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Faszinierende Doppelporträts: Hier verschmelzen eineiige Zwillinge

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Zwei Personen, ein Porträt: Fotograf Dennis Möbus setzt die Gesichtshälften von eineiigen Zwillingen zusammen Zur Großansicht
Dennis Möbus

Zwei Personen, ein Porträt: Fotograf Dennis Möbus setzt die Gesichtshälften von eineiigen Zwillingen zusammen

Wie gleich sind eineiige Zwillinge? Wie unterschiedlich? Fotograf Dennis Möbus hat Antworten auf diese Fragen gesucht - und Bilder zu beeindruckenden Doppelporträts zusammengesetzt.

Der Zufall tritt kurz vor Weihnachten 2013 ins Fotostudio von Dennis Möbus. Er kommt in Gestalt von eineiigen Zwillingen, in gleicher Kleidung, mit identischer Frisur. "Diese Gleichheit hat mich sofort fasziniert", sagt Möbus. Und so beschließt er kurzerhand, eineiige Zwillinge zum Thema seiner Diplomarbeit im Fach Kommunikationsdesign an der Hochschule Darmstadt zu machen.

"Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das wäre, wenn es noch jemanden gäbe, der genauso aussieht wie ich", sagt der 28-Jährige aus dem hessischen Trebur. "Mein Bruder ist sieben Jahre jünger als ich." Wie einzigartig ist jeder Mensch? Und wie schwierig ist es, seine eigene Identität als eineiiger Zwilling zu entwickeln?

Diese Fragen wollte Möbus beantworten. Die Idee stand also, doch wie genug Zwillinge finden? Neben einem Aufruf im Internet veranstaltete der Fotograf extra das erste hessische Zwillingsfestival. Am Tag des Finales der Fußball-WM in Brasilien kamen daher gut 120 Zwillingspaare auf einer großen Wiese in Trebur zusammen.

Erstes hessisches Zwillingsfestival: Großer Andrang in Trebur Zur Großansicht
Dennis Möbus

Erstes hessisches Zwillingsfestival: Großer Andrang in Trebur


13 von ihnen wählte Möbus für seine Arbeit aus. Eineiige Zwillinge machen derzeit etwa ein Viertel aller in Deutschland geborenen Zwillinge aus, sie kommen mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:250 zur Welt - diese Rate ist seit Jahrzehnten konstant. Zweieiige Zwillinge hingegen werden immer häufiger geboren (mehr zu diesem Phänomen lesen Sie hier).

Viele Zwillinge schlafen und wachen gemeinsam, werden gleichzeitig gestillt - eine besondere Innigkeit entsteht, insbesondere bei eineiigen Zwillingen. "Die Babys lernen von Beginn an, dass sie auf Gedeih und Verderb miteinander auskommen müssen", sagte einst der Entwicklungspsychologe Hartmut Kasten. "Sie müssen sich an die Umstände gewöhnen, die der andere mitprägt."

Verschmolzene Gesichter wirken wie eine reale Person

Fotograf Möbus will mit seiner Diplomarbeit zeigen, wie unterschiedlich, aber auch wie gleich eineiige Zwillinge sein können - und wo die Unterschiede und Gemeinsamkeiten liegen. Dazu führte er Interviews mit den Zwillingspaaren. Er machte Fotos, mit denen Gemeinsamkeiten oder Unterschiede bildlich dargestellt werden. Und er setzte jeweils die Gesichtshälften der Zwillinge zu einem gemeinsamen Porträt zusammen - mit faszinierenden Ergebnissen.

Das Fazit von Dennis Möbus: "Alle befragten Zwillinge konnten ihre eigene Identität gut entwickeln. Sie sehen mehr Vorteile als Nachteile darin, als eineiiger Zwilling aufgewachsen zu sein - vor allem weil jeder von ihnen einen Menschen hat, mit dem ihn etwas Besonderes verbindet."

Aber sehen Sie selbst: Hier sind die Bilder der Arbeit sowie Ausschnitte der dazugehörigen Interviews.

Franz & Paul Piwarz, 25: "Wir sind schon ziemlich gleich, sogar im Beruf. Wir beide sind bei der Berufsfeuerwehr, beide in Darmstadt."

Frage: Welche Vorteile hat es für dich, ein Zwilling zu sein?
Paul Piwarz (l.): Es läuft einfach vieles, ohne ein einziges Wort zu verlieren. Man muss nicht immer alles sagen, um verstanden zu werden.
Franz Piwarz: Man weiß genau, wie es dem anderen in einer bestimmten Situation geht.

Marco & Lars Nordmann, 25: "Wir gehen schon ähnliche Wege, sind aber dennoch verschieden."

Frage: Was unterscheidet dich von deinem Zwilling?
Marco Nordmann (l., Vermögensberater): Meiner Meinung nach das Aussehen, die berufliche Entwicklung und die heute gesetzten Prioritäten im Alltag.
Lars Nordmann (Student): Er ist Rechtshänder und Rechtsfuß, ich bin Linkshänder und Linksfuß. Während er immer als der etwas Knurrige wahrgenommen wird, bin ich eher der Liebe. Er ist Raucher, ich nicht. Er war noch nicht für längere Zeit im Ausland, ich schon. Dafür ist er bereits mit seinem Studium fertig und seit mehreren Jahren beruflich selbstständig.

Kora & Jana Anker, 25: "Wir sind eigentlich genau gleich. Aber: Ich tauche gerne. Meine Schwester fährt lieber Ski."

Frage: Gibt es bei euch mehr Konkurrenz und Neid als zwischen "normalen" Geschwistern?
Kora Anker (l., Diätassistentin, freiberufliche Ernährungsberaterin): In manchen Lebensphasen gab es das sicherlich. Zurzeit würde ich sagen, dass es keinen Neid gibt. Es gab Momente, da kam es zu einem Konkurrenzverhalten. Und zwar als wir beide ausgebildete Diätassistentinnen waren und uns auf Jobsuche begeben mussten.
Jana Anker (Diätassistentin, Studentin der Lebensmitteltechnologie): Ich denke schon. Da wir im Prinzip das gleiche Aussehen haben, wird mehr verglichen. Dadurch, dass wir den selben Beruf gelernt haben, gab es da automatisch eine Konkurrenz. Nun haben wir allerdings beruflich getrennte Wege eingeschlagen.

Ariane Schneider & Britta Bieberstein, 33: "Ich bin etwas schneller als meine Schwester. Ich habe bereits zwei Kinder."

Frage: Ist es für dich als Zwilling schwieriger, eine eigene Identität zu entwickeln?
Ariane Schneider (l., Justizfachangestellte): Die ersten Jahre war es schwierig, eine eigene Identität zu entwickeln. Wir waren immer gleich angezogen, hatten dasselbe Zimmer und dieselben Freunde. Das war schön und schwierig zugleich. Erst in der Pubertät hat sich das geändert. Da haben wir uns dann eigenständiger entwickelt. Als wir dann verschiedene Ausbildungsberufe erlernt haben, haben wir auch unterschiedliche Freundschaften geschlossen.
Britta Bieberstein (Verwaltungsfachwirtin): Ja, auf jeden Fall. Man wird immer mit dem Zwilling verglichen. Es heißt immer, die Zwillis und nicht Britta und Ariane.

Peter & Thomas Lösch, 51: "Wir haben vor allem unterschiedliche Berufe."

Frage: Ist die Bindung zu deinem Zwilling heute größer als früher oder umgekehrt?
Peter Lösch (l., Schreinermeister): Als Kind war die Bindung größer.
Thomas Lösch (Karosseriebauer): Als Kind war sie größer.

Pauline & Jodie Bossers, 19: "Wir sind schon ziemlich unterschiedlich. Meine Schwester hat lange Haare, ich kurze. Vom Charakter sind wir anders, und auch im Job gehen wir verschiedene Wege."

Frage: Bist du glücklich, ein Zwilling zu sein?
Pauline Bossers (l., Rettungssanitäterin, Bundesfreiwilligendienst): Ich bin - so wie es ist - auf jeden Fall sehr zufrieden. Man ist nie alleine und hat immer eine vertraute Person bei sich.
Jodie Bossers (Kommissaranwärterin bei der Bundespolizei): Ja, man hat immer eine direkte Bezugsperson, mit der man über alles reden kann, und versteht sich quasi ohne Worte.

Cynthia Wölpel & Alexandra Waletzeck, 39: "Wir sind extrem gleich. Uns unterscheidet eigentlich nur, dass wir verschiedene Hunde haben."

Frage: Wann hast du dich das erste Mal gefragt, wie es wäre, wenn du keinen Zwilling hättest?
Cynthia Wölpel (l., Aufgabenleiterin Schulungskoordination Luftsicherheit): Definitiv nie, ich bin ein Zwilling und fertig. Alex gehört einfach zu mir, da stellt sich die Frage nicht.
Alexandra Waletzeck (Rental Sales Agent bei Europcar): Ich habe mich noch nie gefragt, wie es ohne Zwilling wäre, ich will es, glaube ich, auch gar nicht wissen.

Julia & Janine Dörr, 16: "Uns verbindet neben dem Aussehen vor allem der Sport. Wir spielen beide leidenschaftlich Fußball."

Frage: Welche Nachteile hat es für dich, ein Zwilling zu sein?
Julia Dörr (l., Schülerin): Meistens werden wir als eine Person angesehen. Das hat Vor- und Nachteile. Das Gute daran ist, dass wir mal dieselben Noten bekommen haben, weil die Lehrerin es unfair fand, meiner Schwester eine schlechtere Note zu geben. Aber wenn eine von uns Stress mit jemandem hat, wird die andere auch mit reingezogen.
Janine Dörr (Schülerin): Der Nachteil ist, dass meine Schwester und ich sehr oft miteinander verglichen und als eine Person angesehen werden. Dass viele Leute uns ständig verwechseln, stört mich nicht.

Sabrina & Isabelle Dettmer, 18: "Nur weil wir gleich aussehen bedeutet das nicht, dass wir auch im Inneren total gleich sind. Uns verbindet zudem noch mehr. Beispielsweise die Musik. Wir beide spielen Klavier."

Frage: Wenn dein Zwilling ein Jahr im Ausland wäre, was würde sich für dich ändern?
Sabrina Dettmer (l., Nebenjob bei P&C, Messe-Hostess, wartet auf Studienplatz): Meine Schwester ist momentan wirklich für ein halbes Jahr im Ausland – und ich muss sagen: Fast alles ändert sich, wenn sie länger weg ist, da wir sonst einfach so gut wie alles zusammen machen.
Isabelle Dettmer (Au-pair in Cannes): Als ich meine Schwester kürzlich am Flughafen traf, kamen uns beiden die Tränen. Ich habe also gemerkt, wie sehr sie mir fehlt und wie sehr ich sie brauche. Aber beide wachsen an dieser Erfahrung. Und früher oder später ist es nicht zu vermeiden, sich zu trennen. Spätestens, wenn eine mal heiraten will.

Horst & Dieter Olschewsky, 51: "Uns verbindet nicht sehr viel, aber beispielsweise die schottische Musik."

Frage: Ist es für dich als Zwilling schwieriger, eine eigene Identität zu entwickeln?
Dieter Olschewsky (l., Luftsicherheitsassistent bei der Fraport AG): Meiner Ansicht nach nicht, ich hatte damit nie Probleme.
Horst Olschewsky (Suchtberater bei der Fraport AG): Mein Bruder war in der Kindheit und Jugendzeit eher dominanter, was mich in der persönlichen Entwicklung eingeschränkt hat. Erst Auszug und Trennung vom Zwilling sowie Gründung einer eigenen Familie hat meine Persönlichkeitsentwicklung angestoßen und geprägt.

Ricarda & Petra Roth, 22: "Wir arbeiten nicht nur in derselben Firma, sondern haben auch noch den gleichen Job."

Frage: Was ist besonders daran, ein Zwilling zu sein?
Petra Roth (l., Kauffrau für Bürokommunikation): Jemanden zu haben, der so ist wie man selbst. Jemand, der versteht, wie man sich fühlt und oft auch das Gleiche denkt.
Ricarda Roth (Kauffrau für Bürokommunikation): Besonders daran ist, dass es noch so jemanden gibt, der dasselbe Aussehen hat. Man hat quasi eine andere Hälfte. Außerdem merke ich, wenn es meiner Schwester nicht gut geht. Das hat man im Gefühl.

Sebastian & Alexander Stephan, 35: "Der größte Unterschied liegt bei uns bei den Zigaretten. Ich bin Raucher, mein Bruder dagegen absoluter Nichtraucher."

Frage: Welche Vorteile hat es für dich, ein Zwilling zu sein?
Alexander Stephan (l., Informatikkaufmann): Der Zusammenhalt als Team ist der größte Vorteil für mich. Man war in der Kindheit nie allein und hatte immer einen Spielpartner. Da wir gemeinsam die Zeit im Kindergarten, in der Schule, bei der Bundeswehr und auch in derselben Firma verbracht haben und auch noch verbringen, ist der Kontakt immer da. Lustige Verwechslungssituationen auf der Arbeit bleiben da natürlich nicht aus.
Sebastian Stephan (Key Account Manager): Der größte Vorteil ist, dass man nie alleine sein wird. Man weiß immer, dass man jemanden hat, der zu einem steht und hilft, wenn man Hilfe braucht. Der ein offenes Ohr hat, wenn es Probleme gibt und mit dem man Spaß haben kann. Oder auch mal streiten, auch das gehört dazu.

Gustav & Erich Walter, 79: "Wir konnten beide sehr gut unsere eigene Identität entwickeln. Die Musik hat uns aber das ganze Leben lang miteinander verbunden."

Frage: Was unterscheidet dich von deinem Zwilling?
Erich Walter (l., Fotograf): Große Unterschiede gibt es bei uns nicht. Wir sind vom Kindesalter an beide musikalisch. Während ich Geige gelernt habe, hat sich mein Bruder mit der Gitarre angefreundet.
Gustav Walter (Architekt): Ich bin mehr der Technische, während mein Bruder eher der Künstlerische ist. Ansonsten unterscheidet uns nicht viel. Auch charakterlich sind wir sehr ähnlich.

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1.
mat76 04.03.2015
Äh wo sind die Bilder?
2. Oh Mann
lizard_of_oz 04.03.2015
Manchmal wenn ich in einen Spiegel schauen muss, sehen meine beiden Gesichtshälften unterschiedlicher aus, als die zusammengesetzten Zwillingsfotos, fast schon wie zwei verschiedene Charaktere. Vielleicht sollte ich auch einst Zwillinge werden, hab mich aber durchgesetzt.
3. Wo sind diese Bilder und die Interviewausschnitte?
f_wohlgemuth 04.03.2015
"Aber sehen Sie selbst: Hier sind die Bilder der Arbeit sowie Ausschnitte der dazugehörigen Interviews." Wo? Ich finde den Link zu den versprochenen Bildern nicht.
4. Kombinationen bitte!
quap.sel 04.03.2015
Seit längerem ist bekannt, dass die Gesichtshälften jedes Menschen unterschiedliches ausdrücken. Insofern wäre notwendig, dass verschiedene links-recht-Kombinationen gewählt werden, dass Gesichtshälften auch gespiegelt genutzt werden.
5. Interessant
gandhiforever 04.03.2015
Nicht ueberraschend , dass der/die eine den/die andere ohne viel Worte versteht. Ueberraschend hingegen bei den Nordmaennern, dass der eine Links- der andere Rechtshaender ist.
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