Japanischer Soldat Hiroo Onoda Tod eines legendären Kriegers

Japan kapitulierte, Hiroo Onoda kämpfte weiter. 29 Jahre lang versteckte sich der Leutnant nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im philippinischen Dschungel. Er ergab sich erst, als sein ehemaliger Vorgesetzter ihm das befahl. Nun ist der sture Krieger im Alter von 91 Jahren gestorben.

REUTERS/ Kyodo

Tokio - Vielleicht kann man ihn auch als Kriegsgefangenen bezeichnen, denn selbst als alle Schlachten geschlagen waren, ließ der Krieg ihn nicht los: Hiroo Onoda, japanischer Soldat auf den Philippinen, kämpfte einfach weiter. 29 Jahre lang hielt er sich nach 1945 im Dschungel auf der philippinischen Insel Lubang versteckt. Nun ist der letzte japanische Versprengte aus dem Zweiten Weltkrieg, wie ihn die Nachrichtenagentur AP bezeichnet, gestorben. Er wurde 91 Jahre alt.

Onoda starb in einem Krankenhaus in Tokio an Herzversagen, berichteten japanische Medien unter Berufung auf die Familie des früheren Soldaten. Ein Regierungssprecher lobte den unbeugsamen Willen Onodas. "Als er nach vielen Jahren im Dschungel wieder nach Japan kam, hatte ich das Gefühl, dass der Krieg endgültig zu Ende gegangen ist", sagte der Regierungssprecher.

Onoda arbeitete als junger Mann zunächst in einem Handelsunternehmen, ehe er 1942 vom Militär einberufen wurde. Seit Dezember 1944 war der Leutnant der Kaiserlichen Armee auf Lubang stationiert. Noch kurz vor Kriegsende erhielt er eine Spezialausbildung im Guerillakampf.

Japanische Soldaten wurden im Zweiten Weltkrieg zu absoluter Loyalität ihrer Nation und ihrem Kaiser gegenüber angehalten. Der Tod im Kampf war ehrenvoller als eine Kapitulation.

Im Februar 1945 nahmen amerikanische Truppen Lubang ein. Viele Japanische Soldaten ergaben sich, Onoda und einige andere Männer flüchteten in den Dschungel. Japan kapitulierte rund sechs Monate später - doch die einsamen Soldaten bekam davon offenbar nichts mit. Flugblättern, die das Kriegsende verkündeten, misstraute Onoda. Auch Lautsprecherdurchsagen von Familienmitgliedern blieben erfolglos. Onoda ergab sich nicht. Stattdessen führte er jahrelang eine Art privaten Guerillakrieg, dem mehr als 30 Menschen zum Opfer fielen.

Verbrannte Reisfelder, geplünderte Speisekammern

Längst lautete Onodas Mission: überleben. Um sich zu ernähren, ging er bei den Inselbewohnern auf Diebestour. Philippinos sprachen laut dem SPIEGEL 1974 von hundert Verletzten, verbrannten Reisfeldern, ausgeräuberten Speisekammern. Philippinen-Präsident Ferdinand Marcos setzte umgerechnet 12.000 Mark Belohnung für die Ergreifung Onodas aus. "Ohne die Aussicht auf eine kräftige Belohnung", wurde ein Inselfischer zitiert, "würden wir den Japaner töten, wenn wir ihn fangen."

Onoda war nicht der einzige japanische Soldat, der nach der Niederlage im philippinischen Dschungel ausharrte. Aber kaum jemand blieb so lange wie er. Seine Mitstreiter auf Lubang ergaben sich im Laufe der Jahre oder wurden erschossen. 1972 wurde der Sergeant Shoichi Yokoi auf der Pazifikinsel Guam entdeckt, er hatte sich jahrelang in einem Erdloch versteckt. Bis Onodas Krieg endete, dauerte es noch zwei weitere Jahre.

Erst als die Behörden Onodas ehemaligen japanischen Vorgesetzten ausfindig gemacht hatten und dieser seinem früheren Untergebenen 1974 den Befehl zur Kapitulation erteilte, ergab er sich. Zu dem Zeitpunkt trug Onoda immer noch seine Uniform, sein Schwert und sein Gewehr samt Munition bei sich. Präsident Marcos begnadigte ihn.

Onoda kehrte nach Japan zurück und erlangte dort hohe Popularität. 1975 wanderte er nach Brasilien aus, um Viehzüchter zu werden. Doch als er von Gewalt an Schulen in der "Überflussgesellschaft Japan" erfuhr, kehrte er zurück und gründete eine Naturschule, um mit einer naturorientierten Erziehung gegen den Werteverfall in Japans Gesellschaft anzugehen.

"Ich betrachte diese 30 Jahre nicht als Zeitverschwendung", sagte er einmal über sein Leben im Dschungel. "Ohne diese Erfahrung hätte ich nicht mein heutiges Leben." Im gleichen Interview 1995 sprach er aber auch von seinem großen Nachholbedürfnis. "Ich mache alles doppelt so schnell", sagte Onoda, "ich wünschte, jemand könnte für mich essen und schlafen, so dass ich 24 Stunden am Tag arbeiten kann."

Hiroo Onodas Erlebnisse wurden auch verfilmt. Unter anderem blickte er in der Dokumentation "The Last Surrender" aus dem Jahr 2001 auf sein Leben zurück.

hut/dpa/AFP/AP

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