Kampf eines Kölner Mieters: Polizei vollstreckt Zwangsräumung trotz Protest

Köln: Umstrittene Zwangsräumung Fotos
DPA

Seit Jahrzehnten wohnte Kalle Gerigk in seiner Wohnung in Köln, jetzt musste er gehen. Über hundert Demonstranten wollten die Zwangsräumung durch die Polizei verhindern. Sie scheiterten.

Köln - In Köln ist die Wohnung eines Mieters trotz massiver Proteste zwangsgeräumt worden. Die Polizei hatte den Zugang zum Haus bereits abgesperrt, als etwa hundert Demonstranten am Mittwochmorgen mit ihrem Protest begannen. Am Vormittag teilte ein Sprecher der Polizei mit, dass der Gerichtsvollzieher die Zwangsräumung vollstreckt habe.

Beamte trugen einige Demonstranten aus dem Vorgarten, rund 20 Aktivisten hatten es doch in den Hausflur geschafft, auch sie wurden von der Polizei weggetragen. Ein Demonstrant wehrte sich, nach Angaben der Polizei erlitt er einer Platzwunde.

Der Mieter Kalle Gerigk gelangte zu lokaler Prominenz, weil er sich gegen die drohende Zwangsräumung gewehrt hatte. Er wohnte seit Jahrzehnten im Kölner Agnesviertel. Schon einmal war eine Zwangsräumung anberaumt worden, sie scheiterte jedoch im Februar am Protest von rund 300 Unterstützern Gerigks. Sie setzten sich vor den Wohnungseingang, eine Bühne war aufgebaut, Künstler und Musiker spielten wie bei einem Straßenfest.

Die Zwangsräumung in Köln steht für viele exemplarisch für die Verdrängung alteingesessener Mieter aus den Innenstädten von Metropolen. Die Aktivisten kritisieren, dass "sich Immobilienfirmen, Banken und gutbetuchte Hausbesitzer die Taschen voll machen und Mieter aus begehrten Wohnlagen verdrängen". Ihr Protest richtet sich gegen Mieterhöhungen und Luxussanierungen.

Zeichen gegen die Entmischung der Innenstadt

Kalle Gerigk lebte die meiste Zeit seines Lebens in seiner Wohnung in der Fontanestraße in Köln. Er muss sie nun verlassen, weil sein Vermieter Eigenbedarf anmeldete. Kurze Zeit später soll der Immobilienmakler die Wohnung im Internet zum Verkauf angeboten haben. Außer vor Gericht habe Gerigk nie ein Wort mit seinem Vermieter wechseln können, sagte er laut "Kölner Stadtanzeiger" vor den Demonstranten. Er dankte ihnen für ihre Unterstützung, als er das Haus verließ. Nach Angaben der Aktivisten protestieren nun etwa 70 Demonstranten in der Kölner Innenstadt.

Gerigk hat mittlerweile eine neue Wohnung am Barbarossaplatz gefunden, nur ein paar Kilometer von seiner alten Bleibe entfernt, berichtet der "Kölner Stadtanzeiger". Er hatte es aber zu dieser zweiten Protestrunde kommen lassen, weil er ein Zeichen setzen wolle gegen die Entmischung der Innenstadtviertel.

lsc

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 244 Beiträge
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1. Gewohnheitswohlstand
tim11 16.04.2014
Zitat von sysopDPASeit Jahrzehnten wohnte Kalle Gerigk in seiner Wohnung in Köln, jetzt musste er gehen. Über hundert Demonstranten wollten die Zwangsräumung durch die Polizei verhindern. Sie scheiterten. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/demonstrationen-gegen-zwangsraeumung-in-koeln-sind-gescheitert-a-964736.html
Der Mieter wohnte Jahrzehnte in bester Lage mit nur geringer Miete. Ich kann verstehen, dass das keiner aufgeben will. Mit Gerechtigkeit hat der Protest aber meiner Meinung nach nichts zu tun. Weil er sich schon daran gewöhnt hat, wenig für eine Wohnung in bester Lage zu zahlen, soll das in Zukunft weiterhin so sein? Verständlich, ja. Gerecht aber nicht.
2. Richtig so.
TangoGolf 16.04.2014
Die Geschichte ist sehr suspekt - wenn es tatsächlich so sein sollte, dass der Eigenbedarf nur vorgeschoben ist, dann lässt das bei mir die Galle überkochen. Nun wurde das ganze aber zwei Mal vor Gericht verhandelt, es wurde Recht gesprochen. Von daher ist es absolut in Ordnung, ja geboten, die Wohnung zu Räumen. Trotz Bauchschmerzen: den Vortritt muss immer der Rechtsstaat haben - und nicht eine aufgebrachte Gruppe, die meint, ihr eigenes Rechtsverständnis durchzusetzen.
3. Die Reichen...
daniel84 16.04.2014
...setzen sich durch denn die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer...traurig...
4. sehe ich auch so
hartwurzelholz 16.04.2014
Zitat von tim11Der Mieter wohnte Jahrzehnte in bester Lage mit nur geringer Miete. Ich kann verstehen, dass das keiner aufgeben will. Mit Gerechtigkeit hat der Protest aber meiner Meinung nach nichts zu tun. Weil er sich schon daran gewöhnt hat, wenig für eine Wohnung in bester Lage zu zahlen, soll das in Zukunft weiterhin so sein? Verständlich, ja. Gerecht aber nicht.
Ist natürlich nicht schön, wenn man nach all der Zeit mehr oder weniger rausgeworfen wird. Aber hilft nichts- da muss man nach vorne blicken. Riesenrandale mit Verletzten sind auch keine Lösung.
5. Solidarische Grüße...
anarc 16.04.2014
...nach Köln. Respekt.
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