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Nach Umfrage: Zentralkomitee der deutschen Katholiken fordert mehr Realitätssinn

Petersdom in Rom: Vatikan soll "mehr Sensibilität und Barmherzigkeit" zeigen Zur Großansicht
AP

Petersdom in Rom: Vatikan soll "mehr Sensibilität und Barmherzigkeit" zeigen

Eine Umfrage des Vatikans sorgt unter den deutschen Katholiken weiter für Aufregung. Nun meldet sich auch das Laiengremium der katholischen Kirche zu Wort und fordert vorsichtig Reformbedarf: Wiederverheiratete sollen die Kommunion empfangen dürfen, Homosexuelle "wertschätzend behandelt" werden.

Bonn - Deutliche Differenzen zwischen kirchlicher Lehre und den Auffassungen der Gläubigen zeigte eine Umfrage des Vatikans auf, deren Ergebnisse das Bistum Köln veröffentlichte. Jetzt hat auch das bundesweite Dachgremium der Laien in der katholischen Kirche vorsichtig Reformbedarf geäußert: Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) erhofft sich von der Bischofssynode des Vatikans "mehr Sensibilität und Barmherzigkeit" und spricht sich für die Zulassung von Wiederverheirateten zur Kommunion aus. Zurzeit dürfen Katholiken, die sich scheiden lassen und dann wieder heiraten, in der Messe nicht die Kommunion empfangen.

In einer Stellungnahme zur Vorbereitung der für das nächste Jahr geplanten Familien-Synode im Vatikan spricht sich das ZdK auch für einen "wertschätzenden Umgang mit nichtehelichen Partnerschaften und homosexuellen Menschen" aus.

Im Alltag bestehe oft eine "große Diskrepanz zwischen kirchlicher Lehre und der Lebenswirklichkeit" vieler Katholiken. Das ZdK vertritt die Position, dass auch in einer homosexuellen Partnerschaft "Werte wie in einer Ehe verwirklicht" werden können. Eine "Öffnung des Rechtsinstituts Ehe auch für gleichgeschlechtliche Partner" ginge jedoch nach Auffassung des ZdK zu weit.

Bistümer sollen Ergebnisse der Umfragen veröffentlichen

Die Katholische Frauengemeinschaft forderte die Deutsche Bischofskonferenz unterdessen auf, die Umfrageergebnisse der Bistümer zur Vorbereitung der Synode öffentlich zu machen.

Der Vatikan hatte im Oktober an alle nationalen Bischofskonferenzen eine Umfrage verschickt, die zur Vorbereitung der von Franziskus geplanten Sonderbischofssynode im Oktober 2014 dient. Neun Abschnitte umfasst der Fragebogen, es geht um das Verständnis der Katholiken von Ehe, Familie, Partnerschaft und Sexualität, um Sakramente für Geschiedene, homosexuelle Partnerschaften und christliche Kindererziehung.

Das Erzbistum Köln veröffentlichte seine eigene Befragung am Freitag, andere Bischöfe haben das bisher nicht getan. "Im Sinne der Transparenz erwarten wir, dass die Deutsche Bischofskonferenz die Ergebnisse der Vatikanumfrage, die sie in den nächsten Wochen nach Rom übermittelt, auch veröffentlicht", schrieb die Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft, Maria Theresia Opladen.

In ihrem eigenen Beitrag kritisierte die Frauengemeinschaft, dass der Fragebogen des Vatikans Familien, in denen die Eltern nicht verheiratet sind, als "irregulär" bezeichnet. "Kinder brauchen die Erfahrung und die Zusage, dass ihre Familie gut und richtig ist und nicht 'irregulär und unvollkommen', wie es der Fragebogen ausdrückt", stellte Opladen klar.

Nachfolger für Kardinal Joachim Meisner benannt

Unterdessen hat Papst Franziskus den Bischof von Münster, Felix Genn, zum Mitglied der Bischofskongregation im Vatikan ernannt. Das teilte das Bistum mit. Die Bischofskongregation hat rund 30 Mitglieder und ist für die Vorbereitung von Bischofsernennungen zuständig.

Genn folgt damit dem Kölner Kardinal Joachim Meisner, der den Papst um seine Emeritierung gebeten hatte. Er wird am 25. Dezember 80 Jahre alt. Bis März rechnet Meisner mit der Entlassung aus seinem Amt als Erzbischof.

sun/dpa

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1.
h.hass 16.12.2013
Die katholische Ideologie hat sich mittlerweile so weit von der modernen Lebenswirklichkeit entfernt - offensichtlich sogar von der der meisten Katholiken -, dass die Zukunft der ganzen Institution in Frage steht. Die tollen Mitgliederzahlen in der Dritten Welt oder in den Schwellenländern sagen in diesem Zusammengang nichts aus. Je wohlhabender und gebildeter die Leute dort werden, desto schwächer wird die Position der RKK werden. Man schaue sich nur mal das einst tiefst katholische Polen an, wo die Bedeutung der RKK rapide schwindet und sich die jüngere Generation zunehmend säularisiert. Wenn die RKK unter Franziskus jetzt nicht die Chance ergreift, sich zu modernisieren, wird sie untergehen. Das wird nicht von heute auf morgen passieren, aber vielleicht in drei, vier Generationen.
2. Realitätssinn?
Anton Waldheimer 16.12.2013
Mehr Realitätssinn, wie das gehen soll wo Jesus im Evangelium überdeutlich sagt, dass Mann und Frau von Gott verbunden werden durch die Ehe und ein Fleisch sein werden, und dass das was Gott verbunden hat der Mensch nicht trennen darf. Wo da wohl der Realitätssinn liegt? Der kam dieser Institution schon von allem Anfang an abhanden als es sich gleichnamig zum Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjet Union nannte. Sie sind wahrscheinlich wirklich gute Atheisten, die Leute vom Zentralkomitee der Deutschen Katholiken.
3. Vorsicht
jüttemann 16.12.2013
Zitat von h.hassDie katholische Ideologie hat sich mittlerweile so weit von der modernen Lebenswirklichkeit entfernt - offensichtlich sogar von der der meisten Katholiken -, dass die Zukunft der ganzen Institution in Frage steht. Die tollen Mitgliederzahlen in der Dritten Welt oder in den Schwellenländern sagen in diesem Zusammengang nichts aus. Je wohlhabender und gebildeter die Leute dort werden, desto schwächer wird die Position der RKK werden. Man schaue sich nur mal das einst tiefst katholische Polen an, wo die Bedeutung der RKK rapide schwindet und sich die jüngere Generation zunehmend säularisiert. Wenn die RKK unter Franziskus jetzt nicht die Chance ergreift, sich zu modernisieren, wird sie untergehen. Das wird nicht von heute auf morgen passieren, aber vielleicht in drei, vier Generationen.
"Ideologie" ist ein rein politischer Begriff, der bezüglich der Religionen natürlich völlig unpassend ist. Welche gesellschaftlichen Zielvorstellungen soll denn der persönliche Glaube an einen Gott haben? Ansonsten: Ein Gutteil der Vorwürfe, die man der RKK heute macht, ist die Tatsache, sich der Lebenswirklichkeit der jeweiligen Epoche nicht entschieden genug entgegengestemmt, ja sogar oft genug Vorreiter gewesen zu sein. Auch heute sollte man tunlichst unterscheiden, ob etwas richtig und konsequent oder ob es gerade Mainstream und Mode ist. . Säkulares Denken verstärkt sich weniger durch Bildung, als vielmehr durch die durch den zunehmenden Wohlstand resultierende, bessere soziale Absicherung. Not lehrt beten, das ist eine alte Weisheit. Aber die nichtmaterielle Not und Vereinsamung der immer älter werdenden Gesellschaft wird fast zwangsläufig dafür sorgen, dass Glaube und Religion nie untergeht, sondern auch weiterhin ihren festen Platz in der Gesellschaft behält. Religiosität wächst mit dem Alter, und zwar ganz unabhängig davon, ob die heute Alten in ihrer Jugend eine starke, religiöse Orientierung hatten oder nicht. Auf eine biologische Lösung von Glaube und Religion sollten die Religionsgegner deshalb wirklich nicht hoffen.
4. Schwindender Einfluss
demophon 16.12.2013
Zitat von h.hassDie katholische Ideologie hat sich mittlerweile so weit von der modernen Lebenswirklichkeit entfernt - offensichtlich sogar von der der meisten Katholiken -, dass die Zukunft der ganzen Institution in Frage steht. Die tollen Mitgliederzahlen in der Dritten Welt oder in den Schwellenländern sagen in diesem Zusammengang nichts aus. Je wohlhabender und gebildeter die Leute dort werden, desto schwächer wird die Position der RKK werden. Man schaue sich nur mal das einst tiefst katholische Polen an, wo die Bedeutung der RKK rapide schwindet und sich die jüngere Generation zunehmend säularisiert. Wenn die RKK unter Franziskus jetzt nicht die Chance ergreift, sich zu modernisieren, wird sie untergehen. Das wird nicht von heute auf morgen passieren, aber vielleicht in drei, vier Generationen.
Ein noch deutlicheres Beispiel ist das katholische Spanien. Dort gibt es schon seit Juli 2005 die gleichgeschlechtliche Ehe einschließlich Adoptionsrecht, obwohl die RKK dagegen war.
5. An dem Wort
hschmitter 16.12.2013
habe ich mich auch gestoßen, als ich diese Veröffentlichung des Erzbistums Köln las. Aber auch an dem Begriff "Aggressive Ungläubige" - man muß ja aggressiv werden, wenn man ständig als "ungläubig" beleidigt wird (das Wort "Nichtgläubig" kennen die Religionsvertreter offenbar nicht). Ich glaube jedenfalls nicht, daß die "Aggressiven Ungläubigen" für die Probleme der Katholischen Kirche verantwortlich.
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