Street Photography "Die Menschen sind meine Tänzer"

Yassine Alaoui Ismaili fotografiert Casablanca aus der Perspektive eines Einheimischen. Seine Bilder zeigen eine faszinierende Stadt voller Gegensätze.

Yoriyas Yassine Alaoui Ismaili

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Denkt man an Casablanca, fällt einem sofort die Romanze zwischen Humphrey Bogart und Ingrid Bergman ein. Doch der Fotograf Yassine Alaoui Ismaili macht schon mit dem Titel seiner Fotoserie "Casablanca not the Movie" deutlich: Mit dem berühmten Film haben seine Bilder nichts zu tun. Das Melodram wurde ja nicht einmal in Marokko gedreht, sondern weit weg in einem Hollywood-Studio.

Ismaili, auch Yoriyas genannt, fotografiert mit dem Blick eines Einheimischen, der in Casablanca geboren und aufgewachsen ist. Seine Aufnahmen haben nichts gemein mit typischen Bildern aus Reiseführern oder orientalischen Filmen: "Ich wollte meine Stadt so zeigen, wie ich sie jeden Tag sehe, wenn ich von meinem Haus zur Arbeit gehe." Er fotografierte Straßenszenen ebenso in Hay Moulay Rachid, einem der gefährlichsten Viertel der Stadt, wie im touristischen Ain Diab.

Straßenfotografie, Street Photography, nutzt die Stadt als Motiv. Ismaili zeigt typische Alltagsmomente: Menschen beim gemeinschaftlichen Gebet, Frauen in Burka und Kinder beim Fußballspiel. Doch dazwischen schieben sich immer wieder unerwartete Bilder, ein Pferd unter einem Sonnenschirm, eine Katze, die in die Kamera blickt. "Ich suche nach diesem einen Augenblick, der nur einmal passieren kann", sagt der Fotograf.

In manchen Gegenden seien die Menschen es nicht gewohnt, Kameras zu sehen und fotografiert zu werden, sie würden Ismaili erst einmal mit Vorsicht begegnen. Doch für ihn als Einheimischen sei es natürlich, nah an die Menschen heranzugehen und sie zu fotografieren.

Fotostrecke

14  Bilder
Casablanca: Pferde am Strand, Tänzer bei Nacht

Ismailis Fotos zeigen die Widersprüchlichkeiten der Großstadt, die von ihrer bunten Mischung aus verschiedenen Kulturen lebt: "Hier verbinden sich Orient und Okzident, Tradition und Moderne, Gemeinschaft und Individualität", sagt der Künstler.

"Mich verbindet eine lange Liebesgeschichte mit der Straße", sagt Ismaili. Bereits als Kind verbrachte er Stunden draußen, dort begann auch seine Karriere als Breakdancer. Mit seinem Tanzteam "Lhiba Kingzoo" reiste er für Vorführungen und Wettbewerbe in viele Länder der Welt.

Vom Breakdance scheint er sich auch beim Fotografieren nicht ganz zu lösen. Ein Freund beschreibt, Ismaili würde dabei springen, sich drehen oder erstarren. "Ich glaube, damit liegt er richtig", so der Fotograf. "Ich choreografiere die Straße, und die Menschen sind meine Tänzer."



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