Syrischer Mitarbeiter Frisieren nur für Männer? Infoblatt löst Internethetze aus

Mit einem missverständlichen Infozettel hat ein Friseursalon in Zwickau großen Wirbel ausgelöst: Ab 16 Uhr würden keine Frauen mehr bedient, weil nur noch ein syrischer Mitarbeiter im Laden sei. Nun folgte die Erklärung.

imago/ Westend61


Ein Friseursalon in Zwickau hat in der vergangenen Woche mit einem Hinweis an seine Kunden enormen Wirbel bis hin zu rassistischen Kommentaren in sozialen Medien ausgelöst. Auf dem Zettel an der Tür war zu lesen, dass nachmittags und abends keine Damen mehr bedient würden, weil dann nur noch ein syrischer Friseur im Laden anwesend sei.

"Sehr geehrte Kundschaft, aus personalbedingten Gründen bedienen wir vom 10.07. - 15.07.17 ab 16.00 Uhr keine Damenkunden. In diesem Zeitraum haben wir einen syrischen Herrenfriseur im Salon, der ausschließlich nur Herren bedient. Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ihr Klier-Team", hieß es in dem Schreiben.

Von Verständnis waren die meisten Reaktionen auf dem Aushang allerdings weit entfernt.

Eine Passantin fotografierte den Hinweis und zeigte das Bild bei Facebook. Es folgte ein Sturm der Empörung, die Aufnahme wurde tausendfach im Netz geteilt, schnell war die Rede von Rassismus gegen Deutsche und Frauenfeindlichkeit. Viele Kommentare waren fremdenfeindlich, die wenigsten blieben sachlich. "Ich glaube ich muss da mal mit meinem schlagstock rum kommen…. Anderer seits lieber so als das er die ganzen Kundinnen vergewaltigt", schrieb ein User.

Die Friseurkette Klier, die in ganz Deutschland Filialen betreibt, entschuldigte sich für den "missverständlichen Aushang" und veröffentlichte am Samstag eine Klarstellung: "Bei dem Mitarbeiter in besagtem Salon handelt es sich um einen Herrenfriseur aus Syrien. Das heißt, dass er in seiner Heimat ausschließlich zum Herrenfriseur ausgebildet worden ist." Er besitze nicht die berufliche Qualifikation, um Frauenfrisuren zu schneiden. "Den Unterstellungen, dass es sich um eine religiös motivierte Diskriminierung von Frauen handeln würde, möchten wir entschieden widersprechen. Gleichzeitig entschuldigen wir uns ausdrücklich für das Missverständnis", teilte das Unternehmen mit.

Der syrische Mitarbeiter sei ein "begnadeter Herrenfriseur", sagte ein Klier-Sprecher. Er sei in der Zwickauer Filiale eingestellt worden, weil dort 70 Prozent der Kunden Männer seien. Der Syrer hätte wegen seiner geringen Sprachkenntnisse nicht allein im Salon sein dürfen. "Eine Mitarbeiterin hat sich wegen der Personalnot über diese Anweisung hinweggesetzt", so der Sprecher. Die Nationalität des Mitarbeiters habe zudem auf einem solchen Zettel nichts verloren.

Die Friseurkette beschäftigt nach eigenen Angaben mehrere Flüchtlinge in enger Zusammenarbeit mit der Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Das Unternehmen behalte sich vor, eventuell strafbare Facebook-Posts zu melden.

asz



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