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Disney World: Vordrängeldienst mit Behinderten

Von Rainer Leurs

Menschenmassen in Disney World: Lange Wartezeit an vielen Attraktionen Zur Großansicht
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Menschenmassen in Disney World: Lange Wartezeit an vielen Attraktionen

Wer Disney World in Florida besucht, muss an Attraktionen sehr lange warten. Es sei denn, man mietet sich Begleiter im Rollstuhl - die dürfen Extra-Eingänge ohne Schlange nutzen. Ein US-Reiseveranstalter soll sich auf solche Rolli-Scouts spezialisiert haben und kassiert nun üble Beschimpfungen.

Orlando/Hamburg - Man sollte ordentlich Zeit mitbringen für das Disney World Resort in Florida. Rund 15.000 Hektar misst das gewaltige Areal, an einem Tag ist das nicht zu schaffen. Und dann sind da auch noch all diese Menschen: Heerscharen drängen sich an den beliebteren Attraktionen; bis zu zweieinhalb Stunden Wartezeit muss man einkalkulieren. Jedenfalls dann, wenn man keinen derjenigen Begleiter dabei hat, von denen jetzt die "New York Post" berichtet.

Der Zeitung zufolge haben Besserverdiener einen Weg entdeckt, wie man den Tag in Disney World ganz ohne Warten über die Bühne bekommt: Man mietet sich einfach einen "Tour Concierge" im Rollstuhl. Denn Menschen mit Behinderung müssen laut "New York Post" an Karussells und Achterbahnen nicht warten. Sie dürfen einen separaten Eingang benutzen. Und dabei bis zu sechs "Freunde" mitnehmen - ein Rudel reicher Mädchen ohne Behinderung zum Beispiel, das keine Lust hat, stundenlang auf eine Fahrt mit der Wildwasserbahn zu warten.

130 Dollar soll ein behinderter Disneylotse pro Stunde kosten, 1040 Dollar für einen ganzen Tag. Für solvente Parkbesucher ist das immer noch ein Schnäppchen - Disney World bietet zwar selber sogenannte VIP-Tours an, bei denen man schneller in die Fahrgeschäfte kommt. Aber solche Angebote kosten laut "New York Post" bis zu 380 Dollar pro Stunde. Das Spezialangebot ist da einfach billiger.

"Meine Tochter hat eine Minute gewartet"

Entdeckt haben will diese groteske Story die Ethnologin Wednesday Martin. Sie recherchierte für ein Buch über die elitäre Oberschicht Manhattans ("Primaten der Park Avenue"), als sie Wind von der Vordrängelmasche bekam. Es sei in gewissen Kreisen zum "schamlosen Ritual" geworden, die Telefonnummer der Vermittlungsagentur weiterzureichen. "Als ich erzählte, dass ich nach Florida gehen werde, dachten viele Eltern in Manhattan, dass ich Disney World ansteuere. Sie nahmen an, dass ich einen behinderten Disney Guide engagieren würde", sagte Martin SPIEGEL ONLINE.

Genannt wird in dem Zeitungsbericht die Firma Dream Tours aus Florida, die eigentlich Freizeitparkbesuche für Menschen mit Behinderung organisiert. Laut Martin handelt es jedoch nicht um einen Einzelfall: "Ich vertraue meinen Quellen bedingungslos und verstehe sie so, dass es mehr als eine Person und mehr als einen Veranstalter gibt, die diesen Service anbieten."

"Meine Tochter hat bei (dem Fahrgeschäft - die Red.) 'It's a small world' eine Minute gewartet", zitiert die "New York Post" eine nicht namentlich genannte Dream-Tours-Kundin. "Die anderen mussten zweieinhalb Stunden Schlange stehen." Der Tour Concierge habe ihre Familie mit einem Elektrorolli und einem "Handicapped"-Schild durch den Park eskortiert; an jeder Attraktion habe man den Behinderteneingang benutzen dürfen.

Dream Tours dementiert

Überhaupt nicht glücklich ist man über die Geschichte bei der Walt Disney Company. "Es ist inakzeptabel, dass Angebote für Gäste mit Behinderungen missbraucht werden", sagte ein Disney-Sprecher SPIEGEL ONLINE. "Wir überprüfen das nun gründlich und werden die passenden Schritte unternehmen, um diese Aktivitäten zu unterbinden."

Dream Tours reagierte auf eine Anfrage nicht. Stattdessen entlud sich auf der Facebook-Seite des Reiseveranstalters der Volkszorn. Vor allem jene Eltern wüten dort, die selbst Kinder mit Behinderungen haben. Die Betreiber mögen in der Hölle verrotten, heißt es da, ein anderer Autor schlägt vor, man solle sie an ein Pferd binden und durch ein Obsidianfeld schleifen.

Bei Facebook wehrte sich die Agentur gegen die Vorwürfe. Tatsächlich sitze eine Dream-Tours-Mitarbeiterin im Rollstuhl, diese habe aber kein "Handicapped"-Schild. "Sie nutzt ihre Behinderung auch nicht dazu, an den Warteschlangen vorbeizukommen." Man verstehe die Bedenken, die "diese schrecklichen Vorwürfe" ausgelöst hätten. "Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass der Artikel aus der 'Post' völlig unwahr ist. Wir suchen uns gerade einen Anwalt."

Die Agentur soll den speziellen Begleitdienst unter der Rubrik "VIP Tours" auf ihrer Homepage angeboten haben. Inzwischen ist die Produktbeschreibung dort gelöscht - wegen "inakkurater Berichterstattung" und übler Nachrede biete man den Service nicht mehr an, heißt es.

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1.
Zaunsfeld 16.05.2013
Zitat von sysopAPWer Disney World in Florida besucht, muss an Attraktionen sehr lange warten. Es sei denn, man mietet sich Begleiter im Rollstuhl - die dürfen Extra-Eingänge ohne Schlange nutzen. Ein US-Reiseveranstalter soll sich auf solche Rolli-Scouts spezialisiert haben und kassiert nun üble Beschimpfungen. Zeitung: Reiche Mütter mieten behinderte Guides für Disney World - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/zeitung-reiche-muetter-mieten-behinderte-guides-fuer-disney-world-a-900021.html)
Und ich dachte immer, folgendes wäre nur reine Satire: German: Arthur Spooner Freizeitpark Koq - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=Ork11uA2gEo) Fragt sich nur, was zuerst da war. Das Huhn oder das Ei?
2.
kaon 16.05.2013
Ob das mit einem Mou an der Seite auch klappen würde ? :)
3.
testthewest 16.05.2013
...und 6 Tage mehr Urlaub bekommen sie auch - warum auch immer...
4. no title
Toe Jam 16.05.2013
Auch schon vor Jahren erlebt, ein Rentner mit Behindertenausweis sprach mich vor dem Bahnhof an, wenn ich ihm soundsoviel Euro gebe, kann ich meine Zugfahrt für ihn als Begleiter für umme machen. Fand das unmöglich, seine von uns gesponserten und von Behindertenverbänden erkämpften Privilegien so schamlos zum Eigennutz zu missbrauchen.
5. Ganz ehrlich
grimm1337 16.05.2013
was denn bei dir los ? Kla sollte man behinderten Personen einen Vortritt lassen. Das gehört sich einfach. Man bietet ja auch einer alten Frau im Bus den Platz an. Was mich bei der ganzen Sache extrem nervt ist das jetzt hier schon wieder voll rumgeheult wird. Wenn ich behindert wäre würde ich das jeden Tag anbieten für 500 $. Haben doch alle was von. Ich hätte 500$ in Cash, meinen Spaß im Disney Land und meine "6 Freunde" müssten nicht ewig warten. Win Win Situation. Solche Sätze wie "Die Betreiber mögen in der Hölle verrotten, heißt es da, ein anderer Autor schlägt vor, man solle sie an ein Pferd binden und durch ein Obsidianfeld schleifen." ist einfach nur lächerlich.
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