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Zölibat: Heimliche Geliebte von Priestern schreiben Brief an Papst

Papst Franziskus: Überwiegend positive Erfahrungen mit dem Zölibat Zur Großansicht
AP/dpa

Papst Franziskus: Überwiegend positive Erfahrungen mit dem Zölibat

"Wir lieben diese Männer, und sie lieben uns": Mit einem offenen Brief haben sich 26 italienische Frauen an den Papst gewandt. Sie alle sind demnach heimliche Geliebte von Priestern - und fordern in einem eindringlichen Appell das Ende des Zölibats.

Rom - Von "großem Schmerz" ist die Rede. Von einer "leidenden Seele" und einer "Narbe fürs Leben". Mit einer ungewöhnlichen Aktion hat eine Gruppe italienischer Frauen - allesamt heimliche Geliebte von Priestern - Papst Franziskus auf das Leid einer heimlichen Beziehung mit einem katholischen Geistlichen hingewiesen.

"Lieber Papst Francesco, wir sind eine Gruppe von Frauen aus allen Teilen Italiens (und darüber hinaus), die Ihnen schreibt, um die Mauer des Schweigens und der Gleichgültigkeit, mit denen wir jeden Tag konfrontiert sind, zu brechen. Jede von uns führte oder führt eine Liebesbeziehung mit einem Priester, in den sie verliebt ist", so beginnt der offene Brief, wie die italienische Zeitung "La Stampa" berichtet.

"Wir lieben diese Männer, und sie lieben uns", schreiben die 26 Frauen, die behaupten, für viele zu sprechen - sie seien nur eine kleine "Stichprobe" einer großen Gruppe Frauen, die "in der Stille leben". Die Alternativen seien derzeit nur, auf das Priestertum zu verzichten oder mit der geheimen Liebe zu leben.

Mit dem Brief fordern die heimlichen Geliebten den Papst auf, den Zölibat für katholische Priester aufzugeben. Sie erbaten dem Zeitungsbericht zufolge zudem um eine Audienz. Die Frauen betonten jedoch nicht nur das Leiden, das eine solche geheime Affäre mit sich bringe. Sie wiesen auch auf mögliche Vorteile für die katholische Kirche hin. Demnach könne ein Pfarrer, der seine Berufung nicht wegen einer Ehe aufgeben müsse und von Frau und Kindern gestützt werde, "Jesus und der Gemeinde" besser dienen. "Etwas könnte sich ändern, nicht nur für uns, sondern für das Wohl der ganzen Kirche", schrieben die Frauen.

Papst Franziskus war selbst einmal sehr verliebt

Gänzlich abwegig ist die Forderung der Frauen nach liberaleren Zeiten nicht. Zum einen ist der Zölibat für den Papst offenbar keine prinzipielle, keine theologische Frage - schließlich dürfen katholische Priester in der Ostkirche, in Griechenland, Russland, der Ukraine heiraten.

Und in einem Buch, das ein Gespräch zwischen dem heutigen Papst, damals noch Kardinal Jorge Bergoglio, und dem Rabbiner Abraham Skorka wiedergibt, gibt das Oberhaupt der katholischen Kirche zu: Er selbst sei als junger Seminarist einmal so verliebt gewesen, "dass sich mir der Kopf drehte".

Bergoglio sagte in dem Gespräch vor einigen Jahren, er sehe im Zölibat eine kulturelle Überlieferung, mit der man zehn Jahrhunderte lang überwiegend positive Erfahrungen gemacht habe. Deshalb sei er für die Beibehaltung des Zölibats - "zurzeit".

lgr/dpa

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insgesamt 102 Beiträge
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1. heimlich???
petrasha 18.05.2014
das wort heimlich passt nicht mehr ins bild. es ist längst allgegenwärtig, dass es prieser-freundinnen gibt. es wird "toleriert". nur es darf nicht öffentlich werden. was für eine lügenkomödie.
2. Persönlich betroffen
Kay 18.05.2014
Eine tolle Aktion! Für die katholische Kirche natürlich seltsame Zukunftsmusik, für den Rest der Gesellschaft eher 100 Jahre zu spät. Mindestens. Wenn mich Leute nach der Arbeit meines Vaters fragen, weiß ich oft nicht, was ich antworten soll. Es glaubt einem doch keiner, dass man Kind eines katholischen Priesters ist. Das wär doch mal was: Erwachsene Kinder von katholischen Priestern schreiben auch einen Brief an Papst Franziskus und erklären mal, wie wunderbar das Zölibat in unserer heutigen Gesellschaft funktioniert. Ich wäre sofort dabei.
3. .
Europa! 18.05.2014
Zitat von sysopAP"Wir lieben diese Männer, und sie lieben uns": Mit einem offenen Brief haben sich 26 italienische Frauen an den Papst gewandt. Sie alle sind demnach heimliche Geliebte von Priestern - und fordern in einem eindringlichen Appell das Ende des Zölibats. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/zoelibat-heimliche-geliebte-von-priestern-schreiben-brief-an-papst-a-970100.html
Der Kampf der Religionen um die Kontrolle und Unterdrückung der Sexualität mit Zölibat, Verschleierung und Beschneidung ist eine Menschheitstragödie. Er zerstört alles Gute, was von Religionen ausgehen könnte, und führt zur Lüge, zum Totschlag und scheußlichen Perversionen.
4.
querollo 18.05.2014
Bei alle Respekt: Wenn ein Mann eine Frau, die er angeblich liebt, dazu zwingt, diese Liebe geheim zu halten und unter für sie kompromittierenden Bedingungen zu leben, weil er sich nicht entschließen kann, zu ihr zu stehen, dann sollte diese Frau vielleicht eher einmal darüber nachdenken, ob dieser Mann tatsächlich eine gute Wahl als Lebensgefährte war, anstatt Briefe an seinen Chef zu schreiben. Denn eins ist klar: Dieser klandestine Geliebte hat durchaus eine Alternative. Er kann ganz einfach den Beruf wechseln. Tut er es nicht, zeigt er vor allem eins: dass seine Prioritäten klar nicht bei Frau und Familie liegen. Das geschilderter Problem ist aus meiner Sicht kein Problem des Zölibats, sondern schlicht eins der moralische Integrität der Männer, die sich dahinter verstecken. Letztlich ist Priester nicht der einzige Job, der mit einer Verpflichtung kommt, die von deren Frauen nicht ganz so enthusiastisch begrüßt werden. Von Ärzten wird erwartet, dass sie Nachtschichten arbeiten, Feuerwehrleute setzen ihr Leben aufs Spiel und Soldaten werden monatelang in Krisengebiete geschickt. Muss alles nicht sein. Es gibt jede Menge Bedarf an Lehrern, Eisverkäufern und IT-Leuten ohne Residenz- oder Zölibats-Pflichten.
5. Ich glaube nicht dass Papst Franziskus das Zölibat aufhebt
Mieze Schindler 18.05.2014
denn dann würde er eine Spaltung der Katholischen Kirche riskieren, die ultrareaktionären unter den Katholiken würden das unter keinen Umständen akzeptieren.
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