aber eben sehr oberflaechlich gedacht und stimmt nicht. In jedem Europaeischen Land ist es mit dem sich daheim fuehlen sehr schwer. Man wird z.B. auch nicht als Deutscher gleich in Frankreich integiert.
ndjsjbs 30.06.2014
3. schwachsinnig
ich muss nicht extra für die deutsche elf jubeln, um der außenwelt zu demonstrieren wie gut integriert ich bin. das ist einfach nur sport und vielen anderen migranten geht es genauso wie mir dass einfach die sympathie für die aktuelle deutsche nationalmannschaft fehlt und wir deshalb nichts vorspielen möchten !
pontifex maximus 30.06.2014
4. Es ist doch schön,
dass wir mittlerweile alle zusammen feiern, unsere Mannschaft anfeuern und uns als eine Nation fühlen können. Und ganz egal, wie die Menschen auch aussehen mögen: So lange sie sich als Deutsche fühlen, gehören sie auch zu uns.
vitalik 30.06.2014
5. Unsere Manschaft.
Zitat von pontifex maximusdass wir mittlerweile alle zusammen feiern, unsere Mannschaft anfeuern und uns als eine Nation fühlen können. Und ganz egal, wie die Menschen auch aussehen mögen: So lange sie sich als Deutsche fühlen, gehören sie auch zu uns.
Unsere Manschaft? Ist man weniger integriert, wenn ein griechischer Einwanderer die griechische Manschaft anfeuert? Muss man als Deutscher immer die deutsche Manschaft anfeuern. Es ist und bleibt nur Sport und jedes Jahr zur WM und EM versucht man plötzlich alle Integrationsprobleme wegzureden, nur weil ein Bruchteil der Einwanderer mit einer deutschen Fahne rumrennen. Deutschland Sommermärchen und nach der WM ist vor der WM.
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