Streit über "Zwarte Piet" Niederländische Polizei nimmt 90 Menschen bei Nikolaus-Umzug fest

Der Sinterklaas kommt! Was ein friedliches Kinderfest im niederländischen Gouda sein sollte, artete in Rangeleien aus. Gegner und Anhänger der als rassistisch verschrienen Zwarte-Piet-Figur wurden festgenommen.

DPA

Gouda - Eine seit Monaten schwelende Rassismusdebatte überschattet das Nikolausfest in den Niederlanden: Bei der Nikolaus-Prozession in der Stadt Gouda wurden am Samstag nach Polizeiangaben 90 Gegner und Anhänger des "Zwarte Piet" festgenommen. Der schwarz geschminkte Helfer des niederländischen Nikolaus gilt Kritikern als Symbol kolonialer Stereotype, während Traditionalisten nichts Anstößiges an der Figur finden können.

Die Wogen schlugen besonders hoch, weil den Niederländern das Nikolausfest wichtiger ist als Weihnachten. Auf der Prozession in Gouda wurden der Nikolaus und seine Helfer bei ihrer rituellen Ankunft in einem mit Geschenken beladenen Schiff aus Spanien begrüßt. Als die Darsteller in ihren Kostümen auf einem Balkon erschienen, kam es auf dem Hauptplatz zu kleineren Rangeleien zwischen Anhängern und Gegnern des "Zwarte Piet". Die Gegner hatten ein Banner entrollt, das den Teilnehmern der Prozession "Rassismus" vorwarf.

Bei 60 der Festgenommenen handelte es sich laut der Polizeisprecherin Yvette Verboon um Gegner des Helfers von Sinterklaas. Sie hätten an nicht genehmigten Orten demonstriert und müssten mit einem Bußgeld von 220 Euro rechnen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Wouter Bos. Die anderen 30 Festgenommenen, zumeist Anhänger des Schwarzen Peters, müssten sich wegen "Störung der öffentlichen Ordnung" verantworten.

Erst am Mittwoch hatte sich das höchste Verwaltungsgericht des Landes in Den Haag mit einer Klage gegen eine Prozession in Amsterdam im vergangenen Jahr beschäftigt. Damals kam es ebenfalls zu heftigen Protesten. Das Urteil der Richter: Der Sinterklaas darf bei seinem öffentlichen Einzug von schwarz geschminkten "Zwarte Piet"-Figuren begleitet werden. Ein Bürgermeister habe kein Recht, dies wegen möglicher Diskriminierung zu verbieten.

Der Staatsrat könne und werde aber nicht die Frage beantworten, ob der "Zwarte Piet" gegen niederländische Anti-Diskriminierungsgesetze verstoße, sagte der Vorsitzende Richter Jaap Polak. Dem Urteil zufolge können die Kläger stattdessen zivil- oder strafrechtlich gegen die Organisatoren von Nikolausumzügen vorgehen.

Käsepeter und Sirupwaffelpeter sind erstmals dabei

Ministerpräsident Mark Rutte nannte die aktuellen Zwischenfälle in Gouda "zutiefst traurig". "Jeder darf über die Farbe des Zwarte Piet reden, doch keiner darf ein Kinderfest derartig stören", sagte er. Goudas Bürgermeister Milo Schoenmaker bezeichnete die Atmosphäre während der Zusammenstöße als "bösartig". Er kritisierte laut der Nachrichtenagentur ANP, dass "Erwachsene von außerhalb der Stadt meinten, mitten unter den Kindern demonstrieren zu müssen".

  Schwarzes Gesicht, rote Lippen: Gegner halten den "Zwarte Piet" für rassistisch
AFP

Schwarzes Gesicht, rote Lippen: Gegner halten den "Zwarte Piet" für rassistisch

Der Nikolaus kommt nach der Legende stets Mitte November mit einem Schiff aus Spanien in die Niederlande, um den Kindern Geschenke zu bringen. Doch die Debatte um seine Begleiter mit den schwarzgeschminkten Gesichtern, roten Lippen und Afro-Perücken spaltet seit Monaten das Land. Rassismuskritiker sehen hierin ein abzulehnendes Erbe der kolonialen Vergangenheit der Niederlande. Fürsprecher des "Zwarte Piet" sagen dagegen, dieser sei nur schwarz vom Ruß, weil er beim Ausliefern der Geschenke durch den Kamin krabbele.

Der Ankunft des Nikolaus in Gouda wohnten wie jedes Jahr Tausende Menschen bei, darunter viele Kinder. Die Stadt zog dabei ihre Konsequenzen aus der Debatte: Erstmals wurde der Nikolaus nicht nur vom Schwarzen Peter begleitet, sondern auch vom Käsepeter mit gelb angemaltem Gesicht und vom Stroopwafel-Peter, dessen Gesicht das gleiche hellbraune Muster zierte wie die beliebten Sirupwaffeln.

abl/AFP



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