Zeitungsbericht Bayerische Museen sollen Nazi-Raubkunst verkauft haben

Museen in Bayern sollen von den Nazis geraubte Kunst nicht an die ursprünglichen Besitzer oder deren Nachfahren zurückgegeben haben. Stattdessen haben sie die Werke offenbar verkauft - auch an Verwandte von NS-Größen.

Dom von Xanten
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Dom von Xanten


Raubkunst-Skandal in Bayern: Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Recherchen der Londoner Commission for Looted Art in Europe (CLAE) berichtet, verfahren einige Museen der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen mit Raubkunst so, als handele es sich um ihr Eigentum. Statt die Bilder ihren früheren jüdischen Eigentümern zurückzugeben, hätten Museen die Bilder verkauft - teilweise sogar an Familien früherer NS-Kriegsverbrecher.

Die "Monument Men", eine US-Spezialeinheit aus Kunsthistorikern und Kuratoren, hatten zwischen 1943 und 1946 von Nazis geraubte Kunst aufgespürt und konfisziert. Das Ziel: die ursprünglichen Besitzer aufzutreiben und ihnen die Werke zurückzugeben.

Als die Amerikaner aus Deutschland abzogen, hinterließen sie der bayerischen Landesregierung laut "Süddeutscher Zeitung" 10.600 nicht restituierte Werke - treuhänderisch und mit dem klaren Auftrag, weiter nach den ursprünglichen Besitzern oder deren Nachfahren zu forschen.

Doch das soll nicht geschehen sein. Dem Bericht zufolge teilten Museen und Behörden "den Schatz untereinander auf". So sei ein Gemälde aus Görings Besitz im Petersberg-Gästehaus der Bundesregierung gelandet, eine Canaletto-Kopie aus Hitlers Kollektion bei der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Bonn. Viele Werke seien versteigert worden. Andere seien von Nazi-Nachfahren zurückgekauft worden.

So habe 1963 Henriette Hoffmann, Tochter von Hitlers Leibfotografen Heinrich Hoffmann und geschiedene Ehefrau des Wiener Reichsstatthalters Baldur von Schirach, ein Bild erworben, das einer jüdischen Familie in Wien gehörte. Sie zahlte 300 Mark für das "Holländische Platzbild" - und verkaufte es später gewinnbringend weiter.

Heute hängt das Gemälde der "Süddeutschen Zeitung" zufolge im Xantener Dom. Der Dombauverein soll das Bild für 16.100 Mark erworben, aber dann nicht restituiert haben. Dabei handelt es sich um eine etwa 300 Jahre alte Kopie eines Werkes des niederländischen Malers Jan van der Heyden, das im Jahr 1938 einer jüdischen Familie aus Wien von den Nazis gestohlen wurde. Die in Washington lebenden Nachfahren hatten sich vergeblich um die Rückgabe des Kunstwerks bemüht.

Dem Bericht zufolge gibt es derzeit etwa 3500 vergleichbare Fälle allein in den Museen der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. In der Datenbank "Lost Art" seien Hunderte Werke namentlich aufgeführt, darunter Gemälde von Tintoretto oder Hans Baldung.

Erst Ende 2015 hatte eine Gruppe von US-Politikern den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer aufgefordert, Bilder aus jüdischem Besitz zurückzugeben, die in den Museen des Landes hängen.

ala/AFP



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