Ein-Kind-Politik: China feuert Offiziellen wegen Zwangsabtreibung

Eine Mutter liegt neben ihrem Kind, das sie auf Druck der Behörden im siebten Monat abtreiben musste: Dieses Bild aus China löste Entrüstung aus. Jetzt sind die Verantwortlichen bestraft worden.

Peking - Die Behörden in China haben mehrere Verwaltungsmitarbeiter in der Provinz Shaanxi bestraft, die eine Schwangere im siebten Monat zu einer Abtreibung gezwungen hatten. Der Chef der örtlichen Familienplanungskommission sei entlassen worden, der zuständige Mitarbeiter des Bezirks habe einen "administrativen Tadel" erhalten, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Weitere Personen, unter anderem Mitarbeiter des Krankenhauses, in dem die Abtreibung vorgenommen wurde, bekamen demnach nicht näher benannte Strafen. Was die Verwaltung vor Ort getan habe, sei eine schwere Verletzung der Vorschriften zur Bevölkerungs- und Familienplanung, schrieb Xinhua.

Der Fall hatte international Entrüstung ausgelöst, weil er als krasses Beispiel für die extremen Maßnahmen gilt, mit denen chinesische Offizielle das Bevölkerungswachstum kontrollieren wollen. China versucht seit den siebziger Jahren, das Bevölkerungswachstum einzudämmen - deshalb wurde die äußerst unbeliebte Ein-Kind-Politik eingeführt. Insbesondere die sich entwickelnde breite Schicht der Wohlhabenden ist der Ansicht, die Regierung habe kein Recht, ihnen vorzuschreiben, wie viele Kinder sie bekommen können.

Derzeit leben in der Volksrepublik rund 1,3 Milliarden Menschen. Immer wieder gibt es Berichte über Offizielle, die Frauen zu Abtreibungen drängen, um Geburtsquoten zu erfüllen.

Laut Xinhua wurde die junge Mutter am 2. Juni in ihrem Haus abgeholt. Sie wurde gezwungen, ihre Zustimmung zu einer Abtreibung zu geben, weil sie schon ein Kind hatte. Demnach konnte die Familie nicht die Strafe von 40.000 Yuan, rund 5000 Euro, bezahlen, die für ein zweites Kind zu entrichten ist. Für diese Forderung der Behörden, so Xinhua, habe es keine legale Grundlage gegeben.

Der Fall war bekannt geworden, als der Ehemann Bilder veröffentlichte, die seine Frau neben dem toten Fötus zeigten. Auch die Familienmitglieder mussten sich teilweise Kritik anhören: Sie seien Verräter, weil sie mit ausländischen Medien gesprochen hätten.

ulz/Reuters

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insgesamt 41 Beiträge
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1. Bevölkerungswachstum kontrollieren
david_2010 27.06.2012
Eigentlich ist es eine gute Idee, das Bevölkerungswachstum zu begrenzen. Man kann sich das im Deutschland mit seinen 1,4 Kindern pro Frau nicht vorstellen, aber die Menschheit wächst immer noch exponentiell. Es wird irgendwann zuviele Menschen geben, um ein friedliches Miteinander im Wohlstand zu ermöglichen (was ja schon heute nicht der Fall ist). Die praktische Umsetzung ist natürlich sehr schwierig, da Abtreibungen im 7. Monat natürlich absolut menschenunwürdig sind. Was tun also ?
2. ??
bruno bimbes 27.06.2012
...aus esoterischen Kreisen wird berichtet, das Lucifer vor 7000 Jahren in Asien reinkarnierte und das chinesische Volk gründete...
3. Danke
johnnychicago 27.06.2012
Zitat von sysopEine Mutter liegt neben ihrem Kind, das sie auf Druck der Behörden im siebten Monat abtreiben musste: Dieses Bild aus China löste Entrüstung aus. Jetzt sind die Verantwortlichen bestraft worden. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,841179,00.html
SPON, dass Du uns die Bilder (anders als auf n.tv.de) nicht zeigst. Ich bin weder ein Abtreibungsgegner noch ein Befürworter. In dieser Situation kann nur die betroffene Frau sich ein Urteil bilden und darüber entscheiden ob sie das Kind behält oder nicht. In China entscheiden wohl die Behörden (die sicher nur "bestraft" wurden, weil die Weltöffentlichkeit davon erfahren hat) und zeichnen nur mehr ein Bild der menschenverachtenden kapitalistischen (mit Sicherheit ist es kein Kommunismus) Regierung der PRC. Ich weiss wie Kinder aussehen die lebend im 7. Monat zur Welt kommen und sehr gute Chancen haben, ohne Folgen zu reifen und zu wachsen. Diesem Kind wurde das nicht ermöglicht. Aber auch in europäische Ländern wird in diesen Fragen mit zweierlei Mass gemessen. Einerseits verteufelt man die Stammzellenforschung und andererseits verurteilt man Raser ,die eine im siebten Monat Schwangere und ihr ungeborenes Kind totfahren, zu lächerlichen Geldstrafen und Fahrverbotauf Bewährung. Ich warte jetzt eigentlich noch auf Kommentare von der Sorte "Sie kannte ja die Gesetze...).
4.
franko_potente 27.06.2012
Zitat von david_2010Eigentlich ist es eine gute Idee, das Bevölkerungswachstum zu begrenzen. Man kann sich das im Deutschland mit seinen 1,4 Kindern pro Frau nicht vorstellen, aber die Menschheit wächst immer noch exponentiell. Es wird irgendwann zuviele Menschen geben, um ein friedliches Miteinander im Wohlstand zu ermöglichen (was ja schon heute nicht der Fall ist). Die praktische Umsetzung ist natürlich sehr schwierig, da Abtreibungen im 7. Monat natürlich absolut menschenunwürdig sind. Was tun also ?
Weltweit die EIn Kind Politik einführen. Wir sind viel zu viele. Dem Planeten würde 4 MRD Menschen absolut ausreichen. Besser 3
5.
franko_potente 27.06.2012
Zitat von johnnychicagoSPON, dass Du uns die Bilder (anders als auf n.tv.de) nicht zeigst. Ich bin weder ein Abtreibungsgegner noch ein Befürworter. In dieser Situation kann nur die betroffene Frau sich ein Urteil bilden und darüber entscheiden ob sie das Kind behält oder nicht. In China entscheiden wohl die Behörden (die sicher nur "bestraft" wurden, weil die Weltöffentlichkeit davon erfahren hat) und zeichnen nur mehr ein Bild der menschenverachtenden kapitalistischen (mit Sicherheit ist es kein Kommunismus) Regierung der PRC. Ich weiss wie Kinder aussehen die lebend im 7. Monat zur Welt kommen und sehr gute Chancen haben, ohne Folgen zu reifen und zu wachsen. Diesem Kind wurde das nicht ermöglicht. Aber auch in europäische Ländern wird in diesen Fragen mit zweierlei Mass gemessen. Einerseits verteufelt man die Stammzellenforschung und andererseits verurteilt man Raser ,die eine im siebten Monat Schwangere und ihr ungeborenes Kind totfahren, zu lächerlichen Geldstrafen und Fahrverbotauf Bewährung. Ich warte jetzt eigentlich noch auf Kommentare von der Sorte "Sie kannte ja die Gesetze...).
Sie kannte ja die Gesetze. Und die Gesetze sind in explizit diesem Fall das höhrere Rechtsgut, da es hier um größeres geht, als das persönliche Glück. Wir haben ein massives problem der Überbevölkerung und es geht nicht in meinen Kopf, warum das nciht endlich geregelt wird. Wennwir in 2 Generationen nur noch 3,5 start 7MRD Menschen sind, was haben wir dann? 20% weniger Co² 50% weniger Ölverbrauch Hungerproblem gelöst, Kllimaprobelm im Griff, Energieproblem im Griff, Massenarbeitslosigkeit im Griff. Überfischung der Weltmeere im Griff. usw usw. Über 90% der Menschheitsprobleme haben wir einfach gelöst durhc Gesundsschrumpfen.
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