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Zoo in Barcelona: Neonazi springt in Löwengehege

Im Zoo von Barcelona ist ein ehemaliger Polizist und stadtbekannter Neonazi offenbar freiwillig in ein Löwengehege gesprungen. Drei Raubkatzen zerrten ihn in eine Grube. Erst nach einer halben Stunde konnte der Mann gerettet werden. Er lebt.

Panik im Zoo: Mann stürzt sich in Löwengehege Fotos
Ramon Serra Martinez /Demotix

Barcelona - Justo José Mira hat etwas Unverständliches getan: Am Sonntag sprang der 45-jährige Spanier in ein Löwengehege im Zoo von Barcelona. Dort wurde er von drei Raubkatzen angegangen, die ihn in eine Grube stürzten und mit Bissen und Prankenhieben schwer verletzten.

Erst nach etwa einer halben Stunde gelang es Zoo-Angestellten, den Mann im Tarnanzug unter den Augen entsetzter Besucher aus dem Gehege zu retten. Einige Augenzeugen hatten noch versucht, die Tiere abzulenken, indem sie Steine und Flaschen in das Gehege warfen. Doch erst der Einsatz von Wasserschläuchen konnte die Raubtiere schließlich auseinandertreiben. Jetzt wird Mira auf der Intensivstation des örtlichen Vall-d'Hebron-Krankenhauses behandelt. Sein Zustand sei ernst, aber nicht lebensbedrohlich, hieß es.

Fahne mit Hakenkreuz geschwenkt

Doch was trieb den Mann zu seiner Tat? Mira war einmal Polizeichef in der 7000-Seelen-Gemeinde Gelida nahe Barcelona. 13 Jahre lang arbeitete er bei der Guardia Civil, dann wurde er 2014 in bezahlten Urlaub entlassen. So berichten es spanische Zeitungen wie El País oder El Mundo. Mira soll unter einer bipolaren Störung mit schweren Depressionen leiden. Ob seine Entlassung auch mit seiner offenbar radikalen politischen Haltung zu tun hatte, ist unbekannt. Denn: Der Ex-Polizist soll zum Neonazi-Aktivisten geworden sein.

Auf seiner Facebook-Seite brüstet sich Mira mit einer Aktion vom 25. November: Da klebte er im Zentrum von Barcelona Fahnen mit Hakenkreuzen auf eine Plakatwand - um eine Demonstration gegen Abtreibung zu unterstützen. Im September setzte er während einer Zeremonie vor laufenden Fernsehkameras eine katalanische Flagge in Brand.

Die Zoo-Betreiber beeilten sich zu betonen, dass der Eindringling aus freien Stücken in das Gehege gegangen sei. Das Sicherheitssystem im Tierpark mache es nahezu unmöglich, dass ein Besucher aus Versehen hineinfalle. Die Feuerwehr bestätigte das. Dem spanischen News-Portal "20minutos" zufolge hätten die Raubkatzen nicht die Absicht gehabt, Mira zu töten: "Sie wollten nur mit ihm spielen", sagte ein Behördensprecher.

ala

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