Rechtsextreme Aktion auf Würzburger Faschingsumzug "Es ist schändlich"

Frohsinn und Freude treffen auf Fremdenhass: In Würzburg hat sich die rechtsextreme Partei "Der Dritte Weg" in den Faschingsumzug gedrängt. Karnevalisten und Stadtpolitik sind empört.

Faschingsumzug in Würzburg
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Faschingsumzug in Würzburg

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Politisch geht es an Karneval in Deutschland oft zu. Doch die rechtsextreme Partei "Der Dritte Weg" hat den Würzburger Faschingsumzug am Sonntag für rassistische Propaganda missbraucht. Mit schwarz angemalten Gesichtern und einem Plakat "Wir wissen es genau, abschieben wird uns keine Sau" drängten sich etwa zehn Menschen in den Umzug. Sie riefen "Ficki, Ficki" und "Money, money, money", einer von ihnen hatte sich mit Sakko und Maske als Bundeskanzlerin Angela Merkel verkleidet.

In der Stadt Würzburg ist die Aufregung über den fremdenfeindlichen Auftritt im Schatten des Frohsinns groß. Die Organisatoren des Umzugs wurden eigenen Angaben zufolge von der Aktion überrumpelt. "Die Karnevalsgesellschaft bietet keinen Boden für rechtsradikale Tendenzen", sagte der Präsident der 1. Karnevalsgesellschaft Elferrat, Reinhart Stumpf.

Bei der Aufstellung des Zuges sei die Aufstellung extra noch kontrolliert worden. "Wer nicht dazugehört, wird nicht zugelassen", sagte der 70-Jährige. Während des Zuges müssten die Männer und Frauen sich dann aber in eine Lücke gedrängt haben. "Es ist schändlich, so eine friedvolle Veranstaltung zu missbrauchen", teilte Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake mit. Rund 100.000 Menschen sahen den Zug.

Zusammen mit der Stadt Würzburg wolle man nun "mit allen Mitteln des Rechtsstaats" vorgehen, sagte Karnevalist Stumpf. Ein Sprecher der Stadtverwaltung sagte, es werde ordnungsrechtlich wegen "einer unangemeldeten Versammlung innerhalb einer Veranstaltung" ermittelt. Sebastian Hansen von der Grünen Jugend twitterte zu dem Aufmarsch: "Widerlich rassistisch".

Bereits vergangene Woche hatte "Der Dritte Weg" mit rund 160 Teilnehmern in Würzburg demonstriert. Damals stellten sich jedoch rund 2500 Gegendemonstranten den Rechtsextremen in den Weg, darunter auch Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU).

Nun brüstete sich "Der Dritte Weg" auf Facebook mit der Aktion beim Faschingsumzug, die live im Bayerischen Rundfunk zu sehen war. Nur "einige Sekunden", heißt es seitens des Senders. Man habe wegen der Livesituation nicht schneller reagieren können.

"Der BR will und kann solchen politischen Umtrieben aber kein dauerhaftes Forum bieten", teilte eine Sprecherin des Senders mit. In der Mediathek sei die entsprechende Sequenz daher "durch Bilder aus dem Publikum ersetzt" worden.



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