Argentinier in Rio Der Feind trägt Himmelblau

Die Fußballrivalität zwischen Argentinien und Brasilien ist legendär. Heute spielt das Team um Lionel Messi im Maracanã-Stadion, Zigtausende Gauchos sind nach Rio gereist, um ihre Mannschaft anzufeuern - und die Brasilianer zu provozieren.

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Aus Rio de Janeiro berichtet


Nur noch wenige Stunden bis zum Anpfiff. Nach 64 Jahren wird an diesem Sonntag im Maracanã in Rio de Janeiro endlich wieder ein WM-Spiel stattfinden (Argentinien - Bosnien-Herzegowina, 0 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ZDF). In diesem Stadion feiert Fußballbrasilien seine größten Feste. Und erlitt seine bitterste Niederlage, im letzten Spiel der WM-Finalrunde 1950 gegen Uruguay.

Dass ausgerechnet Erzfeind Argentinien die Ehre hat, das Stadion wiederzueröffnen, stößt in der Stadt am Zuckerhut auf geteilte Meinung. Brasilien und Argentinien verbindet seit Jahrzehnten eine Fußball-Hassliebe. Pelé oder Maradona - wer war der beste Kicker der Geschichte? In beiden Ländern gibt es jeweils nur eine Antwort auf diese Urfrage.

Bei der WM 2014 spielen nun mit Lionel Messi oder Neymar zwei Superstars, die das Potenzial haben, sich bei dieser Weltmeisterschaft in den Rang der Fußballgötter zu katapultieren. Die Frage nach dem besten Kicker wird neu gestellt: Der Argentinier, der bereits viermal zum Weltfußballer gewählt wurde, spielt zum dritten Mal bei einer WM, hat aber bislang nur ein Tor geschossen. Der Brasilianer feierte beim Eröffnungsspiel in São Paulo seine WM-Premiere - mit zwei Toren beim Sieg gegen Kroatien.

Argentinische Fans blockieren Straße am Strand von Copacabana

Zu Zigtausenden sind argentinische Fans nach Rio de Janeiro geströmt, per Flugzeug, manche auch auf Landweg. In ihren hellblau-weißen Trikots stolzieren sie an der Promenade von Copacabana und Ipanema, auf dem Rücken tragen fast alle die Nummer 10, Messi.

Am Samstag versammeln sich 2000 Fans am Strand, sie tragen Bilder und Plakate von ihrem Helden bei sich, eine Frau kniet nieder, küsst das Abbild Messis. Sie singen, schreien: "Copacabana gehört uns." Im Übermut blockieren sie die Fahrbahnen der sechsspurigen Avenida Atlântica, der wichtigen Verkehrsachse am Strand von Copacabana.

Die ganze Stadt ist voller Militärpolizisten, doch an der Copacabana sind zu diesem Zeitpunkt zu wenig Ordnungskräfte, um die hellblaue Schar zu bändigen. "Ihr benehmt euch wie Kinder", brüllt ein Polizist, den Schlagstock gezogen. Mit Pfefferspray werden die Fans schließlich von der Straße getrieben. Tränengas gegen auswärtige Fußballfans, das hat es bei dieser WM bisher noch nicht gegeben.

Das Schlimmste für Brasilien: Ein WM-Sieg Argentiniens

Zweimal haben die Argentinier einen WM-Titel geholt, Brasilien schon fünfmal. Die Gauchos gelten in Brasilien als arrogant, ihnen wird unterstellt, dass sie wie die Großmeister auftreten, nervig. Argentinien, ein Fußballscheinriese. In einer TV-Reklame wird Maradona als alter Ledersessel dargestellt, der permanent "Argentinien, Argentinien" dazwischenschreit, während sich drei junge Brasilianer zivilisiert über Fußball unterhalten wollen. Sein Besitzer verkauft das nervige Stück schließlich übers Internet.

Das heutige Spiel im Maracanã soll für das Team um Messi nicht das letzte sein, sie wollen am 13. Juli zum Endspiel zurück sein in Rio, den dritten Titel für Argentinien holen.

In Brasilien heißt es, die Argentinier können gern schön spielen und gewinnen. Und Messi, ja, klar, sei auch ein begnadeter Spieler. Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre aber: Wenn die Gauchos im Endspiel auf Brasilien treffen würden - und gewinnen.

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ththt 15.06.2014
1. Kleine Anmerkung
So wie ich das sehe, haben die argentinischen Fans im vorletzten Bild auch Position zu der Lage der Falklandinseln bezigen, wenn man auf die Fahne guckt. Außerdem ist im letzten Bild kein Skateboard sondern ein Longboard.
n_capa 15.06.2014
2. La contra
Tut mir leid, aber ich finde Ihren Beitrag sehr wenig objektiv. Die argentinischen Fans leben und leiden für Ihre Mannschaft, wahrscheinlich ähnlich wie die englischen oder deutschen Fans, oder sogar wie die Brasilianer selbst. Nur sind die Argentinier nur wenige Flugstunden von Rio entfernt, sodaß auch entsprechend viele Argentinier in Rio sein können; das halte ich für absolut legitim. Ich weiß auch nicht mit welchen Brasilianern Sie über arrogante Argentinier gesprochen haben. Argentinier lieben den Fussball, Sie sterben für Ihre Mannschaft, Sie haben Leidenschaft; wenn Sie das nicht erkennen können, dann tut es mir sehr leid. In 2006 war ich selbst in Brasilien; so arrogant und selbstverliebt alle den Hexacampeao ausgerufen haben, bis die Brasilianer ausgeschieden sind, habe ich auch nur selten erlebt. Ich wünsche Argentinien alles Gute und viel Glück in der WM!
silentsport 15.06.2014
3.
Kann Ich leider nur bestätigen. Habe 15 Jahre in Südamerika gelebt, überall sind Argentinier unbeliebt, bestenfalls schütteln die Leute über den hysterischen Nationalstolz den Kopf, im schlimmsten Fall geht man ihnen aus dem Weg.
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